Apotheke

Hitzschlag und Sonnenstich: Hilfe aus der Apotheke

Wenn im Frühsommer die ersten Hitzetage kommen, füllen sich die Apotheken mit Fragen rund um Sonnenschutz – und gelegentlich mit Menschen, denen die Hitze bereits zugesetzt hat. Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag werden oft in einen Topf geworfen, sind aber drei verschiedene Bilder mit unterschiedlichem Gefahrenpotenzial. Wer die Unterschiede kennt, reagiert im Ernstfall richtig – und weiss, wann die Apotheke genügt und wann der Notruf zählt.

Drei Bilder, ein Auslöser

Der Sonnenstich entsteht durch direkte Sonneneinstrahlung auf den ungeschützten Kopf und Nacken. Die Hitze reizt die Hirnhäute, während der übrige Körper gar nicht stark überhitzt sein muss. Typisch sind ein hochroter, heisser Kopf bei normaler Körpertemperatur, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und ein steifer Nacken. Beschwerden treten oft erst Stunden später auf, etwa am Abend nach einem langen Tag im Garten.

Die Hitzeerschöpfung ist die Folge von Flüssigkeits- und Salzverlust durch starkes Schwitzen. Der Körper kühlt sich zwar noch, aber der Kreislauf gerät unter Druck: blasse, feuchte Haut, Schwäche, Kopfschmerzen, Übelkeit, rascher Puls. Sie ist ein deutliches Warnsignal und kann unbehandelt in den Hitzschlag übergehen.

Der Hitzschlag ist der medizinische Notfall. Hier versagt die Temperaturregulation: Der Körper überhitzt auf über 40 Grad, das Schwitzen hört auf, die Haut ist heiss und trocken. Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung oder Krämpfe sind Alarmzeichen. Jetzt zählt jede Minute.

Erste Hilfe – das Richtige tun

Bei Sonnenstich und Hitzeerschöpfung gilt zunächst dasselbe: raus aus der Sonne, an einen kühlen, schattigen Ort, Oberkörper leicht erhöht lagern, beengende Kleidung öffnen. Kopf und Nacken mit feuchten, kühlen Tüchern versorgen. Bei klarem Bewusstsein schluckweise trinken lassen – bei Hitzeerschöpfung darf das Wasser leicht gesalzen sein, um den Salzverlust auszugleichen. Eine Daumenregel sind etwa ein Teelöffel Salz auf einen Liter Wasser; bequemer sind fertige Elektrolytlösungen aus der Apotheke.

Beim Hitzschlag dagegen heisst der erste Schritt: Notruf 144. Bis Hilfe kommt, die Person in den Schatten bringen, aktiv kühlen mit feuchten Tüchern an Kopf, Nacken und grossen Gefässen, und – bei Bewusstsein – kühle Getränke anbieten. Eiswasser oder Eis direkt auf der Haut sollte man vermeiden, weil die schlagartige Kälte die Gefässe verengt und die Kühlung paradoxerweise behindert. Bewusstlose werden in die stabile Seitenlage gebracht und erhalten nichts zu trinken.

Was die Apotheke leisten kann

Für die leichten Bilder ist die Apotheke die richtige erste Anlaufstelle. Gegen die Begleitbeschwerden helfen bewährte Schmerzmittel gegen Kopfweh, Elektrolytpräparate zum Ausgleich des Flüssigkeits- und Salzverlusts sowie kühlende Auflagen. Das Apothekenteam ordnet die Symptome ein und erkennt, ob die Lage harmlos ist oder ärztlich abgeklärt gehört.

Mindestens so wichtig ist die Beratung zur Vorbeugung. Eine Kopfbedeckung schützt zuverlässig vor dem Sonnenstich, regelmässiges Trinken vor der Erschöpfung. Besondere Aufmerksamkeit verdienen Risikogruppen: Kleinkinder, ältere Menschen und chronisch Kranke regulieren ihre Temperatur schlechter. Auch manche Medikamente spielen eine Rolle – Entwässerungsmittel, bestimmte Blutdruck- und Psychopharmaka können die Hitzetoleranz herabsetzen. Wer solche Präparate nimmt, sollte das Verhalten an Hitzetagen mit dem Apothekenteam besprechen. Hitze setzt übrigens auch den Arzneimitteln selbst zu; wie man Medikamente an heissen Tagen richtig aufbewahrt, zeigt der Beitrag zum richtigen Lagern bei Hitzewellen.

Wann zum Arzt oder Notruf

Eine klare Linie hilft bei der Entscheidung. Bei einem unkomplizierten Sonnenstich, der sich im Kühlen und mit Ruhe rasch bessert, reicht in der Regel Selbsthilfe. Ärztlich abklären lassen sollte man anhaltende oder zunehmende Beschwerden, hohes Fieber, wiederholtes Erbrechen sowie jeden Sonnenstich bei Säuglingen und Kleinkindern. Den Notruf 144 wählt man sofort bei Anzeichen eines Hitzschlags: trockene, heisse Haut, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörung oder Krämpfe.

Fazit

Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag bilden eine Steigerung von harmlos bis lebensbedrohlich. Der Schlüssel liegt darin, die Zeichen zu unterscheiden: ein heisser Kopf bei kühlem Körper ist etwas anderes als ein durchnässtes, schwaches Kreislaufbild – und beides etwas völlig anderes als heisse, trockene Haut mit Verwirrtheit. Für die leichten Fälle ist die Apotheke kompetente Hilfe für Behandlung und Vorbeugung. Beim Verdacht auf einen Hitzschlag gilt jedoch ohne Zögern: kühlen und 144 wählen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Apotheke, Ihre Ärztin oder den Notdienst.

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