Finanzen

Private Credit ETFs: Direct Lending als Cashflow

Hochzinsanleihen, Pfandbriefe, Dividenden-Aristokraten – das klassische Cashflow-Setup ist 2026 für viele Schweizer Anleger Standard. Wer einen Schritt weitergeht und nach unkorrelierten Ertragsquellen sucht, stösst zunehmend auf eine Anlageklasse, die früher nur Pensionskassen und Family Offices offenstand: Private Credit, also direkte Kredite an mittelständische Unternehmen jenseits des Anleihenmarkts. Seit 2024 sind die ersten UCITS-konformen Direct-Lending-ETFs für Privatanleger zugänglich, und auch die Schweizer Distributionsstruktur reift. Wer realistisch 7 bis 10 Prozent Bruttorendite mit moderaterer Volatilität als High-Yield-Bonds sucht, sollte die Mechanik verstehen – inklusive ihrer Tücken.

Was Private Credit überhaupt ist

Private Credit beschreibt Kredite, die nicht über den öffentlichen Anleihenmarkt vergeben werden, sondern direkt zwischen einem spezialisierten Fonds und einem Unternehmen – meist mittelständische Firmen mit EBITDA zwischen 10 und 100 Millionen, oft Private-Equity-finanziert. Die Kredite sind grösstenteils Senior Secured Loans mit variabler Verzinsung (SOFR + 5 bis 7 Prozent), erstrangig besichert und mit Covenants ausgestattet. Das macht sie strukturell vorrangiger als High-Yield-Anleihen, gleichzeitig aber illiquide: Es gibt keinen täglichen Marktpreis, sondern nur quartalsweise NAV-Berechnungen.

Der Markt ist seit 2008 explodiert – Banken haben sich nach Basel III aus dem Mittelstandsgeschäft zurückgezogen, Fonds wie Ares, Blackstone, KKR und Apollo füllen die Lücke. Das globale Volumen beläuft sich 2026 auf rund 2.5 Billionen Dollar. Für Schweizer Anleger spannend: Die durchschnittliche Ausfallquote der vergangenen 15 Jahre lag bei 1.5 bis 2.5 Prozent jährlich, mit Recovery-Quoten von 70 bis 80 Prozent – deutlich besser als unbesicherte High-Yield-Bonds.

Zugang für Schweizer Anleger 2026

Lange Zeit waren Private-Credit-Fonds geschlossene Vehikel mit Mindesteinlagen von einer Million Dollar und Lock-up-Perioden von 7 bis 10 Jahren. Das hat sich verändert: BDCs (Business Development Companies, US-kotiert wie Ares Capital ARCC, Main Street MAIN, Blue Owl OBDC) sind seit Jahren an der NYSE handelbar und schütten 8 bis 12 Prozent Dividendenrendite aus. Über Swissquote, Interactive Brokers oder Saxo sind sie direkt zugänglich – Quellensteuer 15 Prozent (DA-1-rückforderbar), Ausschüttungen sind voll einkommensteuerpflichtig.

Neu seit 2024 sind UCITS-ETFs, die Private-Credit-Exposure verbriefen: Der Virtus Private Credit ETF (VPC) in den USA, sowie europäische Pendants von Tabula und Invesco. Konkret an der SIX kotiert ist der iShares Private Markets Credit UCITS ETF (Ticker IPMC, CHF-hedged Tranche) – Direct-Lending-Exposure via Interval-Fund-Struktur mit täglicher Liquidität, TER um 0.85 Prozent. Die Verteilung ist quartalsweise, aktuell rund 6.5 Prozent annualisiert.

Realität: Risiken, die im Prospekt klein gedruckt sind

Die Renditen klingen attraktiv, aber die Risiken sind real. Erstens: Konjunktur-Sensitivität. Direct-Lending-Kredite gehen an PE-finanzierte Mittelständler mit teils hohem Leverage (5–7x EBITDA). In einer tiefen Rezession steigen Ausfallquoten schnell auf 5 bis 8 Prozent. Die Recovery passiert dann, aber mit 12 bis 24 Monaten Verzögerung. Zweitens: NAV-Glättung. Da keine täglichen Marktpreise existieren, bewerten Fondsmanager ihre Positionen modellbasiert. Das wirkt risikoarm in den Quartalsberichten, kann aber bei Stress zu plötzlichen Abwertungen führen – wie 2020 zwischenzeitlich gesehen.

Drittens: Zinszyklus-Hebel. Die meisten Kredite sind floating-rate. Das war in der Zinserhöhungsphase 2022/2023 ein Bonanza – die Renditen explodierten. 2026 sinken die Zinsen wieder, und auch die Distributionen werden parallel zurückgehen. Wer mit 9 Prozent von gestern kalkuliert, wird enttäuscht.

Konkret heisst das: Private Credit gehört in ein diversifiziertes Portfolio nicht als Hauptposition, sondern als Beimischung von 5 bis 10 Prozent. Es ersetzt nicht Aktien, sondern ergänzt Anleihen mit einem höheren Risiko-Rendite-Profil. Wer noch nicht über High-Yield-Bonds nachgedacht hat, sollte zuerst dort beginnen – etwa im Rahmen meiner Übersicht zu High-Yield-Bond-ETFs als Cashflow-Booster, bevor er den nächsten Schritt in den Private-Credit-Markt geht.

Fazit: Renditequelle für Geduldige

Private Credit ist kein Hype-Thema mehr, sondern eine etablierte Anlageklasse mit eigenem Profil. Wer 5 bis 10 Prozent seines Portfolios in Direct-Lending-Strukturen investiert, kauft sich ein vorrangig besichertes Cashflow-Profil mit moderat geringerer Korrelation zu Aktien als High-Yield-Bonds. Vorausgesetzt, man toleriert Illiquidität, modellbasierte Bewertungen und den Zinszyklus-Hebel. Mit BDCs wie Ares Capital oder dem iShares IPMC ETF an der SIX ist der Einstieg heute auch mit 5’000 Franken realistisch. Erster Schritt: ein Vergleich der TERs und Distributionspolitiken auf justetf.com starten – dann die Allokation langsam aufbauen.

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