Eine Home-Assistant-Installation, die seit Jahren gewachsen ist, enthält mehr Wert, als auf den ersten Blick sichtbar wird: hunderte Automationen, kalibrierte Helper, hand-getunte Lovelace-Dashboards, Verlaufsdaten der Heizung, der PV-Anlage, des CO2-Sensors. Wer einmal eine SD-Karte oder eine SSD verloren hat, weiss, dass das Neuaufsetzen Wochen frisst. Seit dem Backup-Manager in Home Assistant 2025.1 ist ein professionelles Backup-Konzept Bordmittel – die zugehörigen Entitäten sensor.backup_letztes_erfolgreiches_automatisches_backup und sensor.backup_nachstes_geplantes_automatisches_backup machen den Zustand sichtbar und automatisierbar. Höchste Zeit, eine 3-2-1-Strategie auch im Smart Home umzusetzen.
Was der Backup-Manager 2026 kann
Seit Home Assistant 2025.1 löst der eingebaute Backup-Manager die alten Snapshot-Funktionen ab. Er kombiniert mehrere Backup-Ziele in einer einzigen Konfiguration: das lokale Filesystem, ein oder mehrere Netzwerk-Shares (Samba/NFS) sowie Cloud-Ziele wie Home Assistant Cloud (Nabu Casa) oder externe Provider via Add-on. Eingestellt wird das unter Einstellungen → System → Sicherungen → Automatische Sicherungen.
Die Standard-Empfehlung lautet: täglich um 03:00 Uhr eine inkrementelle Sicherung, wöchentlich eine vollständige, monatlich eine archivierte. Verschlüsselung mit einem starken Passwort wird seit 2025.6 standardmässig vorgeschlagen – ohne Schlüssel kein Restore.
Die Drei-Sensor-Diagnostik
Die wichtigsten Backup-Entitäten in Home Assistant:
# verfügbare Backup-Sensoren
sensor.backup_backup_manager_zustand: idle
sensor.backup_letztes_erfolgreiches_automatisches_backup: 2026-05-17T03:24:51+00:00
sensor.backup_nachstes_geplantes_automatisches_backup: 2026-05-18T03:17:40+00:00
sensor.backup_zuletzt_versuchtes_automatisches_backup: 2026-05-17T03:24:07+00:00
Aus diesen vier Werten lässt sich ein vollständiges Health-Check-Bild zusammenstellen: Wann lief das letzte Backup wirklich durch? Ist es nicht älter als 36 Stunden? Wann läuft das nächste? Und – besonders wichtig – stimmen die Zeitstempel von «letztes erfolgreiches» und «zuletzt versucht» überein? Ein Auseinanderlaufen bedeutet, dass jüngste Sicherungsversuche fehlgeschlagen sind, obwohl die letzte erfolgreiche zeitlich noch passt.
Automation: Stille Alarmierung beim Auseinanderlaufen
Die folgende Template-Automation prüft täglich gegen 08:00 Uhr morgens, ob die beiden Sensor-Werte mehr als zwei Stunden auseinanderliegen – und schickt einen iOS/Push-Hinweis, wenn das der Fall ist:
automation:
- alias: "Backup Mismatch Alarm"
trigger:
- platform: time
at: "08:00:00"
condition:
- condition: template
value_template: >
{% set ok = states('sensor.backup_letztes_erfolgreiches_automatisches_backup') %}
{% set tried = states('sensor.backup_zuletzt_versuchtes_automatisches_backup') %}
{% if ok in ['unknown','unavailable'] or tried in ['unknown','unavailable'] %}
true
{% else %}
{{ (as_timestamp(tried) - as_timestamp(ok)) > 7200 }}
{% endif %}
action:
- service: notify.mobile_app_iphone_von_mike
data:
title: "HA Backup-Warnung"
message: >
Letztes erfolgreiches Backup:
{{ states('sensor.backup_letztes_erfolgreiches_automatisches_backup') }},
letzter Versuch:
{{ states('sensor.backup_zuletzt_versuchtes_automatisches_backup') }}.
So bekommt man die Information vor dem Kaffee, nicht erst nach dem nächsten Stromausfall.
3-2-1 in der Praxis: Drei Kopien, zwei Medien, eine ausser Haus
Eine echte 3-2-1-Strategie heisst: drei Kopien der Daten, auf zwei verschiedenen Medientypen, mindestens eine davon ausser Haus. Auf einem typischen Schweizer HA-Setup setze ich das so um:
Kopie 1 – Lokal auf der SSD des HA-Hosts. Schnelle Restore-Option, automatisch durch den Backup-Manager. Aufbewahrung: sieben Generationen rollierend.
Kopie 2 – Auf einem Synology-NAS via Samba. Pfad als externes Backup-Ziel im Backup-Manager hinterlegt. Aufbewahrung: 30 tägliche, 12 wöchentliche, unbegrenzte monatliche bis Speicherende.
Kopie 3 – Verschlüsselt in einem S3-kompatiblen Cloud-Storage (z.B. Infomaniak Swiss Backup, pCloud oder Backblaze B2). Über das Community-Add-on «HA Cloud Backup» mit Verschlüsselungs-Schlüssel, der nicht im selben Cloud-Konto liegt. Aufbewahrung: 12 monatliche, 5 jährliche.
Wer Home Assistant Cloud (Nabu Casa) abonniert hat, bekommt seit 2025.10 eine Cloud-Backup-Option direkt mit – das reicht für Privathaushalte oft schon, ersetzt aber nicht den eigenen Off-Site-Speicher mit höherer Aufbewahrungs-Politik.
Eine sinnvolle Ergänzung zum Backup-Konzept ist das Langzeit-Logging der Verlaufsdaten, das dasselbe Robustheits-Denken bei Verbrauchskurven, COP-Daten und Sensor-Historie erfordert – mehr dazu in Langzeit-Logging in HA: InfluxDB & Grafana.
Restore-Test einmal pro Jahr
Backup-Strategien, die nie getestet werden, sind keine Backups – sondern Hoffnungen. Mindestens einmal pro Jahr (z.B. zwischen Weihnachten und Neujahr) sollte man einen Restore auf einer separaten HA-Instanz durchspielen: eine zweite SSD ins Gehäuse, ein Raspberry Pi, eine VM auf dem NAS. Wenn der Backup-Manager das verschlüsselte Archiv klaglos importiert und nach 20 Minuten ein funktionierendes Dashboard steht – dann ist die Strategie wirklich solide. Wenn nicht, ist genau jetzt der richtige Moment, das herauszufinden – und nicht im Ernstfall.