Die Sommerferien stehen vor der Tür – und mit ihnen die Frage, wie das Haus aussieht, während niemand da ist. Ein Heim, das zwei Wochen lang stockdunkel bleibt, ist für Einbrecher eine Einladung. Eine fest programmierte Zeitschaltuhr, die jeden Abend um exakt 20:00 Uhr dasselbe Licht einschaltet, ist es fast genauso: Das Muster ist nach zwei Tagen Beobachtung durchschaut. Home Assistant kann das deutlich besser – mit einer Anwesenheitssimulation, die Licht und Szenen zu zufälligen Zeiten schaltet und so echtes Leben vortäuscht.
Die Idee: Zufall statt Zeitschaltuhr
Das Ziel ist ein realistisches Lichtmuster: abends gehen Lampen an, später wieder aus, an verschiedenen Tagen leicht unterschiedlich. Der Schlüssel dazu ist ein Zufallselement in den Auslösezeiten. Statt einer fixen Uhrzeit nutzen wir einen Trigger relativ zum Sonnenuntergang und versehen ihn mit einer zufälligen Verzögerung von einigen Minuten. So wirkt jeder Abend ein wenig anders – genau wie im echten Leben.
Damit sich die Simulation bequem ein- und ausschalten lässt, legen wir zuerst einen Schalter-Helfer an. Über Einstellungen → Geräte & Dienste → Helfer → Umschalter (input_boolean) entsteht in Sekunden ein input_boolean.urlaubsmodus. Diesen aktivieren Sie vor der Abreise per App – und alle Simulations-Automationen prüfen, ob er eingeschaltet ist, bevor sie etwas tun.
Schritt für Schritt: die Abend-Automation
Die Kernautomation schaltet abends Licht ein. Wir koppeln sie an den Sonnenuntergang, fügen aber bewusst Streuung hinzu. Im YAML-Editor sieht das so aus:
automation:
- alias: Urlaub - Wohnzimmerlicht abends
trigger:
- platform: sun
event: sunset
offset: "-00:15:00"
condition:
- condition: state
entity_id: input_boolean.urlaubsmodus
state: "on"
action:
- delay: "00:0{{ range(0,9) | random }}:00"
- service: light.turn_on
target:
entity_id: light.hue_white_lamp_1
data:
brightness_pct: 70
Die delay-Zeile sorgt für die zufällige Verschiebung um null bis acht Minuten. Wer mehrere Räume bespielen will, legt zwei, drei solche Automationen für verschiedene Lampen mit jeweils eigenen Zufallswerten an – so wandert das Licht scheinbar durchs Haus.
Genauso wichtig ist das Ausschalten am späten Abend, sonst brennt das Licht die ganze Nacht und verrät die Automatik:
- alias: Urlaub - Licht nachts aus
trigger:
- platform: time_pattern
hours: "22"
minutes: "/15"
condition:
- condition: state
entity_id: input_boolean.urlaubsmodus
state: "on"
- condition: template
value_template: "{{ range(0,4) | random == 0 }}"
action:
- service: light.turn_off
target:
entity_id: light.hue_white_lamp_1
Die Template-Bedingung mit random löst nur in etwa einem von vier Durchläufen aus – das Licht geht also irgendwann zwischen 22:00 und Mitternacht aus, nie zur exakt gleichen Minute.
Mehr Realismus mit Szenen
Statt nur einer Lampe können Sie ganze Stimmungen abrufen. Wenn Sie ohnehin Hue-Szenen eingerichtet haben, lassen sich diese in der Aktion direkt aufrufen – etwa scene.anais_lesen am frühen Abend und eine gedimmte Variante später. So entsteht ein abwechslungsreicher Verlauf statt eines simplen Ein/Aus. Eine ausführliche Anleitung, wie sich solche Szenen sauber nach Tageszeit steuern lassen, finden Sie im Beitrag zu tageszeit-gesteuerten Hue-Szenen.
Kombinieren lässt sich das mit weiteren Signalen: gelegentlich kurz die Rollläden bewegen, abends das Radio über einen Lautsprecher laufen lassen oder mit choose zufällig zwischen mehreren Szenen wählen. Übertreiben Sie es aber nicht – ein Haus, in dem im Minutentakt etwas blinkt, wirkt unnatürlicher als ein ruhiges, plausibles Muster.
Fazit
Mit einem einzigen input_boolean, einem Sonnenuntergangs-Trigger und einer Prise random verwandeln Sie Home Assistant in einen überzeugenden Anwesenheits-Simulator. Das Schöne daran: Alles läuft lokal, ohne Cloud, und lässt sich vor der Abreise mit einem Fingertipp aktivieren. Richten Sie die Automationen jetzt ein, testen Sie sie ein paar Abende, solange Sie zu Hause sind – und fahren Sie in die Ferien mit dem guten Gefühl, dass Ihr Haus auch ohne Sie bewohnt aussieht.