Kaum kommt im Frühsommer die erste kräftige Sonne, klagen viele über juckende rote Pünktchen an Dekolleté, Armen oder Schultern. Was umgangssprachlich «Sonnenallergie» heisst, ist meist die polymorphe Lichtdermatose – die häufigste lichtbedingte Hautreaktion überhaupt. Sie ist harmlos, aber unangenehm, und sie trifft oft genau dann, wenn man die ersten warmen Tage geniessen möchte. Die Apotheke ist die richtige erste Anlaufstelle, um sie zu lindern und beim nächsten Mal vorzubeugen.
Was bei der polymorphen Lichtdermatose passiert
Die polymorphe Lichtdermatose (PLD) ist keine klassische Allergie im immunologischen Sinn, auch wenn der Volksmund das nahelegt. Auslöser ist meist der UVA-Anteil des Sonnenlichts, auf den die ungewohnte Haut nach der lichtarmen Winterzeit überreagiert. Typisch ist das verzögerte Auftreten: Die juckenden Rötungen, Bläschen oder Papeln zeigen sich nicht sofort, sondern erst Stunden bis ein bis zwei Tage nach dem Sonnenbad.
Der Name «polymorph» beschreibt, dass die Hautveränderungen sehr unterschiedlich aussehen können – bei der einen Person feine Pünktchen, bei der anderen flächige Rötungen oder kleine Quaddeln. Bei ein und derselben Person bleibt das Bild über die Jahre aber meist gleich. Betroffen sind vor allem Areale, die im Winter bedeckt waren und im Frühling plötzlich Sonne abbekommen.
Soforthilfe aus der Apotheke
Ist die Reaktion bereits da, geht es ums Lindern des Juckreizes und der Entzündung. In der Apotheke erhältlich sind kühlende, feuchtigkeitsspendende Lotionen oder Gele, etwa mit Aloe vera oder Dexpanthenol, die die gereizte Haut beruhigen. Gegen den Juckreiz helfen orale Antihistaminika wie Cetirizin oder Loratadin, die in der Schweiz rezeptfrei abgegeben werden.
Bei ausgeprägteren, stärker entzündeten Stellen kann kurzfristig eine schwach dosierte Hydrocortison-Creme sinnvoll sein – das Apothekenpersonal berät, ab wann das angezeigt ist und wie lange man sie anwenden darf. Wichtig: Greifen die Beschwerden grossflächig um sich, halten sie trotz Behandlung an oder bilden sich nässende Blasen, gehört das ärztlich abgeklärt. Ähnlich wie beim Sonnenbrand gilt: Soforthilfe ja, aber bei schweren Verläufen nicht auf Selbstbehandlung beharren.
Vorbeugen ist die halbe Miete
Das Wichtigste bei der PLD ist die Prävention, denn wer einmal betroffen war, reagiert oft wieder. Drei Bausteine wirken zusammen.
Erstens konsequenter UV-Schutz mit hohem UVA-Anteil: Ein Sonnenschutz mit LSF 50+ und ausgewiesenem, starkem UVA-Schutz ist Pflicht – manche Produkte sind speziell für zu Sonnenallergie neigende Haut formuliert und enthalten zusätzlich Antioxidantien. Zweitens langsame Gewöhnung: Die Haut im Frühling schrittweise an die Sonne heranführen, statt sich am ersten Strandtag stundenlang zu exponieren. Drittens textiler Schutz und das Meiden der Mittagssonne, wenn die UV-Belastung am höchsten ist.
Manche Betroffene profitieren zusätzlich von einer einleitenden Phase mit Antioxidantien wie Beta-Carotin, die in Apotheken erhältlich sind. Die Evidenz dazu ist gemischt, und der Effekt ersetzt keinen Sonnenschutz – aber als Ergänzung ist es einen Beratungstermin wert.
Abgrenzung: nicht jede Sonnenreaktion ist PLD
Nicht alles, was nach Sonne juckt, ist eine polymorphe Lichtdermatose. Die sogenannte «Mallorca-Akne» entsteht im Zusammenspiel von UV-Licht und fetthaltigen Sonnencremes und sieht eher pickelartig aus. Daneben können bestimmte Medikamente oder Pflanzenstoffe die Haut lichtempfindlich machen (phototoxische Reaktionen). Wer regelmässig Medikamente einnimmt und plötzlich auf Sonne reagiert, sollte das in der Apotheke ansprechen – ein Blick auf die Wirkstoffliste klärt oft schnell, ob ein Zusammenhang besteht.
Fazit
Die Sonnenallergie im Sinne der polymorphen Lichtdermatose ist lästig, aber gut beherrschbar. Akut helfen kühlende Pflege, Antihistaminika und bei Bedarf eine kurze Hydrocortison-Anwendung; langfristig schützen konsequenter UVA-Schutz, langsame Gewöhnung und kluges Timing. Wer zu den ersten Sonnentagen mit einem passenden Sonnenschutz und ein wenig Geduld startet, kommt meist beschwerdefrei durch den Sommer. Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke ein Produkt empfehlen, das auf Ihren Hauttyp und Ihre Vorgeschichte abgestimmt ist – das ist wirksamer als jedes Standardprodukt aus dem Regal.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.