Finanzen

Rentenvorausberechnung: Ihre AHV früh kennen

Viele Schweizerinnen und Schweizer wissen erst kurz vor der Pensionierung, wie hoch ihre AHV-Rente ausfallen wird. Das ist spät – denn wer die Zahl früh kennt, kann Lücken schliessen und die dritte Säule gezielter aufbauen. Die gute Nachricht: Die Ausgleichskasse rechnet Ihnen Ihre voraussichtliche Rente auf Wunsch aus, und der erste Schritt dazu kostet nichts.

Warum die Zahl früher wichtig ist als gedacht

Die AHV-Rente hängt von zwei Dingen ab: von der Zahl der Beitragsjahre und vom durchschnittlichen Einkommen über das ganze Erwerbsleben. Fehlt auch nur ein einziges Beitragsjahr, kürzt das die Rente spürbar – oft um mehrere Prozent. Solche Lücken entstehen schneller als gedacht: bei einem Auslandaufenthalt, während des Studiums, in einer Babypause oder wenn nach einer Scheidung Beiträge fehlen.

Das Tückische daran: Beitragslücken lassen sich nur innerhalb von fünf Jahren nachzahlen. Wer erst mit 64 hinschaut, kann eine Lücke aus dem Alter von 30 nicht mehr reparieren. Genau deshalb lohnt sich ein Blick auf das eigene Konto lange vor der Pensionierung – idealerweise alle paar Jahre. Wie gross Ihre spätere Einkommenslücke insgesamt ausfällt, zeigt ergänzend der Beitrag Rentenlücke berechnen: So gross ist Ihre Lücke.

Der IK-Auszug: Ihr Kontoblatt bei der AHV

Für jede erwerbstätige Person führt die AHV ein individuelles Konto, kurz IK. Dort ist festgehalten, welche Beiträge in welchem Jahr auf welchem Lohn eingezahlt wurden. Diesen Auszug können Sie kostenlos bestellen – online über die Plattform der AHV oder direkt bei einer kontoführenden Ausgleichskasse. Fachleute empfehlen, das ungefähr alle fünf Jahre zu tun.

Wenn der Auszug eintrifft, gilt es, ihn Zeile für Zeile zu prüfen: Sind alle Arbeitgeber und alle Jahre lückenlos aufgeführt? Fehlt ein Jahr oder ein Betrag, sollten Sie das mit alten Lohnabrechnungen belegen und der Kasse melden. Je früher, desto besser, denn nach fünf Jahren ist eine Korrektur oft nicht mehr möglich.

Die eigentliche Rentenvorausberechnung

Der IK-Auszug zeigt die Vergangenheit – die Rentenvorausberechnung schaut nach vorn. Mit dem Formular 318.282 beantragen Sie bei Ihrer Ausgleichskasse eine Schätzung Ihrer voraussichtlichen Altersrente. Die Kasse berücksichtigt Ihre bisherigen Beiträge und rechnet mit Ihrem heutigen Einkommen bis zum Referenzalter weiter. Diese Vorausberechnung einer Altersrente ist in der Regel gratis.

Zur Einordnung der Grössenordnung: Eine einzelne Vollrente liegt je nach Durchschnittseinkommen zwischen rund 1’260 und 2’520 Franken im Monat (Stand 2025/2026). Für Ehepaare ist die Summe der beiden Renten plafoniert. Die Vorausberechnung sagt Ihnen konkret, wo Sie in dieser Spanne landen – und macht damit greifbar, wie viel die zweite und dritte Säule beisteuern müssen.

Was Sie mit dem Ergebnis anfangen

Die Zahl allein hilft wenig, entscheidend ist, was Sie daraus machen. Zeigt die Berechnung eine tiefe AHV-Rente, ist das ein Signal, die Säule 3a konsequent auszuschöpfen und allenfalls Einkäufe in die Pensionskasse zu prüfen. Zeigt sie eine Beitragslücke, sollten Sie prüfen, ob sich diese noch innert der Fünfjahresfrist schliessen lässt. Und wer eine Frühpensionierung plant, sieht schwarz auf weiss, wie stark ein Vorbezug die lebenslange Rente kürzt.

Wichtig ist, die Vorausberechnung nicht als endgültige Zusage zu lesen. Sie ist eine Momentaufnahme auf Basis heutiger Annahmen; ändert sich Ihr Einkommen oder Ihr Pensum, verschiebt sich auch das Ergebnis. Genau darum lohnt es sich, die Berechnung bei grösseren Lebensveränderungen zu wiederholen.

Besonders aufschlussreich ist die Zahl für Paare und Familien. Da die Summe zweier Einzelrenten plafoniert ist, fällt die gemeinsame AHV oft tiefer aus, als viele erwarten. Auch Teilzeitarbeit, längere Auszeiten für die Kinderbetreuung oder ein Wechsel in die Selbständigkeit hinterlassen Spuren im individuellen Konto. Wer diese Effekte früh kennt, kann sie über die zweite und dritte Säule bewusst ausgleichen, statt später von einer Lücke überrascht zu werden.

Fazit und konkreter nächster Schritt

Die eigene AHV-Rente ist keine Blackbox – Sie können sie schon heute schätzen lassen. Der nächste Schritt ist einfach: Bestellen Sie diese Woche kostenlos einen IK-Auszug über die AHV-Plattform, prüfen Sie ihn auf Lücken und beantragen Sie bei Bedarf mit Formular 318.282 eine Rentenvorausberechnung. So wissen Sie früh, wo Sie stehen, und gewinnen Jahre Zeit, um allfällige Lücken zu schliessen. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Vorsorgeberatung, sondern zeigt, wie Sie an Ihre eigenen Zahlen kommen.

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