Wer in der Schweiz nach besonders sicherem Zins-Cashflow sucht, landet meist bei Bundesobligationen. Doch direkt daneben gibt es eine zweite, fast unbekannte Asset-Klasse mit derselben Bonität und einem leicht höheren Coupon: Pfandbriefe der beiden Schweizer Zentralinstitute. Beide Emittenten – die Pfandbriefbank schweizerischer Hypothekarinstitute (Banken) und die Pfandbriefzentrale der schweizerischen Kantonalbanken – sind AAA-geratet und gelten als sicherste Schuldner neben dem Bund. Für ein passives Einkommen mit minimalem Risiko sind sie 2026 wieder ein interessanter Baustein.
Was Pfandbriefe so besonders macht
Ein Schweizer Pfandbrief ist keine gewöhnliche Bankanleihe. Hinter jedem Pfandbrief steht ein gesetzlich vorgeschriebener Deckungsstock aus erstklassigen Hypotheken – konservativ bewertet, mit Beleihungsgrenzen deutlich unter dem Verkehrswert. Das Pfandbriefgesetz von 1930 (PfG) regelt jede Emission im Detail: Welche Hypotheken zulässig sind, wie hoch die Übersicherung sein muss, wer im Konkursfall vorrangig bedient wird. Diese Konstruktion macht Pfandbriefe zur einzigen Anlageklasse in der Schweiz, die strukturell ähnlich sicher ist wie ein Eidgenosse – bei rund 20 bis 40 Basispunkten mehr Rendite.
Die beiden Zentralinstitute geben Pfandbriefe ausschliesslich an die angeschlossenen Banken weiter, die damit ihre Hypothekarkredite refinanzieren. Aus Anlegersicht handelt es sich um börsennotierte CHF-Anleihen mit Laufzeiten von 3 bis 15 Jahren, halbjährlichen oder jährlichen Coupons und einer Stückelung ab CHF 5’000. Sie laufen wie ganz normale Obligationen über das Depot.
Rendite und Preisbildung 2026
Die Zinslandschaft hat sich seit 2024 deutlich verändert. Während der Bund für zehnjährige Laufzeiten aktuell rund 0,90 bis 1,10 Prozent zahlt, liegen die Pfandbriefe der Kantonalbanken-Zentrale meist 25 bis 45 Basispunkte darüber. Ein Pfandbrief mit Laufzeit 2034 kann so leicht 1,35 Prozent Coupon abwerfen – bei vergleichbarer Bonität, aber ohne den Liquiditätsprämienabzug, den der Eidgenosse heute hat.
Die Preise schwanken wie bei jeder Anleihe mit den Marktzinsen. Wer 100 Prozent Nominal zahlt, bekommt am Ende auch 100 Prozent zurück – dazwischen kann der Kurs fallen oder steigen. Für reines Zinseinkommen ohne Stress lohnt es sich, Pfandbriefe bis zur Endfälligkeit zu halten und mehrere Laufzeiten gestaffelt zu kombinieren. So entsteht eine «Pfandbrief-Leiter» analog zur Bundesobligationen-Leiter, die wir bereits im Artikel «Eidgenossen direkt kaufen: Schweizer Staatsanleihen 2026» beschrieben haben.
So kommt man an Pfandbriefe heran
Im Gegensatz zu Bundesobligationen, die man direkt bei der Bundestresorerie zeichnen kann, läuft der Pfandbrief-Kauf ausschliesslich über die Börse SIX oder die Hausbank. Die Suchbegriffe im Depot sind «Pfandbrief Pfandbriefzentrale» oder «Pfandbrief Pfandbriefbank» plus die Endfälligkeit. Beispiele aus dem aktuellen Markt: Pfandbriefzentrale 0,75 % 2030, Pfandbriefbank 1,25 % 2034, Pfandbriefzentrale 1,50 % 2038.
Die Transaktionskosten sind tief – meist Stempelsteuer von 0,15 Prozent (Schweizer Wertpapier) plus Courtage zwischen CHF 25 und CHF 80. Auf grössere Stückelungen verteilt fällt das kaum ins Gewicht. Wichtig: Die Coupons sind voll Einkommensteuer-pflichtig, eine Verrechnungssteuer von 35 Prozent wird einbehalten und mit der Steuererklärung zurückgefordert. Wer im Steuerausweis nicht über Pfandbriefe stolpert, kann sie leicht übersehen – die ESTV ICTax-Datenbank listet jede Emission mit der korrekten steuerlichen Behandlung.
Pfandbriefe oder Anleihen-ETF?
Für ein wirklich passives Einkommen ist ein breit gestreuter CHF-Anleihen-ETF die bequemste Variante. Wer aber konkrete Cashflows zu konkreten Daten plant – etwa für Lebenshaltung in der Frühpensionierung – kommt mit Einzeltiteln weiter. Die Pfandbrief-Leiter liefert genau das: planbare Zahlungseingänge, AAA-Bonität, keine Aktienkursschwankungen, kein Währungsrisiko, keine Fremdwährungs-Quellensteuer. Das macht Pfandbriefe zu einem stillen, aber sehr soliden Baustein für den defensiven Teil eines Schweizer Portfolios.
Fazit: Solide Säule für ruhiges Cashflow-Einkommen
Pfandbriefe sind der unauffällige Star der Schweizer Anleihenwelt. Bei AAA-Bonität, leicht höherer Rendite als der Bund und voller CHF-Notation eignen sie sich besonders für Anleger, die mit minimalem Risiko regelmässige Coupons als zweites Standbein aufbauen wollen. Wer zwei oder drei verschiedene Laufzeiten mischt, hat eine vollwertige Zinsleiter im Depot – ohne grosse Recherchearbeit, ohne komplexe Strukturen, ohne Bonitätssorgen. Auch in einem grösseren Misch-Portfolio sind Pfandbriefe der ruhige Anker, der die Volatilität bremst, wenn Aktien wackeln.
Konkret beginnen: Beim Broker «Pfandbrief» in die Suche eingeben, drei Tranchen mit Laufzeiten zwischen 5 und 12 Jahren auswählen, je CHF 5’000 bis CHF 10’000 zeichnen – und den Coupon-Kalender ins neue Jahr eintragen. Wer das Cashflow-Datum bewusst auf den Januar oder Juli legt, hat zweimal jährlich einen kleinen, kalkulierbaren Zahltag, der unabhängig von Börsenwetter und Konjunktur kommt.