Ein Nachmittag am See, die Wolken täuschen, der Sonnenschutz war zu dünn aufgetragen – und abends spannt und brennt die Haut. Sonnenbrand ist im Hochsommer der häufigste Grund für einen kurzfristigen Gang in die Apotheke. Die gute Nachricht: Bei leichten bis mittleren Verbrennungen können Sie zu Hause viel richtig machen. Die weniger gute: Die beliebten «After Sun»-Produkte reparieren nichts, sie lindern nur. Was hilft wirklich, und wann gehört der Sonnenbrand in ärztliche Hände?
Was im Moment der Verbrennung passiert
Ein Sonnenbrand ist eine echte Entzündung der Haut, ausgelöst durch UV-B-Strahlung. Die Rötung, das Spannen und die Wärme sind Zeichen, dass Zellen geschädigt wurden. Tückisch ist die Verzögerung: Die volle Rötung zeigt sich oft erst vier bis acht Stunden nach dem Sonnenbad, ihren Höhepunkt erreicht sie nach etwa einem Tag. Wer abends erst merkt, wie stark er sich verbrannt hat, hat den Schaden am Mittag angerichtet. Deshalb lässt sich das Ausmass eines Sonnenbrands direkt nach dem Baden oft noch gar nicht abschätzen – lieber einmal zu vorsichtig sein als eine Nacht mit brennender Haut zu verbringen.
Deshalb der wichtigste Rat zuerst: raus aus der Sonne, und zwar für die nächsten Tage konsequent. Die geschädigte Haut ist besonders empfindlich, jede weitere Bestrahlung verschlimmert den Schaden.
Erste Hilfe: kühlen und Feuchtigkeit spenden
Direkt nach der Verbrennung tut Kühlung gut. Legen Sie kühle, feuchte Umschläge auf oder duschen Sie lauwarm bis kühl – aber nicht eiskalt, das reizt zusätzlich. Danach braucht die Haut Feuchtigkeit. Leichte Lotionen oder Gele mit Aloe vera, Panthenol oder Allantoin kühlen, spenden Feuchtigkeit und beruhigen die Rötung. In der Apotheke finden Sie diese Wirkstoffe in reiner Form, ohne unnötige Duft- und Farbstoffe, die die gereizte Haut zusätzlich belasten würden.
Wichtig zu wissen: Aloe vera und Co. lindern das Spannungsgefühl, sie heilen die Verbrennung aber nicht schneller. Fetthaltige Salben, Butter oder Hausmittel wie Quark gehören hingegen nicht auf frischen Sonnenbrand – sie stauen die Wärme oder erhöhen das Infektionsrisiko. Auch alkoholhaltige Gesichtswasser oder Peelings sind jetzt tabu: Die Barriere der Haut ist ohnehin geschwächt, jede zusätzliche Reizung verzögert die Erholung.
Wenn Schmerzen und Schwellung dazukommen
Bei spürbaren Schmerzen können entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Apotheke helfen, etwa Ibuprofen. Sie dämpfen sowohl den Schmerz als auch die Entzündung selbst und sind besonders in den ersten Stunden sinnvoll. Lassen Sie sich zu Dosierung und Eignung beraten, gerade wenn Sie andere Medikamente einnehmen. Bei stärkerer Rötung kann kurzfristig auch eine leichte Hydrocortison-Creme die Entzündung beruhigen – auch hier lohnt das Gespräch am Apothekentresen.
Trinken Sie ausserdem genug. Ein grossflächiger Sonnenbrand entzieht dem Körper Flüssigkeit, und Hitze tut ihr Übriges. Die Verbindung von Sonne und Medikamenten ist übrigens ein eigenes Thema: Manche Wirkstoffe machen die Haut überhaupt erst besonders empfindlich, wie ich im Beitrag Medikamente und Sonne: Photosensibilisierung beschrieben habe.
Wann Sie zum Arzt sollten
Es gibt klare Grenzen für die Selbstbehandlung. Bilden sich Blasen auf grösserer Fläche, kommen Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit oder Kreislaufprobleme dazu, gehört der Sonnenbrand ärztlich abgeklärt – das sind Zeichen einer schweren Verbrennung oder eines Sonnenstichs. Besondere Vorsicht gilt bei Säuglingen und Kleinkindern: Bei ihnen ist schon ein leichter Sonnenbrand ein Grund, ärztlichen Rat einzuholen. Auch stark gerötete, geschwollene Gesichtspartien rund um die Augen sollten Sie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Und wer wiederholt und stark verbrennt, sollte das ernst nehmen: Jeder schwere Sonnenbrand erhöht das langfristige Hautkrebsrisiko, gerade in der Kindheit.
Fazit
Bei leichtem Sonnenbrand hilft ein einfaches Programm: aus der Sonne, kühlen, mit Aloe vera oder Panthenol Feuchtigkeit spenden, bei Schmerzen ein entzündungshemmendes Mittel, viel trinken. Die Apotheke bietet für jeden dieser Schritte das passende, gut verträgliche Produkt und die Beratung dazu. Blasen, Fieber oder ein betroffenes Kind sind dagegen ein Fall für die Ärztin. Und der wirksamste Rat bleibt der langweiligste: Der beste Sonnenbrand ist der, den Sie mit Schatten, Kleidung und rechtzeitig nachgecremtem Schutz gar nicht erst bekommen.
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Blog: https://www.coremind.ch/wordpress/ · Autor: Mike Neuburger