Stell dir vor, dein Lohn käme jeden Monat von zwei Seiten: von deinem Arbeitgeber – und von einem Portfolio, das im Hintergrund arbeitet, während du im Tram sitzt oder am Vierwaldstättersee einen Espresso trinkst. Genau das verspricht das Konzept des passiven Einkommens. 2026 ist es für Schweizerinnen und Schweizer einfacher denn je, dieses zweite Standbein aufzubauen. Tiefe Gebühren, breite ETF-Auswahl auf SIX und ein gereiftes Verständnis dafür, was wirklich funktioniert, machen den Einstieg planbar – wenn man die richtigen Bausteine wählt.
Warum Dividenden-ETFs für Schweizer Anleger der pragmatische Hebel sind
Wer in der Schweiz lebt, denkt beim Wort «passives Einkommen» schnell an Immobilien. Das Problem: Eine Renditeliegenschaft in Zürich, Bern oder Lausanne kostet heute eine halbe Million Eigenkapital aufwärts, bindet enorm viel Zeit für Verwaltung und Sanierung – und ist alles andere als passiv. Dividenden-ETFs drehen dieses Verhältnis um. Mit einem Klick im E-Banking erwirbt man Anteile an Hunderten von Unternehmen, die Quartal für Quartal Ausschüttungen tätigen. Die Ausschüttungsrenditen breit gestreuter Welt-Dividenden-ETFs liegen aktuell zwischen 3 und 4 Prozent jährlich. Bei 100’000 Franken Anlagekapital bedeutet das je nach Produkt 3’000 bis 4’000 Franken Brutto-Cashflow pro Jahr – Geld, das auf dem Konto landet, ohne dass man eine einzige Stunde gearbeitet hat.
Drei Bausteine für ein monatlich zahlendes Portfolio
Der Trick liegt in der Kombination. Da unterschiedliche ETFs zu verschiedenen Zeitpunkten ausschütten, lässt sich ein Portfolio konstruieren, das praktisch jeden Monat Cash liefert. Ein bewährter Mix für 2026 sieht so aus:
Erstens ein globaler Allrounder wie der Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield (VHYL), der weltweit in dividendenstarke Unternehmen investiert. Zweitens ein europäischer Ergänzungsbaustein, etwa auf den Stoxx Global Select Dividend 100 oder den SPI Select Dividend 20 für den Heimmarkt. Drittens ein US-Aristokraten-ETF auf den S&P High Yield Dividend Aristocrats – also Unternehmen, die ihre Dividende seit Jahrzehnten kontinuierlich erhöhen. Diese Kombination verteilt Branchen, Währungen und Auszahlungszeitpunkte – und glättet damit die Achterbahn der Märkte.
Wichtig: Nicht der höchsten Rendite nachjagen. Eine Ausschüttungsquote von 8 oder 9 Prozent klingt verlockend, ist aber häufig eine «Yield Trap» – ein Warnsignal, dass das zugrunde liegende Unternehmen in Schwierigkeiten steckt und die Dividende bald gekürzt wird. Qualität schlägt Quantität.
Die steuerliche Schweizer Spezialität: Säule 3a als Turbo
Hier liegt der wohl unterschätzteste Hebel für Schweizer Anleger. Dividenden aus dem freien Vermögen müssen vollumfänglich als Einkommen versteuert werden – je nach Wohnkanton kostet das schnell 25 bis 35 Prozent der Ausschüttung. In der Säule 3a hingegen fallen während der Laufzeit weder Einkommens- noch Verrechnungssteuer auf die Erträge an. Wer also einen dividendenstarken Welt-ETF im 3a-Depot hält, lässt den Zinseszinseffekt brutto arbeiten – ein gewaltiger Unterschied über zwanzig Jahre. Anbieter wie Finpension, Viac oder True Wealth ermöglichen heute 99 Prozent Aktienquote in der Säule 3a, oft mit Gesamtkosten unter 0,5 Prozent pro Jahr.
Realistisch bleiben: Was zwischen Traum und Bankkonto liegt
Passives Einkommen ist nicht das gleiche wie schnelles Einkommen. Wer heute monatlich 500 Franken in einen Dividenden-ETF investiert und 4 Prozent Ausschüttungsrendite annimmt, erhält nach zehn Jahren etwa 2’700 Franken Dividenden pro Jahr – nett, aber kein Frühpensionsbeschleuniger. Erst die Kombination aus konsequenter Sparquote, Reinvestition der Ausschüttungen in den Aufbauphasen und Geduld macht den Unterschied. Nach 25 Jahren wird aus derselben Sparrate ein Portfolio, das jährlich rund 12’000 bis 15’000 Franken ausschüttet – ein vollwertiger zweiter Lohnstreifen.
Und vergessen wir nicht die emotionale Seite: Dividenden, die regelmässig auf dem Konto landen, sind psychologisch stärker als reine Kursgewinne. Sie helfen, Marktschwankungen auszuhalten, weil der Cashflow weiterläuft – auch wenn die Kurse mal 30 Prozent einbrechen.
Dein erster Schritt – diese Woche
Wer 2026 noch keinen ETF besitzt, eröffnet diese Woche ein günstiges Depot (Saxo, Swissquote, Interactive Brokers oder eine 3a-Lösung wie Finpension). Dann definiert man eine monatliche Sparrate, die wirklich nicht weh tut – 200 Franken reichen für den Anfang. Der erste Trade auf einen Welt-Dividenden-ETF dauert keine zehn Minuten. Und dann das Wichtigste: nichts mehr tun. Den Dauerauftrag laufen lassen, die Quartalsausschüttungen beobachten, jedes Jahr die Rebalancing-Prüfung machen.
Passives Einkommen entsteht nicht aus Genialität, sondern aus Konsequenz. Der beste Tag, um zu starten, war vor zehn Jahren. Der zweitbeste ist heute.
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Quellen: etf.capital, NZZ, liebefinanzen.ch
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Investitionsentscheidungen sollten auf die persönliche Situation abgestimmt und idealerweise mit einer unabhängigen Fachperson besprochen werden.