Beim Stellenwechsel, bei einer beruflichen Auszeit oder beim Schritt in die Selbständigkeit landet das angesparte Pensionskassenguthaben oft auf einem Freizügigkeitskonto – und bleibt dort jahrelang liegen. Das Problem: Auf solchen Konten gibt es 2026 je nach Anbieter nur rund 0,25 bis 0,75 Prozent Zins. Über fünf oder zehn Jahre frisst die Teuerung diesen mageren Ertrag locker auf. Wer Zeit hat, kann das gleiche Geld stattdessen in einem Freizügigkeitsdepot in Wertschriften anlegen. Was dabei gilt, und für wen sich der Schritt lohnt.
Konto oder Depot – der entscheidende Unterschied
Ein Freizügigkeitskonto funktioniert wie ein Sparkonto: Ihr Guthaben wird verzinst, der Betrag schwankt nicht, dafür ist der Zins tief. Ein Freizügigkeitsdepot dagegen investiert Ihr Vorsorgegeld in Anlagefonds – typischerweise mit einem Aktienanteil zwischen 25 und 75 Prozent. Über längere Zeiträume waren damit historisch Renditen von etwa drei bis fünf Prozent pro Jahr möglich, deutlich mehr als auf dem Konto.
Der Preis dafür sind Kursschwankungen. In einem schlechten Börsenjahr kann der Depotwert vorübergehend sinken. Genau deshalb ist die Anlagedauer der wichtigste Faktor: Als Faustregel gilt ein Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren, besser mehr. Wer das Geld absehbar in zwei Jahren fürs Eigenheim oder die Pensionierung braucht, bleibt besser beim Konto.
Wann sich der Wechsel lohnt
Das klassische Szenario ist die Lücke zwischen zwei Anstellungen oder ein längerer Auslandaufenthalt: Ihr Pensionskassenguthaben muss irgendwo geparkt werden, bis Sie wieder einer neuen Vorsorgeeinrichtung beitreten. Bleibt es mehrere Jahre liegen, ist die Anlage in Wertschriften die naheliegende Überlegung. Auch Selbständige ohne Anschluss an eine Pensionskasse nutzen das Freizügigkeitsdepot, um ihr früheres BVG-Guthaben renditeorientiert zu bewirtschaften.
Wichtig zu wissen: Sie dürfen Ihr Guthaben auf zwei Freizügigkeitseinrichtungen aufteilen. Das ist kein Detail, sondern bei der späteren Auszahlung bares Geld wert – denn ein gestaffelter Bezug über zwei verschiedene Steuerjahre bricht die Progression der Kapitalauszahlungssteuer. Wie ein Freizügigkeitsguthaben beim Jobwechsel überhaupt korrekt übertragen wird, erklärt der Beitrag zu Freizügigkeit beim Jobwechsel.
Auf die Kosten kommt es an
Bei der Geldanlage über Jahrzehnte entscheidet die Gebühr über einen erheblichen Teil des Endergebnisses. Die jährlichen Gesamtkosten der angebotenen Wertschriftenlösungen reichen von rund 0,40 bis 1,60 Prozent pro Jahr. Dieser Unterschied wirkt klein, summiert sich über zehn oder zwanzig Jahre aber zu mehreren tausend Franken entgangener Rendite.
Günstige, vollständig digitale Anbieter haben hier in den letzten Jahren stark aufgeholt; in Vergleichen schneiden Lösungen mit indexnahen Fonds und tiefer Gesamtkostenquote regelmässig am besten ab. Achten Sie deshalb nicht auf die beworbene Renditechance, sondern auf drei nüchterne Zahlen: die Gesamtkostenquote des Fonds, allfällige Depotgebühren und den tatsächlich investierten Aktienanteil. Vergleichen Sie mindestens zwei, drei Anbieter, bevor Sie sich festlegen.
Bedenken Sie ausserdem: Das Geld bleibt gebundenes Vorsorgekapital. Sie kommen nicht frei daran – ein Bezug ist nur unter den gesetzlichen Voraussetzungen möglich, etwa beim Erreichen des Pensionsalters, beim Wegzug ins Ausland, für Wohneigentum oder bei Aufnahme einer Selbständigkeit. Das Depot ersetzt also kein frei verfügbares Wertschriftenkonto, sondern optimiert lediglich, wie Ihr bereits gebundenes Vorsorgegeld arbeitet.
Der konkrete nächste Schritt
Prüfen Sie zuerst Ihren Zeithorizont: Liegt das Guthaben absehbar fünf Jahre oder länger still, ist ein Depot eine ernsthafte Überlegung. Holen Sie dann bei zwei bis drei Anbietern eine Aufstellung der Gesamtkosten und der verfügbaren Anlagestrategien ein und wählen Sie einen Aktienanteil, mit dem Sie auch ein schwaches Börsenjahr ruhig aussitzen können. Den Übertrag vom Konto ins Depot wickeln die Anbieter für Sie ab – Sie müssen lediglich das Formular ausfüllen und die bisherige Freizügigkeitsstiftung anweisen.
Wichtig: Diese Zeilen sind keine Anlageberatung, sondern eine Orientierungshilfe. Ob ein Wertschriftendepot zu Ihrer Situation passt, hängt von Ihrem Zeithorizont, Ihrer Risikofähigkeit und Ihren Plänen ab – im Zweifel lohnt das Gespräch mit einer unabhängigen Fachperson.