Die meisten Nebenjobs im digitalen Marketing laufen nach dem «Done for you»-Prinzip: Du übernimmst die Arbeit, der Kunde zahlt fürs Resultat. Es gibt aber ein zweites, oft übersehenes Modell, das gerade für BWL-Studierende perfekt passt – du bringst es den Leuten selbst bei. Workshops und Schulungen zu Social Media, KI-Tools oder Content-Erstellung sind bei Schweizer KMU stark gefragt, und du verkaufst dabei dein Wissen zu einem deutlich höheren Stundensatz als bei reiner Ausführung.
Warum gerade jetzt der richtige Moment ist
Viele Inhaberinnen und Inhaber kleiner Betriebe wissen, dass sie auf Instagram, LinkedIn oder TikTok präsent sein müssten – aber niemand im Team weiss, wie. Eine ganze Agentur zu beauftragen, ist ihnen zu teuer, und die Abhängigkeit stört. Was sie wollen, ist Befähigung: Sie möchten verstehen, wie der Hase läuft, und es danach selbst können. Genau hier setzt du an.
Der Vorteil als Studi: Du bist näher an den Plattformen, kennst die aktuellen Formate und sprichst die Sprache der Tools. Dein BWL-Hintergrund hilft dir, den Stoff strukturiert und betriebswirtschaftlich sinnvoll zu vermitteln – nicht «mach mal ein Reel», sondern «so passt der Kanal zu euren Zielen und eurem Budget». Diese Kombination aus Plattform-Knowhow und unternehmerischem Denken ist genau das, wofür KMU zahlen.
Aktive Möglichkeiten: Workshops, die verkaufen
Der Einstieg gelingt am leichtesten mit halbtägigen Präsenz- oder Online-Workshops zu einem klar umrissenen Thema: «Instagram für lokale Geschäfte», «LinkedIn für die Geschäftsführung», «KI-Tools im Marketingalltag» oder «Kurzvideos selbst produzieren». Halte das Versprechen konkret und das Ergebnis greifbar – am Ende sollen die Teilnehmenden etwas können, nicht nur etwas gehört haben.
Beim Honorar gilt: Schulung wird pro Halb- oder Ganztag abgerechnet, nicht pro Stunde wie bei der Ausführung. Schon als Einsteiger kannst du einen Tagessatz im niedrigen vierstelligen Bereich ansetzen, wenn dein Workshop gut vorbereitet und praxisnah ist. Akquise läuft über lokale Gewerbevereine, Branchenverbände, Co-Working-Spaces und Weiterbildungsplattformen. Ein erster gratis oder vergünstigt gehaltener Workshop bei einem Gewerbeverein verschafft dir Referenzen und die ersten zahlenden Folgeaufträge.
Wichtig für den Anfang: Investiere die meiste Zeit in das Workshop-Konzept, nicht in die Selbstvermarktung. Ein durchdachter Ablauf mit Übungen, Vorlagen und einem Handout lässt sich beliebig oft wiederholen – das ist dein eigentliches Kapital.
Passive Möglichkeiten: aus dem Workshop ein Produkt machen
Hier wird es für Studierende mit knappem Zeitbudget richtig interessant. Dein einmal erstelltes Workshop-Material lässt sich in skalierbare Produkte verwandeln: einen aufgezeichneten Online-Kurs, ein kostenpflichtiges PDF-Workbook, eine Vorlagen-Sammlung oder eine Mini-Mitgliedschaft mit monatlichen Updates. Den gleichen Aufbau-Mechanismus über eigene Inhalte beschreibt der Beitrag Online-Kurse verkaufen: Wissen als passives Einkommen im Detail.
Der Charme: Die Inhalte hast du für die Live-Workshops ohnehin entwickelt. Sie ein zweites Mal als Aufzeichnung oder Download zu verkaufen, kostet kaum Zusatzaufwand und bringt Einnahmen, auch wenn du gerade in einer Prüfungsphase steckst.
Realistische Zeitplanung mit 20–40 % Pensum
Plane einen Workshop nicht zwischen Tür und Angel. Für die erstmalige Konzeption eines Halbtags solltest du mehrere Tage Vorbereitung rechnen – danach sinkt der Aufwand pro Durchführung drastisch. Realistisch sind im Semester ein bis zwei Workshops pro Monat plus die Pflege deiner passiven Produkte. In der vorlesungsfreien Zeit kannst du hochfahren und mehrere Termine bündeln. So bleibt das Pensum bei 20 bis 40 Prozent und kollidiert nicht mit dem Studium.
Erster konkreter Schritt
Wähle ein einziges Thema, das du wirklich beherrschst, und schnüre daraus einen 90-minütigen Mini-Workshop. Biete ihn einem lokalen Gewerbeverein oder einem befreundeten KMU kostenlos an – im Tausch gegen ehrliches Feedback und, bei Zufriedenheit, eine kurze Empfehlung. Aus dieser ersten Referenz baust du Schritt für Schritt ein bezahltes Angebot auf.
Fazit
Wissen weiterzugeben ist einer der lukrativsten und zugleich am wenigsten umkämpften Nebenverdienste im Marketing. Du verkaufst nicht deine Zeit für Ausführung, sondern deine Kompetenz – und verwandelst das einmal erstellte Material in ein Produkt, das auch ohne dich Geld bringt. Für BWL-Studierende mit Affinität zu Social Media ist das eine ideale Kombination aus aktivem Honorar und passivem Einkommen.