Apotheke

Vitamin D im Sommer: Reicht die Sonne wirklich?

Im Hochsommer scheint die Frage überflüssig: Wer bei strahlendem Wetter draussen ist, bildet doch genug Vitamin D – oder? In der Apotheke landet dieses Thema trotzdem das ganze Jahr über auf dem Tresen, und die Antwort ist differenzierter, als viele denken. Denn selbst im Juli ist ein Teil der Schweizer Bevölkerung unterversorgt. Ein sachlicher Blick auf Fakten, Risikogruppen und den sinnvollen Umgang mit Präparaten lohnt sich gerade jetzt.

Wie der Körper Vitamin D bildet

Vitamin D ist ein Sonderfall unter den Vitaminen: Der grösste Teil entsteht nicht über die Ernährung, sondern in der Haut, sobald UV-B-Strahlung auf sie trifft. Deshalb ist die Versorgung stark von Jahreszeit, Tageszeit und Lebensstil abhängig. Zwischen etwa Juni und September steht die Sonne in der Schweiz hoch genug, damit die körpereigene Produktion auf Hochtouren läuft. In dieser Zeit ist die Bevölkerung im Durchschnitt ausreichend versorgt.

Ausreichend heisst dabei: eine Konzentration von mindestens 50 Nanomol pro Liter im Blut. Wer sich im Sommer regelmässig im Freien aufhält, erreicht diesen Wert in der Regel problemlos – weshalb die Behörden für diese Gruppe im Sommer ausdrücklich keine Ergänzung empfehlen. Der Speicher, den der Körper jetzt anlegt, hilft zudem, die dunkle Jahreszeit zu überbrücken.

Warum trotzdem viele einen Mangel haben

Der Haken: «Regelmässig im Freien» trifft längst nicht auf alle zu. Untersuchungen zeigen, dass selbst im Hochsommer etwa jede fünfte bis zehnte Person in der Schweiz zu wenig Vitamin D hat. Der Grund liegt im modernen Alltag. Wer den Tag im Büro verbringt, konsequent Sonnenschutz verwendet, aus gesundheitlichen oder kulturellen Gründen bedeckende Kleidung trägt oder die Mittagssonne meidet, drosselt die körpereigene Bildung erheblich – und das ist ausgerechnet dann der Fall, wenn man es am wenigsten vermutet.

Sonnenschutz ist dabei kein Widerspruch: Der Schutz vor Hautkrebs und vorzeitiger Hautalterung hat klar Vorrang, und niemand sollte sich für ein bisschen Vitamin D einen Sonnenbrand holen. Es zeigt nur, dass «Sommer» und «genug Vitamin D» eben nicht automatisch dasselbe sind.

Diese Gruppen sollten genauer hinschauen

Bestimmte Personen tragen ein erhöhtes Risiko, auch im Sommer unterversorgt zu sein. Dazu zählen Menschen über 65 Jahre, weil die Haut im Alter weniger Vitamin D bildet, Personen mit starkem Übergewicht sowie Menschen mit chronischen Magen-Darm-Erkrankungen, die die Aufnahme beeinträchtigen. Auch Säuglinge sind ein Sonderfall und erhalten üblicherweise unabhängig von der Jahreszeit eine Ergänzung. Für diese Gruppen kann eine Supplementierung auch im Sommer sinnvoll sein – idealerweise in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt.

Ein wichtiger Hinweis zu Bluttests: Ein routinemässiger Vitamin-D-Test ist für gesunde Menschen ohne Beschwerden meist unnötig und wird von der Grundversicherung nur bei begründetem Verdacht übernommen. Wer zu einer Risikogruppe gehört oder unklare Symptome hat, bespricht das besser gezielt mit der Hausarztpraxis, statt teure Selbstzahler-Tests zu bestellen.

Was die Apotheke rät

In der Apotheke geht es weniger um die Frage «ja oder nein», sondern um den passenden Einzelfall. Für gesunde, sonnenaktive Erwachsene ist im Sommer meist kein Präparat nötig. Wer aber zu einer Risikogruppe gehört, viel drinnen ist oder im Winter regelmässig müde und infektanfällig wird, kann eine massvolle Ergänzung – häufig als Tropfen – erwägen. Wichtig ist, sich an übliche Dosierungen zu halten: Vitamin D ist fettlöslich und kann sich im Körper anreichern, hochdosierte Eigenexperimente sind also nicht harmlos. Wie Vitamin D in das grössere Bild der Mikronährstoffe passt, habe ich im Beitrag Mikronährstoffe in der Apotheke: was hilft eingeordnet.

Fazit

Im Sommer reicht die Sonne für die meisten tatsächlich aus – aber eben nicht für alle. Ältere Menschen, Personen mit wenig Tageslicht und einige Risikogruppen können auch jetzt unterversorgt sein. Statt pauschal zu supplementieren oder auf Verdacht teure Tests zu machen, lohnt sich das Gespräch in der Apotheke oder Hausarztpraxis. Und für den Winter gilt ohnehin: Dann rät die offizielle Empfehlung den meisten zu einer Ergänzung, weil die Sonne dafür schlicht zu tief steht.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung.

Blog: https://www.coremind.ch/wordpress/ · Autor: Mike Neuburger

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