User Generated Content – kurz UGC – ist seit 2024 der wahrscheinlich profitabelste Nebenjob für Studierende mit etwas Smartphone-Talent. Marken kaufen unauthentische Werbe-Spots nicht mehr von Agenturen, sondern von Privatpersonen mit guter Kamera-Präsenz. Wer 2000–4000 Franken pro Monat zusätzlich generieren will, ohne 100 % zu arbeiten, sollte verstehen, wie dieses Geschäft funktioniert – und wo die Schweiz andere Spielregeln hat als die deutschen oder amerikanischen Beispiele auf TikTok.
Worum es bei UGC genau geht – und warum gerade jetzt
UGC ist nicht Influencer-Marketing. Sie brauchen weder eine grosse Followerzahl noch eine Marken-Persönlichkeit. Die Aufgabe ist deutlich konkreter: Sie produzieren ein 30- bis 60-sekündiges Video, in dem Sie ein Produkt nutzen oder erklären, und liefern es als Rohmaterial an die Marke. Die Marke nutzt das Video in eigenen Kanälen – Instagram-Ads, TikTok-Ads, Meta-Werbung. Sie sind nicht «das Gesicht der Kampagne», sondern liefern den Content, der durchschnittlichen Personen ähnelt und deshalb in der Ad-Algorithmik besser performt.
Der Boom hat einen einfachen Grund: Plattformen wie Meta und TikTok zeigen seit 2023 nachweislich höhere Klick- und Konversionsraten für «UGC-Style-Ads» gegenüber klassischen Studio-Spots. Marken zahlen für gut produzierten UGC zwischen 80 und 400 Franken pro Video – je nach Erfahrung, Editing-Tiefe und Lizenz. Wer eine BWL-Ausbildung mitbringt, kann sich vom Anfänger-Bereich (CHF 80–150) schnell in die professionelle Mitte (CHF 200–350) verlagern.
Aktive Möglichkeiten: vom ersten Brief zum wiederkehrenden Kunden
Der Einstieg läuft fast immer über Plattformen, die Briefings und Bezahlung organisieren. In der Schweiz und im DACH-Raum sind drei relevant: Kingfluencers, influence.vision und JustOne. International dominieren Trend.io, Insense und Billo. Sie registrieren sich, lädt 3–5 Beispiel-Videos hoch (gefilmt mit dem Smartphone, nicht mit der Spiegelreflex), und bewerben sich auf offene Briefings.
Ein erstes Briefing umfasst typischerweise: Produktbeschreibung, drei bis fünf Hooks (Eröffnungssätze), eine Botschaft, Plattformformat (9:16 für TikTok/Reels, 1:1 für Feed), Lizenzdauer (3, 6 oder 12 Monate). Erfolgskritisch ist nicht die Filmqualität, sondern der erste Satz: Wenn die ersten zwei Sekunden nicht haken, ist das Video für die Marke unbrauchbar. CapCut, InShot oder das hauseigene Editing-Tool genügen für die Bearbeitung; ein Lavalier-Mikrofon für 40 Franken ist die einzige Hardware, die sich lohnt.
Daneben funktionieren direkte Akquise und Storefront-Modelle. Wer sich auf eine Branche spezialisiert – Skincare, Fitness, Schweizer Konsumgüter, Bürobedarf – kann Marken per LinkedIn oder Mail direkt anschreiben und 5er- oder 10er-Pakete verkaufen. Mit zwei bis drei Stammkunden lassen sich planbare 1500 Franken pro Monat erreichen.
Passive Möglichkeiten: B-Roll, Templates, Affiliate
Aus jedem UGC-Video fallen zehn bis dreissig Sekunden B-Roll-Material ab – generische Aufnahmen von Händen, Texturen, Lifestyle-Szenen, die in keiner Kampagne landen. Diese Schnipsel lassen sich auf Pexels Pro, Artgrid oder MotionArray als Stockfootage verkaufen. Realistisch sind 30 bis 200 Franken pro Monat aus dem Archiv, sobald rund 100 Clips eingestellt sind.
Eine zweite passive Säule sind CapCut-Templates und Canva-Vorlagen. Wer für seinen UGC ohnehin ein gutes Editing-Pattern hat, kann es als Template anbieten – etwa für andere UGC-Anfänger oder Marken-Inhouse-Teams. Marktplätze sind hier CapCut Templates (Plattform-intern), Etsy und Creative Market. Und drittens: Affiliate-Links unter jedem Reel oder TikTok-Video, das Sie nicht für eine Marke, sondern aus eigener Begeisterung produzieren. Mehr zur Mechanik findet sich in unserem Beitrag zu Affiliate-Marketing für Schweizer Creator.
Realistische Zeitplanung bei 20–40 %
Ein UGC-Video benötigt – wenn Routine da ist – zwei bis drei Stunden vom Briefing-Lesen bis zum Export. Bei vier Videos pro Woche und einem Honorar von 200 Franken pro Video sind das rund 3200 Franken pro Monat, bei einem Aufwand von 32–48 Stunden – also ein 20- bis 30-%-Pensum. Wer zusätzlich Direktkunden bedient und Stockfootage hochlädt, kommt mit 40 % Auslastung an die Marke von 4500–5000 Franken.
Wichtig für Studierende: Steuern und AHV. Nebeneinkünfte ab CHF 2300 pro Jahr sind AHV-pflichtig – die Anmeldung als Selbständigerwerbende erfolgt über die Ausgleichskasse des Wohnkantons. Ein einfaches Excel mit Datum, Kundin, Honorar, MwSt-Status und Lizenzdauer reicht in den ersten zwei Jahren völlig.
Der erste konkrete Schritt diese Woche
Filmen Sie drei Beispiel-Videos zu Produkten, die Sie ohnehin nutzen – Shampoo, Kaffeemaschine, Notebook-Tasche. Jeweils 30 Sekunden, vertikal, mit Aufhänger in der ersten Sekunde. Hochladen auf Kingfluencers, influence.vision und Trend.io. Innerhalb von zwei Wochen wissen Sie, ob das Briefing-Match funktioniert. Wenn ja, ist UGC mit Abstand der lukrativste Nebenverdienst, den Sie sich ohne Startkapital aufbauen können.