Ein garantierter Geldbetrag, der jeden Monat aufs Konto fliesst – bis ans Lebensende, ganz ohne Börsenkurse zu beobachten: Genau das verspricht die Leibrente. Lange galt sie als steuerlich unattraktiv und teuer. Seit dem 1. Januar 2025 gelten jedoch neue Regeln, welche die Rechnung für viele Schweizerinnen und Schweizer spürbar verändern. Höchste Zeit, dieses oft übersehene Instrument für planbaren passiven Cashflow neu zu betrachten.
Wie eine Leibrente funktioniert
Bei einer Leibrente – häufig auch Sofortrente genannt – zahlen Sie einer Versicherung einen einmaligen Betrag ein, etwa 200’000 Franken aus einer fälligen Lebensversicherung, einem Erbe oder dem Verkauf einer Immobilie. Im Gegenzug erhalten Sie ab sofort eine lebenslange, garantierte Monatsrente. Das Geld ist damit gebunden, dafür entfällt jedes Markt- und Zinsänderungsrisiko. Sie wissen auf den Franken genau, was jeden Monat kommt.
Genau hier liegt der Reiz für alle, die im Ruhestand nicht ständig ein Wertschriftendepot überwachen wollen. Die Leibrente ist das Gegenteil eines schwankenden Dividendenstroms: Sie ist berechenbar und überlebt jeden Börsencrash. Der Preis dafür ist die geringere Flexibilität – einmal abgeschlossen, kommen Sie an das eingezahlte Kapital nicht mehr ohne Weiteres heran. Die Höhe der Rente hängt vom Eintrittsalter, vom Geschlecht und vom technischen Zinssatz ab, den die FINMA festlegt. Wer später einsteigt, erhält eine höhere Monatsrente, weil die statistische Bezugsdauer kürzer ausfällt – ein Abschluss mit 70 statt mit 65 kann die Rente deutlich anheben.
Was sich bei der Besteuerung geändert hat
Bis Ende 2024 galt eine starre Regel: 40 Prozent jeder Leibrentenzahlung wurden als Einkommen besteuert, die restlichen 60 Prozent galten als steuerfreie Rückzahlung des eigenen Kapitals. In einer Tiefzinsphase war das eine echte Steuerstrafe – denn der tatsächliche Ertragsanteil lag oft deutlich unter 40 Prozent, trotzdem wurde voll besteuert.
Seit dem 1. Januar 2025 ist Schluss damit. Der steuerbare Ertragsanteil orientiert sich nun am technischen Maximalzins der FINMA zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses. Liegt dieser Zins tief, sinkt auch der steuerbare Anteil – in vielen Fällen deutlich unter die früheren 40 Prozent. Zusätzlich müssen die Versicherer in ihren Bescheinigungen die garantierte Rente, allfällige Überschüsse und den steuerbaren Ertragsanteil neu getrennt ausweisen. Das schafft Transparenz und kann die Steuerlast einer neu abgeschlossenen Leibrente merklich senken. Für bestehende Verträge gilt eine Übergangslogik – hier lohnt der Blick in die jährliche Bescheinigung.
Für wen sich das Modell rechnet
Eine Leibrente ist kein Renditeprodukt, sondern eine Versicherung gegen das «Langlebigkeitsrisiko» – die Gefahr, dass das eigene Geld früher ausgeht als das Leben. Interessant ist sie deshalb vor allem für Menschen ohne Erbdruck, die einen Teil ihres Vermögens in einen unkündbaren, planbaren Einkommensstrom umwandeln möchten. Wer mit 65 Jahren einsteigt und statistisch noch über zwanzig Jahre vor sich hat, sichert sich Ruhe statt Renditejagd.
Wichtig ist der Blick auf die Überschüsse: Ein Teil der Rente ist garantiert, ein weiterer Teil hängt vom Geschäftsergebnis der Versicherung ab und ist nicht sicher. Vergleichen Sie deshalb immer die garantierte Rente verschiedener Anbieter, nicht die optimistisch gerechnete Gesamtsumme. Und bedenken Sie: Sterben Sie früh, bleibt – ohne Zusatzvereinbarung – ein Teil des Kapitals bei der Versicherung. Eine Rückgewähr für die Erben lässt sich vereinbaren, kostet aber Rendite.
Wer das eingezahlte Kapital lieber flexibel und vererbbar halten will, fährt mit einem klassischen Auszahlplan aus dem eigenen Depot oft besser. Wie ein solcher Entnahmeplan funktioniert und wo seine Tücken liegen, haben wir im Beitrag Entnahmeplan: Vom Depot zum Monatseinkommen ausführlich gezeigt. Die Leibrente und der Entnahmeplan schliessen sich nicht aus – eine Kombination aus garantierter Grundrente und flexiblem Depot deckt beide Bedürfnisse ab.
Fazit
Die Leibrente hat dank der Steuerreform von 2025 an Attraktivität gewonnen. Sie ist kein Werkzeug zur Vermögensmaximierung, aber ein solides Fundament für alle, die im Ruhestand planbaren, sorgenfreien Cashflow über Rendite stellen. Bevor Sie unterschreiben, holen Sie mindestens drei Offerten ein, achten Sie ausschliesslich auf die garantierten Werte und lassen Sie sich den neuen steuerbaren Ertragsanteil konkret ausweisen. So verwandeln Sie einen Kapitalbatzen in einen ruhigen, lebenslangen Geldfluss – und behalten gleichzeitig die Kontrolle über die Spielregeln.