Die Sommerferien stehen vor der Tür, und für viele beginnen sie mit einem langen Flug ans Meer oder nach Übersee. Was kaum jemand auf dem Schirm hat: Stundenlanges Stillsitzen mit angewinkelten Beinen erhöht das Risiko einer Reisethrombose. Die gute Nachricht ist, dass sich dieses Risiko mit einfachen Massnahmen deutlich senken lässt – und die Apotheke ist dafür die erste und unkomplizierteste Anlaufstelle.
Was bei einer Reisethrombose passiert
Bei einer Thrombose bildet sich ein Blutgerinnsel, meist in den tiefen Venen der Beine. Auf langen Reisen ist vor allem die Bewegungslosigkeit das Problem: Sitzt man stundenlang mit abgeknickten Knien, wird der Rückfluss des Blutes zum Herzen gebremst, und es staut sich in Füssen und Unterschenkeln. Das begünstigt die Gerinnselbildung.
Das absolute Risiko bleibt für gesunde Menschen klein – im Schnitt entwickeln rund 200 von einer Million Fluggästen auf Flügen über vier Stunden eine Thrombose. Doch bestimmte Faktoren erhöhen die Gefahr: höheres Alter, Übergewicht, Schwangerschaft, die Einnahme der Pille, Krampfadern, eine frühere Thrombose oder eine bekannte Gerinnungsstörung. Betroffen sind übrigens nicht nur Flüge: Auch lange Bus-, Bahn- und Autofahrten zählen.
Kompressionsstrümpfe als wichtigster Baustein
Die wirksamste vorbeugende Massnahme aus der Apotheke sind Reise- oder Kompressionsstrümpfe. Sie üben von aussen einen sanften, nach oben abnehmenden Druck auf das Bein aus. Dadurch werden die Venen unterstützt, das Blut fliesst besser zum Herzen zurück und staut sich nicht in den Beinen.
In der Apotheke lassen sich Reisestrümpfe für die normale Vorbeugung meist ohne ärztliche Verordnung beziehen. Wichtig ist die richtige Grösse – wird der Knöchelumfang korrekt ausgemessen, sitzt der Strumpf optimal. Personen mit erhöhtem Risiko sollten vorab ärztlich abklären lassen, ob für sie eine stärkere medizinische Kompressionsklasse sinnvoll ist. Das Apothekenpersonal berät gerne zur Auswahl und zur korrekten Handhabung beim Anziehen.
Bewegung und Flüssigkeit nicht unterschätzen
Strümpfe allein genügen nicht. Genauso wichtig ist, die Wadenmuskulatur immer wieder zu aktivieren – sie wirkt wie eine Pumpe für die Venen. Lassen Sie regelmässig die Füsse kreisen, wippen Sie auf den Zehenspitzen auf und ab, und stehen Sie auf langen Flügen ab und zu auf, um durch den Gang zu schlendern.
Ausreichend zu trinken hält das Blut «dünnflüssiger» und verbessert den Fluss; der Gang zur Toilette sorgt zugleich für die nötige Bewegung. Alkohol und Schlafmittel sind dagegen ungünstig, weil sie tief und bewegungslos schlafen lassen. Enge Kleidung, die in der Leiste oder Kniekehle einschneidet, sollte man auf der Reise vermeiden.
Was Sie über Tabletten wissen sollten
Ein häufiger Irrtum betrifft Acetylsalicylsäure (ASS, etwa Aspirin). Zur Vorbeugung der Reisethrombose wird die vorbeugende Einnahme heute nicht mehr empfohlen: ASS wirkt vor allem im arteriellen Bereich und kaum in den Venen, in denen die Reisethrombose entsteht. Greifen Sie also nicht eigenmächtig zu solchen Tabletten in der Annahme, sie würden schützen.
Bei deutlich erhöhtem Risiko kann der Arzt in Einzelfällen eine vorbeugende Spritze mit Heparin verordnen – das ist jedoch eine ärztliche Entscheidung und kein Fall für die Selbstmedikation. Treten nach einer Reise einseitige Beinschwellung, Schmerzen, Überwärmung oder gar Atemnot auf, ist das ein Warnsignal und gehört umgehend ärztlich abgeklärt.
Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung. Wer Vorerkrankungen hat oder Medikamente einnimmt, bespricht die Vorbeugung am besten individuell in der Apotheke oder Arztpraxis.
Was sonst noch ins Reisegepäck gehört, fasst der Beitrag zur Reise-Apotheke 2026 zusammen.
Fazit
Reisethrombose ist selten, aber gut vermeidbar. Die Kombination aus Kompressionsstrümpfen, regelmässiger Beinbewegung und ausreichend Flüssigkeit deckt den Grossteil der Vorbeugung ab – ganz ohne Tabletten. Wer zu einer Risikogruppe gehört, klärt vor der nächsten Langstrecke kurz in der Apotheke oder beim Arzt ab, welche Massnahmen persönlich sinnvoll sind. So beginnen die Ferien entspannt und enden gesund.