Schweizer Sommer 2026: Hitzewellen sind keine Ausnahme mehr, sondern jährliche Erscheinung. Wer keine Klimaanlage hat, jongliert zwischen Querlüften am frühen Morgen, geschlossenen Storen am Tag und Ventilatoren in der Hitzeflaute. Genau hier zeigt Home Assistant seine Stärke: Zwei einfache Fan-Entitäten – fan.circulator_fan_9c4b und fan.batterie_ventilator – kombiniert mit einem mmWave-Präsenzsensor, einer Eve-Wetterstation und einem Fenster-Sensor ergeben eine Automation, die auf die echte Raumsituation reagiert statt auf die Uhr.
Die Hardware: Zwei Ventilator-Typen, zwei Rollen
Der Circulator Fan 9C4B ist ein netzbetriebener Smart-Ventilator (Standmodell, oszillierend), der via WLAN-Integration in HA als fan-Entität erscheint. Stärke: Hoher Volumendurchsatz, eignet sich für ganze Räume, läuft 24/7. Schwäche: Stromverbrauch im Dauerlauf 25–40 W. Der Batterie-Ventilator (Tisch-/Reisemodell) ist akkubetrieben, oft via Bluetooth oder Zigbee eingebunden, läuft punktuell auf dem Schreibtisch oder am Bett. Stärke: Mobil, leise, kein Kabel. Schwäche: Akkulaufzeit 4–8 Stunden, will gezielt eingeschaltet werden.
Die smarte Trennung der Rollen ist der eigentliche Hebel: Der Circulator übernimmt die Raumkonvektion, der Batterie-Ventilator das personenbezogene Kühlfeld. Wer beides parallel und automatisiert betreibt, spart Strom und gewinnt Komfort.
Trigger 1: Temperaturschwelle plus Präsenz
Der erste Trigger ist klassisch – Raumtemperatur über einem Schwellwert. Dafür eignet sich die sensor.eve_weather_20ebs9901_temperatur aus der Eve-Wetterstation oder ein lokales Temperatur-Reading aus einem TY0201/TS0201 Zigbee-Sensor im jeweiligen Raum. Wichtiger als die reine Temperatur ist aber die Kopplung an Anwesenheit. Niemand muss einen leeren Raum belüften.
automation:
- alias: "Circulator bei Hitze + Präsenz"
trigger:
- platform: numeric_state
entity_id: sensor.ty0201_temperatur
above: 26
for: "00:05:00"
condition:
- condition: state
entity_id: binary_sensor.presence_sensor_belegung
state: "on"
- condition: state
entity_id: binary_sensor.smart_window_handle_tur
state: "off" # Fenster zu
action:
- service: fan.turn_on
target:
entity_id: fan.circulator_fan_9c4b
data:
percentage: 60
Die zweite Bedingung – Fenster geschlossen – verhindert, dass der Ventilator bei offenem Fenster die teure Innenluft nach draussen pustet. Der binary_sensor.smart_window_handle_tur liefert diesen Status zuverlässig in drei Stufen.
Trigger 2: Schreibtisch-Modus über MacBook-Präsenz
Der Batterie-Ventilator soll nur dann anlaufen, wenn ich tatsächlich am Schreibtisch sitze – nicht wenn ich kurz aus dem Büro gegangen bin. Hier helfen die Apple-Active-Sensoren, die das eingebaute Camera-/Audio-Use-Tracking aus macOS in HA spiegeln, ergänzt um den mmWave-Belegungs-Status. Der binary_sensor.macbook_pro_von_mike_active zeigt mit 30-Sekunden-Auflösung, ob das Gerät genutzt wird.
automation:
- alias: "Batterie-Ventilator am Schreibtisch"
trigger:
- platform: state
entity_id: binary_sensor.macbook_pro_von_mike_active
to: "on"
for: "00:02:00"
condition:
- condition: numeric_state
entity_id: sensor.buro_temperatur
above: 25
- condition: state
entity_id: binary_sensor.presence_sensor_belegung
state: "on"
action:
- service: fan.turn_on
target:
entity_id: fan.batterie_ventilator
data:
percentage: 40
Wer den binary_sensor.macbook_pro_von_mike_camera_in_use zusätzlich als Bedingung einbaut, kann sogar Meeting-spezifisch schalten: Ventilator-Lautstärke runter, wenn die Kamera läuft (Empfehlung an Mikrofon-Nutzer: 20 % statt 60 %).
Auto-Off via mmWave und Counter
Das Gegenstück ist genauso wichtig: Beide Ventilatoren müssen sauber wieder ausgehen. Die einfachste Variante ist die mmWave-Belegungs-Auflösung über binary_sensor.presence_sensor_belegung mit der Übergangszeit von 30 Sekunden, kombiniert mit einer for-Klausel über 5 Minuten. Das filtert kurze Abwesenheiten (Kaffeeholen) aus, dreht den Lüfter aber zuverlässig ab, wenn das Büro länger leer ist.
automation:
- alias: "Ventilatoren aus bei Abwesenheit"
trigger:
- platform: state
entity_id: binary_sensor.presence_sensor_belegung
to: "off"
for: "00:05:00"
action:
- service: fan.turn_off
target:
entity_id:
- fan.circulator_fan_9c4b
- fan.batterie_ventilator
Ein netter Zusatz: Ein counter.batterie_ventilator_starts_heute, der bei jedem Einschalten hochzählt – analog zur Wärmepumpen-Diagnostik. Liegt der Counter abends bei 18, war es entweder sehr heiss oder die Empfindlichkeit der Trigger ist zu nervös eingestellt. Die Daten geben den Hebel zum Tuning.
Notification statt Action: Querlüften am Morgen
Manchmal ist die intelligenteste Automation keine direkte Aktion, sondern ein Push. Wenn morgens um 6:00 die Aussentemperatur (Eve Weather) deutlich unter der Innentemperatur liegt, lohnt sich Querlüften statt Ventilator. Eine kurze iOS-Notification mit time-sensitive-Priority und einer Action-Url, die direkt das Fenster-Lock-Entity öffnet, ist effizienter als jede Ventilator-Logik – und spart Strom. Diese Logik ergänzt die Wärmepumpen-Steuerung, die im Beitrag zu Heizkurve und Lastoptimierung für die kühle Jahreszeit beschrieben ist.
Fazit: Drei Bausteine, ein Sommerkomfort
Mit zwei Fan-Entitäten, einem mmWave-Sensor und einem Fenster-Aktor entsteht ein präzises Sommerklima-Setup: Der Circulator bedient den Raum, der Batterie-Ventilator das Subjekt, beide reagieren auf echte Anwesenheit statt Zeitpläne. Wer die Logik einmal sauber aufgebaut hat, hat 2026 spürbar weniger Hitze – und im Winter dieselbe Architektur als Vorlage für die Heizung. Das ist der Mehrfachnutzen, der lokale HA-Automation gegenüber Cloud-Lösungen unschlagbar macht.