Finanzen

Green Bonds: Nachhaltiger Zins-Cashflow

Ein Coupon, der pünktlich aufs Konto fliesst, und ein Verwendungszweck, den man ohne schlechtes Gewissen erklären kann: Genau diese Kombination versprechen Green Bonds. Grüne Anleihen sind längst kein Nischenprodukt mehr – Kantone wie Basel-Stadt und Genf begeben sie, die SIX führt ein eigenes Segment für nachhaltige Anleihen, und für Privatanleger existieren mittlerweile breit gestreute Fonds und ETFs. Wer regelmässigen Cashflow sucht und dabei wissen möchte, wofür sein Geld arbeitet, findet hier einen interessanten Baustein fürs Depot. Wichtig ist allerdings: Grün heisst nicht risikofrei, und der Zins fällt nicht höher aus, nur weil ein Windrad im Prospekt abgebildet ist.

Was eine Anleihe zur grünen Anleihe macht

Technisch ist ein Green Bond eine ganz normale Obligation. Sie hat einen Nennwert, eine Laufzeit, einen Coupon und einen Emittenten, der am Ende zurückzahlen muss. Der Unterschied liegt ausschliesslich in der Mittelverwendung: Der Emissionserlös ist zweckgebunden für Projekte mit positivem Umwelteffekt – erneuerbare Energien, energetische Gebäudesanierung, öffentlicher Verkehr, Wasserinfrastruktur, Biodiversität.

Damit das nicht bei einer Absichtserklärung bleibt, orientieren sich seriöse Emissionen an den Green Bond Principles der International Capital Market Association. Diese verlangen vier Dinge: eine klare Definition der förderfähigen Projekte, einen nachvollziehbaren Auswahlprozess, eine getrennte Verwaltung der Mittel und ein jährliches Reporting darüber, was mit dem Geld tatsächlich passiert ist. Häufig kommt eine externe Zweitmeinung hinzu, eine sogenannte Second Party Opinion. In der EU existiert zusätzlich der Standard «European Green Bond», der strengere Anforderungen stellt.

Entscheidend für Sie als Anleger: Der Coupon wird nicht aus dem grünen Projekt bezahlt, sondern aus der allgemeinen Bonität des Emittenten. Ein Green Bond eines schwachen Schuldners bleibt eine riskante Anleihe – die Farbe des Etiketts ändert daran nichts.

Der Cashflow: nüchtern betrachtet

Grüne Anleihen rentieren typischerweise ungefähr gleich wie vergleichbare konventionelle Anleihen desselben Emittenten mit derselben Laufzeit. Zeitweise war sogar ein kleiner Renditeabschlag zu beobachten, das sogenannte «Greenium» – Anleger akzeptieren minim weniger Zins für das grüne Label. Dieser Abschlag ist über die Jahre kleiner geworden, weil das Angebot stark gewachsen ist.

Wer also mit Green Bonds auf Mehrrendite hofft, sucht am falschen Ort. Der Cashflow ist derselbe wie bei jeder Obligation: planbar, an feste Termine gebunden, in der Höhe im Voraus bekannt. Der Mehrwert liegt in der Transparenz über die Mittelverwendung, nicht in der Ausschüttung.

Die Erträge sind in der Schweiz als Einkommen steuerbar. Bei inländischen Emittenten wird die Verrechnungssteuer abgezogen, die Sie über die Steuererklärung zurückfordern. Bei ausländischen Anleihen kommen je nach Land Quellensteuerfragen und – deutlich wichtiger – Währungsrisiken dazu.

Der Zugang für Privatanleger

Einzelne Green Bonds sind oft in Stückelungen von 5’000 oder 100’000 Franken emittiert, was Direktkäufe für kleinere Depots unpraktisch macht. Realistisch sind zwei Wege.

Erstens Kantons- und Gemeindeanleihen sowie Emissionen von Schweizer Banken und Energieversorgern, die an der SIX gehandelt werden und teils in handlichen Stückelungen verfügbar sind. Vorteil: Franken-Cashflow ohne Währungsrisiko. Nachteil: bei moderaten Schweizer Zinsen entsprechend bescheidene Coupons und ein begrenztes Angebot.

Zweitens Green-Bond-Fonds und -ETFs, die hunderte Emissionen bündeln. Sie liefern in der ausschüttenden Variante regelmässigen Cashflow, Diversifikation über Emittenten und Länder und einen tiefen Mindesteinsatz. Prüfen Sie hier drei Punkte: die Gesamtkostenquote, die Duration – lange Laufzeiten reagieren empfindlich auf Zinsänderungen – und die Währung. Ein globaler Green-Bond-ETF in Euro oder Dollar bringt für einen Franken-Anleger ein Wechselkursrisiko, das die gesamte Zinsrendite auffressen kann. Währungsgesicherte Anteilsklassen lösen das, kosten aber Rendite.

Wie Zins-Cashflow aus Obligationen grundsätzlich funktioniert und worauf bei Emittentenqualität und Laufzeit zu achten ist, beschreibt der Beitrag zu CHF-Unternehmensanleihen als direkter Zins-Cashflow im Detail.

Wo Vorsicht angebracht ist

Das grösste Risiko heisst Greenwashing. Ein Label allein garantiert keine Wirkung. Lesen Sie im Emissionsprospekt oder Fondsfaktenblatt nach, welche Projektkategorien zulässig sind, ob ein jährlicher Impact-Report existiert und ob eine unabhängige Prüfstelle beteiligt war. Fondsseitig lohnt der Blick in die grössten Positionen: Wenn dort überwiegend Bankanleihen stehen, ist die Verbindung zum konkreten Umweltprojekt indirekt.

Und weiterhin gilt die Grundregel jeder Obligation: Steigen die Zinsen, fällt der Kurs. Wer bis zur Endfälligkeit hält, spürt das nicht – wer vorher verkaufen muss, sehr wohl.

Fazit

Green Bonds sind ein solider, unspektakulärer Cashflow-Baustein für Anleger, denen die Mittelverwendung wichtig ist. Sie bezahlen dafür keinen Aufpreis, erhalten aber auch keinen Bonus. Prüfen Sie als nächsten Schritt ein bis zwei ausschüttende Green-Bond-ETFs auf Kosten, Duration und Währungsabsicherung – und vergleichen Sie die Nettorendite ehrlich mit einer konventionellen Franken-Anleihe gleicher Qualität. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung.

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