Der Zähler im Keller kennt nur eine Zahl: den Gesamtverbrauch. Doch wer seine Stromkosten wirklich verstehen will, braucht mehr – Verbrauch pro Tag, pro Monat, und vor allem getrennt nach Hoch- und Niedertarif. Genau das leistet der Utility Meter in Home Assistant. Aus einem einzigen fortlaufenden kWh-Wert macht er saubere, periodisch zurückgesetzte Zähler und kann sogar automatisch zwischen zwei Tarifen umschalten. In diesem Beitrag richten wir ihn Schritt für Schritt ein.
Das Problem: ein Wert, viele Fragen
Ein Stromzähler oder eine smarte Steckdose liefert in Home Assistant meist einen total_increasing-Sensor – eine Zahl, die immer weiter steigt. Für die Kostenrechnung ist das unbrauchbar. Sie wollen wissen: Wie viel habe ich heute verbraucht? Diesen Monat? Und wie teilt sich das auf Tag- und Nachtstrom auf, wo der Niedertarif in vielen Schweizer Gemeinden abends und am Wochenende gilt?
Der Utility Meter beantwortet genau diese Fragen. Er beobachtet den Quell-Sensor und bildet daraus einen neuen Zähler, der zu einem definierten Zeitpunkt – täglich, monatlich, jährlich – wieder auf null springt. Und mit der Tariffunktion legt er für jeden Tarif einen eigenen Zähler an, dazu eine Select-Entität zum Umschalten. So bleibt Ihr Rohsensor unangetastet, während darüber eine flexible Auswertungsschicht entsteht, die Sie jederzeit erweitern können.
Schritt 1: Ein einfacher Tageszähler
Am schnellsten geht die Einrichtung über die YAML-Konfiguration. Für einen reinen Tageszähler genügt:
utility_meter:
stromverbrauch_taeglich:
source: sensor.stromzahler_energie
cycle: daily
Nach einem Neustart erhalten Sie den Sensor sensor.stromverbrauch_taeglich, der jede Nacht um Mitternacht auf null zurückgeht. Denselben Block können Sie mit cycle: monthly oder cycle: yearly für längere Perioden ergänzen. Praktisch: Home Assistant merkt sich die Zählerstände über Neustarts hinweg, sodass keine Werte verloren gehen. Ergänzend liefert der Utility Meter ein Attribut mit dem letzten Periodenwert – ideal, um den gestrigen Verbrauch neben dem heutigen anzuzeigen.
Schritt 2: Zwei Tarife anlegen
Jetzt wird es interessant. Wir definieren zwei Tarife und lassen den Utility Meter beide getrennt zählen:
utility_meter:
strom_tarif:
source: sensor.stromzahler_energie
cycle: monthly
tariffs:
- hochtarif
- niedertarif
Home Assistant erzeugt daraus drei Entitäten: je einen Sensor für hochtarif und niedertarif sowie die Select-Entität select.strom_tarif, mit der sich der aktive Tarif wählen lässt. Nur der gerade gewählte Tarif zählt weiter – so landet jede Kilowattstunde im richtigen Topf.
Schritt 3: Automatisch umschalten
Von Hand den Tarif zu wechseln, ist keine Lösung. Eine kleine Automation erledigt das nach Uhrzeit. In vielen Regionen gilt der Hochtarif werktags von 07 bis 20 Uhr, sonst der Niedertarif:
automation:
- alias: Stromtarif umschalten
trigger:
- platform: time
at: "07:00:00"
id: hoch
- platform: time
at: "20:00:00"
id: nieder
action:
- service: select.select_option
target:
entity_id: select.strom_tarif
data:
option: >
{{ 'hochtarif' if trigger.id == 'hoch' else 'niedertarif' }}
Für das Wochenende, an dem oft durchgehend Niedertarif gilt, ergänzen Sie eine zweite Bedingung oder eine eigene Automation. Wer eine PV-Anlage hat, kann statt der Uhrzeit auch einen Sensor als Auslöser nehmen – etwa den Wechsel von Netzbezug auf Einspeisung.
Der praktische Nutzen
Sobald die Zähler laufen, sehen Sie im Dashboard exakt, wie viel Strom in teure und günstige Stunden fällt. Das deckt Sparpotenzial auf: Läuft die Waschmaschine wirklich im Niedertarif? Zieht die Wärmepumpe ihren Löwenanteil tagsüber? Solche Muster sichtbar zu machen, ist der erste Schritt, um Lasten bewusst in günstige Fenster zu verschieben. Über Wochen gesammelt entsteht so eine belastbare Grundlage, mit der sich der Nutzen einer PV-Anlage oder eines Batteriespeichers realistisch abschätzen lässt. Wer einzelne Geräte statt des Gesamthaushalts im Blick behalten will, kombiniert den Utility Meter mit den Laufzeit-Auswertungen aus History Stats in HA: Laufzeiten clever zählen.
Fazit
Der Utility Meter verwandelt einen stumpfen Gesamtverbrauch in eine aussagekräftige Kostenübersicht – pro Tag, pro Monat und getrennt nach Tarif. Die Einrichtung braucht nur wenige Zeilen YAML und eine schlanke Automation zum Umschalten. Danach arbeitet der Helfer unsichtbar im Hintergrund und liefert die Zahlen, die Sie fürs Energie-Dashboard und für bewusste Entscheidungen brauchen. Fangen Sie mit einem einzigen Tageszähler an, ergänzen Sie die Tarife, und bauen Sie darauf Ihr Kostenbild Schritt für Schritt aus.
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Blog: https://www.coremind.ch/wordpress/ · Autor: Mike Neuburger