Home Assistant

Raumgenaue Anwesenheit per WLAN-BSSID in HA

GPS sagt dir, ob jemand zu Hause ist. mmWave-Sensoren sagen dir, ob sich in einem Raum etwas bewegt. Aber keiner von beiden beantwortet zuverlässig die Frage: In welchem Zimmer steckt eigentlich mein Handy gerade? Genau das lässt sich erstaunlich elegant lösen – ohne zusätzliche Hardware, ohne Bluetooth-Beacons, allein mit dem WLAN, das du ohnehin schon hast. Der Schlüssel ist die BSSID, die eindeutige MAC-Adresse des Access Points, mit dem dein Gerät verbunden ist.

Die Idee dahinter

In einem grösseren Haus steht selten nur ein Router. Wer Mesh-WLAN, mehrere Access Points oder Repeater nutzt, hat in jedem Stockwerk einen eigenen Funkknoten – und jeder davon hat eine eindeutige BSSID. Dein Smartphone verbindet sich immer mit dem stärksten erreichbaren Knoten, also in aller Regel mit dem nächstgelegenen. Wenn Home Assistant weiss, welche BSSID zu welchem Raum gehört, weiss es indirekt auch, wo du dich aufhältst. Das ist keine zentimetergenaue Ortung, aber für «Büro», «Schlafzimmer» oder «Erdgeschoss» völlig ausreichend – und es kostet weder Akku noch Datenschutz, weil alles lokal bleibt.

Schritt 1: Den BSSID-Sensor aktivieren

Die Companion-App für iOS und Android liefert den passenden Sensor bereits mit. Öffne auf dem Telefon die App, gehe zu Einstellungen → Companion App → Sensoren verwalten und aktiviere unter den Verbindungssensoren den Eintrag WLAN-BSSID (sowie optional die SSID). Danach taucht in Home Assistant eine Entität wie sensor.mikes_iphone_17_pro_wlan_bssid auf, deren Status die MAC-Adresse des aktuell verbundenen Access Points ist – zum Beispiel a4:2b:8c:11:22:33.

Ein nützliches Detail neuerer App-Versionen: Du kannst eine BSSID direkt in der App umbenennen, sodass der Sensor statt der kryptischen MAC-Adresse gleich einen Klarnamen liefert. Wer das tut, spart sich den nächsten Schritt. Für volle Kontrolle und Nachvollziehbarkeit lohnt sich aber die Template-Variante.

Schritt 2: BSSID zu Raum mappen

Notiere zuerst die BSSID jedes Access Points, indem du dich mit dem Handy nacheinander in die Nähe jedes Knotens stellst und den Sensorwert abliest. Anschliessend übersetzt ein Template-Sensor die Adresse in einen Raumnamen:


template:
  - sensor:
      - name: "Standort Mike"
        unique_id: standort_mike_bssid
        state: >
          {% set bssid = states('sensor.mikes_iphone_17_pro_wlan_bssid') | lower %}
          {% set raeume = {
            'a4:2b:8c:11:22:33': 'Büro',
            'a4:2b:8c:44:55:66': 'Schlafzimmer',
            'a4:2b:8c:77:88:99': 'Erdgeschoss'
          } %}
          {{ raeume.get(bssid, 'unbekannt') }}
        icon: mdi:map-marker-radius


Der Sensor sensor.standort_mike zeigt nun «Büro», «Schlafzimmer» oder «Erdgeschoss» an. Ist das Handy nicht im WLAN – etwa unterwegs – liefert er «unbekannt», was du in Automationen sauber abfangen kannst.

Schritt 3: Daraus eine Automation bauen

Jetzt wird es nützlich. Diese Automation schaltet das Bürolicht ein, sobald dein Standort auf «Büro» wechselt, und nutzt eine kurze Verzögerung, damit kurzes Durchlaufen nicht jedes Mal auslöst:


automation:
  - alias: "Licht folgt Standort – Büro"
    trigger:
      - platform: state
        entity_id: sensor.standort_mike
        to: "Büro"
        for:
          seconds: 20
    condition:
      - condition: state
        entity_id: sun.sun
        state: "below_horizon"
    action:
      - service: light.turn_on
        target:
          entity_id: light.buro


Nach demselben Muster lassen sich Heizung, Musik oder Szenen an den Aufenthaltsort koppeln. Wer den Standort mit weiteren Signalen kombinieren möchte – etwa Bewegungsmeldern und Türkontakten –, kann den BSSID-Sensor als eine von mehreren Eingangsgrössen verwenden. Wie man mehrere unsichere Signale zu einer robusten Aussage verrechnet, zeigt der Beitrag Bayesian-Sensor: Anwesenheit zuverlässig erkennen.

Fazit

Die BSSID-Methode ist der unaufgeregte Klassiker der raumgenauen Anwesenheit: kein zusätzliches Gerät, kein Akkufresser, kein Cloud-Dienst – nur das WLAN, das ohnehin läuft. Ihre Grenze ist die Auflösung: Sie funktioniert pro Access Point, nicht pro Quadratmeter, und sie ist nur so gut wie die Verteilung deiner Funkknoten. Für die meisten Häuser mit Mesh-Setup ist genau das aber der ideale Kompromiss zwischen Aufwand und Nutzen. Richte den Sensor einmal sauber ein, pflege die Raumtabelle bei neuen Access Points nach – und dein Zuhause weiss endlich, in welchem Zimmer du gerade bist.

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