Finanzen

Covered Calls: Optionsprämien als Cashflow im SMI

Wer Schweizer Aktien wie Nestlé, Novartis oder Roche im Depot hält, kennt das Spiel: zwei bis vier Prozent Dividendenrendite pro Jahr, dazu eher gemächliche Kursbewegungen. Solide, langweilig – und ein bisschen unausgenutzt. Genau hier setzt die Covered-Call-Strategie an: Wer die Aktien ohnehin liegen hat, kann auf ihnen regelmässig Call-Optionen verkaufen und Prämien kassieren. Aus stillem Buchwert wird laufender Cashflow.

Covered Calls gelten in den USA seit Jahrzehnten als Brot-und-Butter-Strategie für Einkommensanleger, in der Schweiz fristen sie ein Nischendasein. Mit Neo-Brokern wie Swissquote, Interactive Brokers und Lynx ist der Zugang aber günstig geworden, und die Implementierung auf Schweizer Standardwerten ist heute auch für Privatanleger machbar.

So funktioniert ein Covered Call konkret

Die Mechanik ist überschaubar. Sie halten 100 Nestlé-Aktien im Depot. Sie verkaufen eine Call-Option mit Laufzeit von zum Beispiel 30 bis 45 Tagen und einem Strike-Preis leicht über dem aktuellen Kurs – sagen wir, der Kurs steht bei CHF 85, Sie verkaufen den 90er-Call. Für diesen Verkauf erhalten Sie sofort eine Prämie, je nach Volatilität typischerweise 0,5 bis 1,5 Prozent des Aktienwerts. Bleibt die Aktie unter CHF 90, verfällt die Option wertlos und die Prämie ist Ihr Gewinn. Steigt sie darüber, müssen Sie die Aktien zum Strike-Preis liefern – Sie verkaufen also mit Gewinn, geben aber das weitere Aufwärtspotenzial ab.

Auf ein Jahr hochgerechnet sind drei bis acht Prozent Prämienrendite realistisch, je nach Aktienauswahl und Strike-Disziplin. Zusammen mit der Dividende ergeben sich Bruttoausschüttungen, die sich mit klassischen Immobilienfonds messen können – allerdings mit ganz anderem Risikoprofil.

Welche Schweizer Titel sich eignen

Nicht jede SMI-Aktie ist gleich gut geeignet. Die Optionsmärkte sind je nach Titel unterschiedlich liquide, und nicht überall lassen sich vernünftige Spreads handeln. Bewährt haben sich die grossen Schwergewichte mit moderater Volatilität: Nestlé, Novartis, Roche, ABB, Zurich Insurance. Die Optionen werden an der Eurex gehandelt, in der Regel mit Kontraktgrösse 100. Wer weniger Kapital einsetzen möchte, kann auf den UBS-ETF auf den SMI oder direkt auf SMI-Future-Optionen ausweichen – die Liquidität ist solide, die Eintrittshürde geringer.

Volatilere Titel wie UBS, Lonza oder Logitech bringen höhere Prämien, dafür ein höheres Risiko, dass die Aktien tatsächlich abgerufen werden oder dass die Position deutlich in den Verlust läuft. Wer einsteigt, sollte mit defensiven Werten beginnen.

Was steuerlich und buchhalterisch zu beachten ist

Optionsprämien werden in der Schweiz steuerlich grundsätzlich als steuerfreier Kapitalgewinn behandelt, sofern der Anleger nicht als gewerbsmässiger Wertschriftenhändler gilt. Dividenden bleiben einkommenssteuerpflichtig, der Gewinn aus einem Aktien-Verkauf bei Ausübung des Calls bleibt steuerfrei. Vorsicht gilt bei häufigem Trading: Wer pro Jahr Dutzende Optionen schreibt und Aktien rollt, läuft Gefahr, von der Steuerverwaltung als professioneller Händler eingestuft zu werden – mit den entsprechenden Konsequenzen.

Praktisch sinnvoll ist eine Quote von höchstens einer Call-Runde pro Aktie und Monat sowie ein klares System: Strike-Preis ungefähr fünf bis sieben Prozent über dem Spot, Laufzeit rund 30 Tage, abgelaufene Optionen verfallen lassen oder zurückkaufen, wenn sie 80 Prozent ihres Werts verloren haben. Wer diszipliniert bleibt und seine Trades sauber dokumentiert, hat selten Probleme.

Risiken und realistische Erwartungen

Covered Calls sind kein magischer Geldhahn. In stark steigenden Märkten verliert man Aufwärtspotenzial – im Bullenmarkt 2024 war das schmerzhaft. In fallenden Märkten dämpfen die Prämien zwar den Verlust, retten ihn aber nicht. Die Strategie funktioniert am besten in Seitwärts- und leicht steigenden Märkten – also genau dort, wo der SMI sich seit Jahren bewegt.

Wichtig: Verkaufen Sie nur Calls auf Aktien, die Sie auch tatsächlich loswerden würden, wenn der Strike fällt. Wer an seinen Nestlé-Aktien klebt und dann beim Strike doch nicht liefern will, baut sich emotionale Fallen. Eine Alternative ist das Rollen: Den Call vor Ablauf zurückkaufen und einen späteren mit höherem Strike verkaufen – mit kleinem Verlust, aber behaltener Aktie.

Fazit: ein dritter Cashflow neben Dividende und Kursgewinn

Wer ein Kernportfolio aus Schweizer Standardwerten besitzt und bereit ist, sich mit Optionsmechanik anzufreunden, kann mit Covered Calls einen zusätzlichen Cashflow generieren, der über die Dividende hinausgeht. Die Strategie ist nicht risikolos und nicht für jeden geeignet – aber sie ist eine der wenigen Methoden, mit denen Buy-and-Hold-Anleger ihr Portfolio aktiv arbeiten lassen, ohne den langfristigen Plan aufzugeben. Wer in das Thema einsteigen will, sollte zuerst auf einem Demokonto üben, mit einem einzigen Titel beginnen und nicht mehr als 20 bis 30 Prozent des Aktiendepots auf diese Strategie ausrichten.

Ergänzend lohnt sich ein Blick auf andere Cashflow-Strategien für Schweizer Anleger – etwa unsere früheren Artikel zu Dividenden-ETFs und globaler Diversifikation auf coremind.ch. Wer Optionen mit ETFs kombiniert, schafft ein robustes Einkommensportfolio über mehrere Säulen hinweg.

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