Tagesgeldkonten werfen 2026 in der Schweiz wieder etwas ab, aber wer eine Rendite oberhalb der Teuerung sucht, schaut sich nach Alternativen um. Crowdlending – also das direkte Verleihen von Geld an Privatpersonen oder KMU über Plattformen wie Lend oder Cashare – ist nach Jahren des Booms erwachsen geworden: weniger Goldgräberstimmung, mehr verlässliche Zahlen. Wer monatliche Zinsen statt Aktienachterbahnen will, findet hier einen ernsthaften Baustein für das passive Portfolio.
Was Crowdlending heute leistet
Lend hat nach eigenen Angaben über 4’600 Kreditprojekte mit rund 65’000 Investoren finanziert; Cashare ist seit 2008 am Markt und meldete bei Privatkrediten 2019 eine Ausfallquote von 0.84 Prozent – ein Wert, den klassische Konsumkreditinstitute selten unterbieten. Der gesetzliche Maximalzins in der Schweiz liegt 2026 weiterhin bei 10 Prozent für Konsumkredite. Innerhalb dieses Rahmens preisen die Plattformen Kredite risikoadjustiert ein: bonitätsstarke Schuldner ab rund 4 Prozent, riskantere Tranchen bis an die gesetzliche Obergrenze.
Für Anleger heisst das: Eine breit diversifizierte Auswahl liefert nach Plattformgebühren und Steuern realistisch 3 bis 6 Prozent jährlich – mehr als jedes Säule-3a-Konto und ohne Marktschwankungen wie an der Börse. Allerdings sind die Gelder gebunden, in der Regel 12 bis 60 Monate je nach Kredit.
Lend, Cashare oder swisspeers – welche Plattform passt?
Die drei grossen Schweizer Anbieter haben unterschiedliche Schwerpunkte:
- Lend richtet sich an Privatkredit-Anleger, hat den ausgereiftesten Auto-Invest und veröffentlicht detaillierte Bonitäts-Scorecards.
- Cashare mischt Privat- und KMU-Kredite, mit niedrigen Einstiegsbeträgen ab CHF 100 pro Projekt.
- swisspeers spezialisiert sich auf KMU-Kredite und richtet sich an Anleger, die höhere Beträge platzieren möchten.
Der Mindesteinsatz pro Tranche liegt je nach Plattform zwischen CHF 50 und CHF 500. Wer dieselben CHF 10’000 auf 40 bis 80 verschiedene Kredite verteilt, reduziert das Klumpenrisiko erheblich. Das ist die wichtigste Hausaufgabe: nicht alles in drei grosse Kredite stecken.
Steuern und Realertrag korrekt rechnen
Zinserträge aus Crowdlending sind in der Schweiz vollumfänglich als Einkommen steuerpflichtig – im Gegensatz zu Kursgewinnen auf Aktien, die für Privatanleger steuerfrei bleiben. Bei einem Grenzsteuersatz von 30 Prozent schrumpfen 5 Prozent Bruttozins schnell auf netto 3.5 Prozent. Vor dem Investment lohnt also der Blick auf den persönlichen Marginalsatz.
Ebenfalls einzukalkulieren sind Ausfälle. Plattformen weisen historische Ausfallquoten transparent aus, aber «historisch» heisst nicht «garantiert». Wer 2026 startet, sollte mit 1 bis 2 Prozent Ausfall pro Jahr rechnen und das in seiner Renditeerwartung berücksichtigen. Eine Faustregel aus der Branche: nicht mehr als 5 bis 10 Prozent des Gesamtportfolios in Crowdlending stecken.
Konkreter Einstieg in vier Schritten
Wer den Schritt wagen will, kann sich an folgendem Ablauf orientieren:
1. Konto eröffnen auf ein bis zwei Plattformen – Verifizierung dauert in der Regel zwei bis drei Werktage.
2. Auto-Invest aktivieren mit konservativen Filtern: Bonitätsstufe A bis B, Laufzeit maximal 36 Monate, höchstens CHF 200 pro Tranche.
3. Monatliche Zinsen wieder anlegen, statt sie auf das Konto auszuzahlen – der Zinseszins-Effekt macht über fünf Jahre einen Unterschied von rund 15 Prozent.
4. Quartalsweise reviewen: Wie hoch ist der tatsächliche Ausfall? Wie viele Tranchen sind im Verzug?
Wer Crowdlending als Baustein neben einem bereits laufenden Dividenden-Portfolio sieht, kombiniert zwei Einkommensquellen mit komplementärem Risiko: schwankungsarme Zinsen plus wachsende Ausschüttungen. Ein guter Einstiegspunkt für Letzteres ist der bereits erschienene Artikel «Passives Einkommen 2026: Dividenden-ETFs».
Häufige Fallstricke vermeiden
Drei Fehler tauchen in Erfahrungsberichten immer wieder auf. Erstens: zu wenig Tranchen. Wer nur fünf Kredite zeichnet, wird statistisch garantiert einen Ausfall erleben, der die gesamte Jahresrendite auffrisst. Zweitens: Reinvestitionen vergessen. Liegen die monatlich zurückfliessenden Zinsen ungenutzt auf dem Plattform-Cashkonto, bringen sie null Rendite. Drittens: die Bonität nicht selbst nachprüfen. Die Auto-Invest-Filter sind komfortabel, aber wer einmal pro Quartal die durchschnittliche Bonitätsstufe der eigenen Position prüft, erkennt schleichende Risikoverschiebungen früh.
Fazit
Crowdlending ist 2026 weder Geheimtipp noch Selbstläufer. Lend und Cashare bieten erprobte Plattformen mit klaren Risikometriken, aber die Rendite kommt nur, wer sauber diversifiziert, die Steuern einrechnet und die Liquiditätsbindung akzeptiert. Als Beimischung zu Aktien und ETF lohnt sich das Konzept – als alleinige Renditequelle dagegen nicht.
Nächster Schritt: Auf lend.ch oder cashare.ch ein Demokonto anlegen, das Pricing-Modell anschauen und mit einer Testtranche von CHF 500 starten. Erst danach skalieren.
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Quellen: Capitalo P2P-Vergleich 2026, Lend.ch Investing, swisspeers Crowdlending-Vergleich, Biztec über Lend.