Apotheke

Nesselsucht: Was die Apotheke wirklich hilft

Plötzlich rote, juckende Quaddeln auf der Haut, die aussehen wie nach dem Kontakt mit Brennnesseln – und wenig später sind sie an einer anderen Stelle wieder da: Das ist Nesselsucht, medizinisch Urtikaria. Sie trifft im Lauf des Lebens etwa jede vierte Person mindestens einmal. Gerade im Sommer häufen sich die Fälle, weil Wärme, Schweiss und Druck zu den typischen Auslösern gehören. Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen ist Nesselsucht harmlos und lässt sich mit Mitteln aus der Apotheke gut lindern.

Was in der Haut passiert

Quaddeln entstehen, wenn bestimmte Zellen der Haut den Botenstoff Histamin ausschütten. Histamin macht die kleinen Blutgefässe durchlässiger, es tritt Flüssigkeit ins Gewebe, und es bilden sich die typischen erhabenen, juckenden Stellen. Charakteristisch ist ihr Wandern: Eine einzelne Quaddel verschwindet meist innert Stunden, während anderswo neue auftauchen. Bleibt eine Hautstelle länger als einen Tag unverändert oder schmerzt sie eher, als dass sie juckt, steckt oft etwas anderes dahinter – dann gehört das ärztlich abgeklärt.

Man unterscheidet die akute Urtikaria, die Tage bis wenige Wochen dauert, von der chronischen Form, die über sechs Wochen hinaus immer wiederkehrt. Die akute Variante ist der klassische Apothekenfall.

Die Auslöser im Sommer

Häufig lässt sich kein einzelner Schuldiger finden. Bei der akuten Form stecken oft Infekte dahinter, manchmal Medikamente, Nahrungsmittel oder Insektenstiche. Im Sommer kommen physikalische Reize dazu: Wärme, starkes Schwitzen und Druck durch enge Kleidung oder Rucksackgurte können Quaddeln auslösen. Auch Sonnenlicht ist ein möglicher Trigger. Wer den Verdacht auf eine Lichtreaktion hat, findet die Abgrenzung im Beitrag zur Sonnenallergie und was die Apotheke rät – die Übergänge sind fliessend und die Behandlung ähnelt sich.

Ein Tipp aus der Praxis: Führen Sie für ein paar Tage ein einfaches Protokoll. Notieren Sie, wann die Quaddeln auftreten, was Sie vorher gegessen, getragen oder unternommen haben. Dieses Tagebuch ist oft aufschlussreicher als jeder Allergietest.

Was in der Apotheke hilft

Mittel der ersten Wahl sind Antihistaminika. Sie blockieren die Wirkung des Histamins und dämpfen so Juckreiz und Quaddelbildung. Moderne Wirkstoffe der zweiten Generation – etwa Cetirizin, Levocetirizin, Loratadin oder Desloratadin – machen kaum müde und sind bei leichten Beschwerden rezeptfrei erhältlich. Sie werden meist einmal täglich eingenommen. Wichtig zu wissen: Reicht die Standarddosis nicht, verordnen Ärztinnen und Ärzte diese Präparate mitunter höher dosiert – das gehört aber in fachliche Hand und ist nicht die Sache der Selbstbehandlung.

Gegen den akuten Juckreiz auf einzelnen Stellen helfen kühlende Massnahmen. Ein feuchtes, kühles Tuch oder ein Kühlgel lindert, weil sich die Gefässe zusammenziehen und weniger Histamin freigesetzt wird. Eine wichtige Ausnahme: Bei der selteneren Kälte-Urtikaria verschlimmert Kühlen die Beschwerden – dann bitte nicht kühlen. Lauwarm statt heiss duschen, lockere Baumwollkleidung tragen und Kratzen vermeiden runden die Selbsthilfe ab.

Zusätzlich zur Tablette gibt es äusserliche Helfer. Lotionen mit einem leichten Menthol- oder Polidocanol-Zusatz kühlen und dämpfen den Juckreiz auf der Haut. Von stark parfümierten oder alkoholhaltigen Produkten sollten Sie dagegen die Finger lassen – sie reizen die ohnehin gestresste Haut zusätzlich. Kortisonhaltige Cremes bringen bei den flüchtigen, wandernden Quaddeln wenig, weil diese schneller verschwinden, als die Salbe wirkt; sie sind eher bei anhaltenden Hautreaktionen ein Thema und gehören dann in ärztliche Abklärung.

Wann Sie nicht selbst behandeln sollten

Nesselsucht ist meist harmlos, kann aber in seltenen Fällen ein Warnsignal sein. Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe – im Notfall die 144 –, wenn zu den Quaddeln Schwellungen im Gesicht, an Lippen oder Zunge, Atemnot, Engegefühl im Hals, Schwindel oder Kreislaufprobleme kommen. Das können Zeichen einer schweren allergischen Reaktion sein. Ärztlich abklären lassen sollten Sie zudem Quaddeln, die länger als sechs Wochen wiederkehren, sowie Nesselsucht bei kleinen Kindern oder in der Schwangerschaft.

Fazit

Nesselsucht sieht dramatisch aus, ist aber in der Regel gut beherrschbar. Ein rezeptfreies Antihistaminikum der zweiten Generation, kühlende Umschläge und etwas Geduld bringen die akute Form meist rasch unter Kontrolle. Beobachten Sie Ihre Auslöser, verzichten Sie auf kratzende Kleidung und Hitze, und lassen Sie hartnäckige oder wiederkehrende Fälle ärztlich abklären. Ihre Apotheke berät Sie gerne bei der Wahl des passenden Präparats – und erkennt, wann ein Arztbesuch der richtige Schritt ist.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung.

Blog: https://www.coremind.ch/wordpress/ · Autor: Mike Neuburger

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