Wer einen vernetzten Backofen mit Kerntemperaturfühler besitzt, kennt das Problem: Die Hersteller-App piept zwar, wenn der Braten fertig ist, aber genau dann liegt das Handy in einem anderen Zimmer. In Home Assistant lässt sich der Fühler dagegen voll integrieren – mit eigenem Zielwert, Ansage über die Lautsprecher und einer Benachrichtigung, die niemand verpasst. Bei einem Home-Connect-Gerät steht der Wert als sensor.backofen_kerntemperatur zur Verfügung. Daraus bauen wir eine kleine, aber sehr nützliche Automation.
Die Idee
Ziel ist ein flexibler Braten-Alarm: Vor dem Garen stellt man die gewünschte Kerntemperatur ein – 56 Grad für Rind medium, 75 Grad für Geflügel. HA überwacht den Fühler und meldet sich genau dann, wenn der Wert erreicht ist. Statt einen Schwellwert fest im Code zu vergraben, nutzen wir einen input_number als Sollwert. So ändert man das Ziel bequem im Dashboard, ohne je wieder YAML anzufassen.
Schritt 1: Sollwert als Helfer anlegen
Den Helfer kann man über die Oberfläche unter Einstellungen → Geräte & Dienste → Helfer erstellen oder direkt in der configuration.yaml definieren:
input_number:
braten_zieltemperatur:
name: Braten Zieltemperatur
min: 40
max: 95
step: 1
unit_of_measurement: "°C"
icon: mdi:thermometer
Nach einem Neustart erscheint der Schieberegler und lässt sich auf jedes Dashboard ziehen.
Schritt 2: Die Automation
Der Kern ist eine numerische Bedingung, die auslöst, sobald der gemessene Wert den Sollwert erreicht. Damit der Alarm nur greift, wenn der Fühler tatsächlich steckt und der Ofen läuft, prüfen wir zusätzlich auf einen plausiblen Messwert:
automation:
- alias: Braten Kerntemperatur erreicht
trigger:
- trigger: numeric_state
entity_id: sensor.backofen_kerntemperatur
above: input_number.braten_zieltemperatur
for:
seconds: 30
condition:
- condition: numeric_state
entity_id: sensor.backofen_kerntemperatur
above: 30
action:
- action: tts.speak
target:
entity_id: tts.home_assistant_cloud
data:
media_player_entity_id: media_player.kuche
message: >
Der Braten hat
{{ states('sensor.backofen_kerntemperatur') | round(0) }}
Grad erreicht. Guten Appetit!
- action: notify.mobile_app_mikes_iphone_17_pro
data:
title: "Braten fertig"
message: >
Kerntemperatur {{ states('sensor.backofen_kerntemperatur') }} °C
erreicht (Ziel: {{ states('input_number.braten_zieltemperatur') }} °C).
Praktisch: Seit den neueren HA-Versionen lässt sich der numeric_state-Trigger direkt gegen die Entität input_number.braten_zieltemperatur vergleichen, statt eine feste Zahl einzutragen. Das for: 30 seconds verhindert Fehlalarme durch kurze Messschwankungen.
Schritt 3: Live testen im Editor
Mit Home Assistant 2026.6 ist das Feintuning deutlich angenehmer geworden. Der Automations-Editor zeigt nun Live-Tests von Bedingungen und die Trefferzahl von Zielen direkt an. Man sieht also in Echtzeit, ob die Bedingung gerade erfüllt ist – ideal, um den Schwellwert zu prüfen, ohne einen echten Braten zu opfern. Ein Probelauf mit einem niedrig gesetzten Sollwert genügt, um Ansage und Push-Nachricht zu verifizieren.
Schritt 4: Komfort-Erweiterungen
Wer mag, ergänzt eine Vorwarnung fünf Grad vor dem Ziel, damit man rechtzeitig den Tisch deckt. Dazu dupliziert man die Automation und ersetzt die Schwelle durch einen Template-Wert:
above: >
{{ states('input_number.braten_zieltemperatur') | float - 5 }}
Eine zweite sinnvolle Ergänzung ist ein optisches Signal: eine Lampe, die beim Erreichen kurz auf Rot wechselt. So bekommt auch jemand das Signal mit, der gerade Kopfhörer trägt. Wer Lichtszenen ohnehin nach Anlass schaltet, findet im Artikel zu PV-Überschuss für Backofen und Geschirrspüler nutzen die passende Logik, um Küchengeräte energie- und zeitgesteuert zu orchestrieren.
Robust gegen Stolperfallen
Zwei Details entscheiden über die Zuverlässigkeit. Erstens die Verfügbarkeit: Verliert der Ofen kurz die Verbindung, meldet der Sensor unavailable. Damit die Automation dadurch nicht stillschweigend ausfällt, lohnt sich eine zusätzliche Bedingung, die den Zustand prüft, bevor verglichen wird. Zweitens die Mehrfachauslösung: Ohne Vorkehrung feuert der Trigger bei jedem kurzen Über- und Unterschreiten erneut. Das for: 30 seconds glättet das bereits; wer ganz sichergehen will, ergänzt nach der ersten Meldung eine kurze Sperre über einen Hilfsschalter (input_boolean), den die Automation setzt und der bei Ofenende automatisch zurückfällt. So bekommt man pro Garvorgang genau eine Ansage – nicht fünf.
Ein Blick ins Logbuch hilft beim Nachvollziehen: Dort sieht man, wann der Sollwert erreicht wurde, und kann die Garzeiten beliebter Gerichte mit der Zeit als Erfahrungswerte sammeln. Wer mag, schreibt den Endzeitpunkt zusätzlich in einen Text-Helfer und zeigt ihn auf dem Küchen-Dashboard an.
Fazit
Aus einem unscheinbaren Sensorwert wird so ein zuverlässiger Küchenhelfer: Sollwert per Schieberegler, akustische Ansage am richtigen Lautsprecher, Push aufs Handy und optional ein Lichtsignal. Der ganze Aufbau besteht aus einem Helfer und ein bis zwei Automationen – in einer Viertelstunde erledigt. Wer den Fühler bislang nur über die Hersteller-App nutzte, holt damit deutlich mehr heraus und bindet das Garen nahtlos in das übrige Smart Home ein. Probieren Sie als Nächstes die Vorwarnstufe aus – sie macht den Unterschied zwischen hektischem Servieren und entspanntem Essen.