Während alle Welt von Content Creation und Affiliate-Marketing spricht, gibt es einen Nebenverdienst, der bezahlt 30 bis 150 US-Dollar pro Stunde und keine grosse Reichweite voraussetzt: bezahltes UX-Research und App-Testing. Tech-Firmen wie Meta, Google, Notion, Linear und Tausende KMU brauchen kontinuierlich echtes Feedback von echten Nutzern, bevor sie Features ausrollen. Wer fünf Studien pro Monat macht und das nebenbei zu seiner BWL-Vorlesung packt, kommt schnell auf einen klaren Cashflow – ohne ein einziges Reel zu drehen.
Warum gerade jetzt?
Mit dem AI-Hype investieren Unternehmen so viel in Discovery, Concept Testing und Onboarding-Tests wie nie zuvor. Plattformen wie UserTesting, Wynter, Respondent.io, User Interviews, Prolific und Maze Panel suchen aktiv nach Tester-Pools mit europäischen oder Schweizer Profilen – diese sind in der Tech-Branche stark unterrepräsentiert, was die Stundensätze nach oben drückt. Wer Deutsch und Englisch fliessend spricht und im DACH-Raum sitzt, ist für Studien zu B2B-SaaS, FinTech und Healthcare ein gefragter Kandidat.
Der Vorteil gegenüber UGC oder Social Media: keine Aufmerksamkeitsökonomie, keine Performance-Druck, kein Algorithmus-Roulette. Es zählt nur die ehrliche Meinung und ein klarer Kommunikationsstil. Genau das, was BWL-Studierende durch Vorlesungen, Case Studies und Gruppenarbeiten ohnehin trainieren.
Aktive Möglichkeiten: Bezahlte Studien live
Moderierte Interviews sind der höchstbezahlte Bereich: 30 bis 90 Minuten Videocall mit einem UX-Researcher, Honorare zwischen USD 60 und 150. Plattformen wie Respondent.io oder User Interviews vermitteln solche Studien. Anmeldung dauert 10 Minuten – Profil ausfüllen, LinkedIn verlinken, Screening-Fragen ehrlich beantworten. Wer einen Marketing-Hintergrund oder Erfahrung mit Tools wie HubSpot, Salesforce, Notion oder Shopify hat, bekommt überdurchschnittlich viele Einladungen.
Unmoderierte Tests auf UserTesting oder Maze Panel werden niedriger entlohnt (USD 10–30 pro 15-Minuten-Test), gehen aber schneller. Hier wird ein Prototyp angeschaut, laut gedacht („Think Aloud“) und ein Bildschirmvideo aufgezeichnet. Anforderung: ruhiger Raum, ein gutes Mikrofon, klares Englisch oder Deutsch.
Konzept-Karten-Befragungen auf Wynter (B2B-Marketing-Texte bewerten) honorieren USD 25–75 pro Studie und dauern 10–20 Minuten. Wer Marketing-Affinität hat, wird hier besonders oft eingeladen – ideal für Studierende mit Marketing-Vertiefung.
Passive Möglichkeiten: Panel und Recurring
Prolific (UK-basiert, akademisch) und CloudResearch zahlen schlechter (USD 8–15 pro Stunde), aber liefern fast täglich neue Studien. Wer das mit anderen Apps kombiniert und automatisch alle eingehenden Studien sofort macht, kommt auf 15–25 Stunden pro Monat ohne aktive Suche. Das ist kein passives Einkommen im Sinne von „ohne Aufwand“, aber passiv im Sinne von „ohne Akquise“.
Ein zweiter Hebel ist App-Beta-Testing für Schweizer Startups. Auf TestingCatalog, BetaList oder direkt via LinkedIn werden Tester gesucht. Honorare sind nicht standardisiert – häufig CHF 30–60 für eine 30-minütige Session plus schriftliches Feedback. Wer drei bis vier KMU-Kontakte aufbaut, hat hier einen wiederkehrenden Einnahmestrom, der über Jahre läuft.
Realistische Zeitplanung: 20–40 % Pensum
Wer 8 bis 10 Stunden pro Woche investieren will, kann mit folgender Aufteilung rechnen: 2–3 moderierte Interviews (à USD 80, 1 Std. inklusive Vorbereitung) → ca. USD 200/Woche, 4–6 unmoderierte Tests (à USD 20, 20 Min) → ca. USD 100/Woche, 1–2 Wynter-Studien (à USD 50, 30 Min) → USD 80/Woche. Summe: rund USD 380 pro Woche = CHF 1’400–1’500 pro Monat.
Das funktioniert nur mit Profildisziplin: Alle Screening-Fragen ehrlich beantworten (Plattformen filtern Lügner schnell aus), pünktlich erscheinen, klares Englisch sprechen, gutes Mikrofon haben. Wer einmal „no-shows“ verursacht, wird auf vielen Plattformen gesperrt.
Steuerlich gilt: Einnahmen sind steuerpflichtig und in der Steuererklärung anzugeben. Bis ca. CHF 2’300/Jahr (vereinfachte Abrechnung) gelten Sonderregeln; darüber sind die Einnahmen normal zu deklarieren. AHV-Beiträge fallen erst über CHF 2’500/Jahr an (Bagatellgrenze). Wer das ernsthaft betreibt, lohnt ein einmaliger Anruf bei der AHV-Ausgleichskasse.
Erster konkreter Schritt
Heute Abend: bei Respondent.io, UserTesting und Prolific anmelden. Bei allen drei das Profil zu mindestens 95 % ausfüllen, LinkedIn verlinken, ein Foto hinterlegen. Bei UserTesting den Probetest ablegen – ohne diesen gibt es keine bezahlten Aufträge. Innerhalb von zwei Wochen kommen die ersten Einladungen. Wer dann zuverlässig liefert, hat nach drei Monaten ein stabiles Side-Income, das während der Prüfungszeit pausiert werden kann und in der Semesterferien-Phase hochgefahren wird.
Wer sich generell für strukturierte Service-Modelle interessiert, findet im Artikel zu Virtual Assistant für Schweizer Solopreneure eine ähnlich klar kalkulierbare Alternative.
Fazit
UX-Research ist der unsexy Bruder des Influencer-Daseins: keine Reichweite, kein Hype, keine Algorithmus-Sorgen. Dafür planbar, kalkulierbar und in Schweizer Franken gerechnet überdurchschnittlich gut bezahlt. Wer BWL studiert, mit Marketing-Tools umgehen kann und ehrlich kommunizieren mag, hat hier einen unterschätzten Hebel zum Studi-Einkommen.