Wer in der Schweiz passives Einkommen aus dem Wertpapierdepot aufbauen will, stösst irgendwann an die Grenze der eigenen Zeit. Selber ETFs auswählen, jährlich rebalancieren, Quellensteuer-Formulare ausfüllen – das ist machbar, kostet aber Wochenenden. Robo-Advisor erledigen diese Arbeit automatisch, gegen eine Gebühr. 2026 hat sich der Schweizer Markt deutlich verdichtet. Höchste Zeit, die Anbieter nüchtern zu vergleichen.
Was ein Robo-Advisor 2026 in der Schweiz leistet
Ein Robo-Advisor verwaltet das Depot regelbasiert: Anlegerprofil, Zielallokation, automatisches Rebalancing, steueroptimierte Verwendung der Verrechnungssteuer und in der Regel auch die DA-1-Verrechnung für US-Dividenden. Das Resultat ist ein passives, breit diversifiziertes Weltportfolio – Cashflow primär aus Dividenden, langfristig ergänzt durch Kurszuwachs. Eingezahlt wird per E-Banking, die Mindestbeträge liegen je nach Anbieter zwischen CHF 1 und CHF 8 000.
Wichtig: Robo-Advisor sind keine Vorsorgelösungen. Wer 3a-Apps wie VIAC oder finpension nutzt, kennt das Prinzip, der Steuerrahmen ist aber ein anderer. Wer beides kombinieren möchte, findet im Vergleichs-Artikel 3a-Apps 2026: VIAC, finpension & Frankly im Vergleich den passenden Einstiegspunkt.
Die drei wichtigsten Anbieter im Profil
True Wealth gehört zu den Pionieren und bleibt 2026 preislich attraktiv: 0,5 Prozent All-in-Gebühr inklusive ETF-TER, ab CHF 8 000 Mindesteinlage. Das Portfolio ist breit diversifiziert, die Aktienquote zwischen 0 und 100 Prozent frei wählbar. Eine Themen-Allokation (Nachhaltigkeit, Schweiz-Übergewichtung) ist möglich. Quellensteuer-Rückforderung erfolgt automatisch über Saxo als depotführende Bank.
Selma richtet sich an Einsteiger, die ohne Mindestbetrag starten wollen. Die Gebühr liegt bei 0,68 Prozent (Aktien) bis 0,47 Prozent (ab CHF 150 000) plus rund 0,2 Prozent ETF-Kosten. Das Onboarding ist sehr konversationell, das Anlageprofil wird im Chat-Dialog ermittelt. Selma erlaubt 2026 erstmals einzelne Themen-ETFs im Portfolio – sinnvoll für, wer eine persönliche Note will, jedoch nicht ganz ohne Kosten.
finpension Invest ist die nicht-3a-Variante des Zuger Anbieters. Mit 0,39 Prozent All-in (inkl. ETF-TER) ist sie die günstigste vollintegrierte Lösung am Markt. Bis zu 99 Prozent Aktienquote möglich, individuelle Sektor-Anpassungen, und die Möglichkeit, ETFs durch institutionelle Tranchen mit tieferer TER zu ersetzen. Mindesteinlage CHF 5 000.
Welche Lösung wann passt
Wer einen klaren Sparauftrag mit monatlichen Einzahlungen aufbaut und keinen Wert auf Themen-ETFs legt, fährt mit True Wealth oder finpension am günstigsten. Bei CHF 100 000 Anlagevermögen spart der Unterschied zwischen 0,39 und 0,68 Prozent jährlich rund 290 Franken – über 20 Jahre und Zinseszins betrachtet ein vierstelliger Betrag.
Wer hingegen Wert auf einfache Handhabung und tiefe Einstiegshürde legt, ist bei Selma gut aufgehoben. Auch das Konversations-Onboarding kann ein Argument sein – gerade für Eltern, die ein Depot für die Kinder eröffnen möchten und keine Lust auf Excel-Vergleiche haben.
Was die Werbeversprechen verschweigen
Robo-Advisor sind nicht günstiger als ein selbst gebautes ETF-Portfolio bei Swissquote, Saxo oder einem Neo-Broker. 0,4 bis 0,7 Prozent klingen wenig, sind aber das Doppelte bis Fünffache einer Eigenverwaltung. Der Mehrwert liegt in der Disziplin: Wer ehrlicherweise nicht jährlich rebalancieren würde, zahlt diese Gebühr für den eingebauten «Schubs».
Zweitens: «Passiv» bezieht sich auf die Verwaltung, nicht auf die Marktentwicklung. Auch ein automatisiertes Portfolio kann in Bärenmärkten 30 Prozent verlieren – der Algorithmus rebalanciert nüchtern weiter. Wer in solchen Phasen das Bedürfnis nach Handlung verspürt, sollte sich vor der Eröffnung fragen, ob er still halten kann.
Drittens: Die Dividenden werden in der Regel reinvestiert und nicht ausgeschüttet. Wer echten monatlichen Cashflow als zweites Standbein möchte, baut sich besser ein eigenes Dividenden-ETF-Depot oder kombiniert den Robo mit einem direkten Ausschüttungs-Topf.
Erster Schritt für 2026
Wer 2026 startet, beginnt mit einer Standortbestimmung: Wieviel Geld ist langfristig (mindestens zehn Jahre) verfügbar? Wie reagiert man emotional auf einen Kursrückgang von 25 Prozent? Wie viele Stunden pro Jahr ist man bereit, in das eigene Portfolio zu stecken? Aus diesen drei Antworten ergibt sich die Anbieter-Wahl fast von selbst.
Konkret: 30 Minuten investieren, alle drei Profilfragebögen kostenlos durchspielen und die Vorschläge vergleichen. Wer dann noch unschlüssig ist, beginnt mit einem kleinen Sparauftrag von CHF 200 monatlich – das senkt die psychologische Einstiegshürde und liefert nach zwölf Monaten echte Erfahrungswerte mit dem Anbieter, dem Reporting und der eigenen Toleranz gegenüber Schwankungen.