Apotheke

Schwimmerohr: Hilfe aus der Apotheke im Sommer

Der Sommer bringt sie zuverlässig in die Apotheke: Menschen mit stechenden oder pochenden Ohrenschmerzen, die tags zuvor noch vergnügt im Badesee oder Schwimmbad waren. Hinter den Beschwerden steckt häufig eine Gehörgangsentzündung, medizinisch Otitis externa, im Volksmund treffend «Schwimmerohr» oder «Badeotitis» genannt. Sie ist eine der typischen Sommererkrankungen – und ein gutes Beispiel dafür, wo die Apotheke sinnvoll beraten kann und wo die Grenze zur ärztlichen Behandlung verläuft.

Warum gerade im Sommer und gerade beim Baden

Eine Gehörgangsentzündung ist eine Entzündung der Haut im äusseren Gehörgang, die mal nur juckt, oft aber sehr schmerzhaft ist. Das Krankheitsbild tritt verbreitet im Sommer auf, nachdem bakteriell belastetes Wasser aus Badeseen oder Schwimmbädern ins Ohr gelangt ist.

Der Mechanismus dahinter ist einfach: Die schützende Haut des Gehörgangs weicht durch das Wasser auf und verliert ihren leicht sauren, abwehrenden Schutzfilm. Erreger können dann leichter eindringen und eine Entzündung auslösen. Verstärkt wird das Problem durch mechanische Reizung – etwa durch Wattestäbchen oder Finger, die den Juckreiz lindern sollen, die Haut aber zusätzlich verletzen. Auch enge Gehörgänge, viel Ohrenschmalz oder Kopfhörer im Ohr begünstigen das Schwimmerohr.

Was die Apotheke leisten kann – und was nicht

Hier ist Ehrlichkeit wichtig: Die Selbstmedikation sollte bei Ohrenschmerzen in aller Regel nur als Überbrückung dienen. Der Gang zur HNO-Ärztin oder zum HNO-Arzt ist bei einer echten Gehörgangsentzündung meist unumgänglich, denn die wirksame Behandlung erfolgt üblicherweise mit rezeptpflichtigen, antibiotisch und/oder kortisonhaltigen Ohrentropfen – nach Reinigung des Gehörgangs und nur bei intaktem Trommelfell.

Ohne Rezept abgeben kann die Apotheke vor allem zwei Dinge zur Überbrückung: Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen gegen die oft erheblichen Schmerzen, sowie desinfizierende Ohrentropfen oder Ohrensprays. Wichtig zur Einordnung: Für rezeptfreie desinfizierende Tropfen gibt es kaum belastbare Hinweise, dass sie eine bereits bestehende Entzündung ähnlich gut behandeln wie verschreibungspflichtige Präparate. Sie sind also eher zur Linderung und Vorbeugung gedacht als zur eigentlichen Therapie.

Alarmzeichen, bei denen die Apotheke weiterverweist

Geschultes Apothekenpersonal achtet auf Warnsignale, die gegen eine Selbstbehandlung sprechen und eine rasche ärztliche Abklärung erfordern. Dazu gehören starke oder zunehmende Schmerzen, Fieber, eine sichtbare Schwellung hinter oder vor dem Ohr, Flüssigkeit oder Eiter aus dem Gehörgang, ein deutlich nachlassendes Hörvermögen sowie Beschwerden, die sich über ein, zwei Tage nicht bessern.

Besondere Vorsicht gilt bei Menschen mit Diabetes oder geschwächtem Immunsystem, bei Kindern, bei Verdacht auf ein verletztes Trommelfell und bei Personen mit Paukenröhrchen. In diesen Fällen sind frei verkäufliche Ohrentropfen nicht angezeigt, und die Apotheke verweist konsequent an die Arztpraxis. Wer ohnehin verreist, sollte das passende Schmerzmittel und gegebenenfalls vorbeugende Tropfen in die Reiseapotheke packen – eine Übersicht dazu bietet der Beitrag zur Reise-Apotheke 2026.

Vorbeugen ist einfacher als behandeln

Wer wiederholt mit Gehörgangsentzündungen zu kämpfen hat, kann – sofern aus ärztlicher Sicht nichts dagegen spricht und das Trommelfell intakt ist – vorbeugend essigsaure Ohrentropfen aus der Apotheke verwenden. Sie stellen das saure Milieu im Gehörgang wieder her und erschweren Erregern das Wachstum.

Daneben helfen einfache Gewohnheiten: die Ohren nach dem Baden vorsichtig trocknen, etwa indem man den Kopf neigt und das Wasser auslaufen lässt, oder den Gehörgang behutsam mit dem Föhn auf niedriger Stufe und Abstand trocknet. Auf Wattestäbchen sollte man verzichten – sie schieben Ohrenschmalz tiefer hinein und verletzen die empfindliche Haut. Wer beim Schwimmen häufig betroffen ist, kann über individuell angepasste Ohrstöpsel nachdenken.

Ein weit verbreiteter Irrtum betrifft die Ohrenhygiene: Ein gewisses Mass an Ohrenschmalz ist kein Schmutz, sondern Teil der natürlichen Schutzbarriere des Gehörgangs. Wer es regelmässig komplett entfernt, schwächt genau diese Abwehr und macht das Ohr anfälliger. Weniger ist hier tatsächlich mehr – das Ohr reinigt sich in den allermeisten Fällen von selbst.

Fazit

Das Schwimmerohr ist ein klassisches Sommerleiden, bei dem die Apotheke eine wichtige, aber klar umrissene Rolle spielt: Sie lindert Schmerzen, berät zur Vorbeugung und – mindestens so wertvoll – erkennt, wann der Weg in die Arztpraxis nötig ist. Wer die typischen Beschwerden bei sich bemerkt, sollte den Gehörgang in Ruhe lassen, auf Wattestäbchen verzichten und sich beraten lassen, statt selbst herumzuexperimentieren. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Diagnose, sondern will helfen, die Beschwerden richtig einzuordnen und den nächsten Schritt zu finden.

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