Wer in der Schweiz arbeitet, hat in seiner Branche meistens mehr Fachwissen angesammelt, als ihm selbst bewusst ist. Steuerrecht für KMU, Excel für Treuhänder, Werkzeug-Schärfen für Hobby-Schreiner – jedes spezifische Können ist potenzielle Ware. Plattformen wie Teachable, Udemy oder Skillshare haben sich 2026 zur ernsthaften Alternative zum Buch oder Vortrag entwickelt: Einmal aufgenommen, verkauft sich ein Kurs jahrelang. Wer den Mythos vom Schnell-Reichwerden ausblendet und stattdessen den Kurs als digitales Asset versteht, kann sich damit ein robustes Zusatzeinkommen aufbauen.
Welche Plattform passt zu wem?
Die drei wichtigsten Optionen unterscheiden sich grundsätzlich. Udemy ist ein Marktplatz: Die Plattform bringt die Lernenden mit, der Preis liegt dafür meist tief (CHF 12–25 pro Kurs in Aktionen), und der Autor erhält je nach Akquise-Kanal nur 37 bis 97 Prozent. Wer keinen eigenen Funnel hat, lebt mit dieser Schere – Reichweite gegen Marge. Teachable ist das Gegenstück: eine White-Label-Schule unter eigener Domain, ab CHF 39 Monatsgebühr. Hier behältst du fast die gesamte Marge, musst die Lernenden aber selbst gewinnen. Skillshare wiederum ist Abo-basiert: Das Honorar speist sich aus den Minuten, die deine Inhalte tatsächlich konsumiert werden – ideal für kurze, aktivierende Klassen unter 60 Minuten, nicht für vertiefte Zertifikatskurse.
Eine pragmatische Strategie für Schweizer Einsteiger: Mit einem Udemy-Kurs starten, um Format, Aufwand und Markt zu testen. Wenn das Thema trägt und du eigene Lernende anziehst, baust du eine Teachable-Schule auf und migrierst dort die Inhalte – mit höherer Marge.
Was funktioniert auf dem Schweizer Markt?
Englischsprachige Kurse haben das grösste Volumen, aber auch die härteste Konkurrenz. Wer auf Deutsch unterrichtet, spricht einen kleineren, dafür weniger umkämpften Markt mit höherer Zahlungsbereitschaft an. Erfolgreich verkaufen sich vor allem Kurse mit klarem Praxisnutzen: «Steuererklärung selbst gemacht – ein Kanton», «AHV-Anmeldung für Selbständige», «Photovoltaik-Anlage bewilligen Schritt für Schritt». Branchenwissen, das sonst nur Treuhand- oder Beratungsfirmen verkaufen, hat hier seinen Platz. Wichtig: Der Kurs muss aktuelle Schweizer Rechtslage abbilden, also jährlich überarbeitet werden – sonst veraltet er und Bewertungen rutschen.
Steuerliche Behandlung und AHV
Einnahmen aus Online-Kursen sind in der Schweiz selbständiges Nebeneinkommen. Steuerpflichtig sind sie ab dem ersten Franken, deklariert werden sie unter «Einkünfte aus selbständiger Erwerbstätigkeit». Sobald die jährliche Nettomarge CHF 2’500 übersteigt, fallen AHV-Beiträge an – meist als Selbständigerwerbender bei der Ausgleichskasse anzumelden. Wer hauptberuflich angestellt ist, kann den Aufwand für Studio-Mikrofon, Schnittsoftware oder Pro-Account abziehen. Plattformen wie Udemy weisen die Bruttoeinnahmen jährlich aus; das übersetzt sich für die Steuererklärung in einen klar dokumentierten Beleg. Auch USA-Quellensteuer ist zu berücksichtigen: Wer auf Udemy oder Teachable verkauft, sollte das W-8BEN-Formular einreichen, um den Quellensteuersatz auf null bis fünfzehn Prozent zu drücken – ähnliche Mechanik wie bei US-Dividenden-Aktien.
Realistische Erwartungen
Ein in der Bestseller-Liga eingeschlagener Udemy-Kurs bringt nach einem Jahr 2’000 bis 8’000 Franken, drei bis fünf gut platzierte Kurse können den Bereich CHF 15’000 bis 40’000 erreichen. Aber: 70 Prozent aller Kurse verkaufen sich miserabel. Die Erfolgsfaktoren sind weniger Produktionsqualität als Themen-Treffer, klare Versprechen im Kurstitel, aktivierende erste fünf Minuten und konsequente Pflege der Bewertungen. Die Produktion eines achtstündigen Kurses kostet realistisch 40 bis 80 Arbeitsstunden – die ehrliche Rechnung lautet also nicht «Einmal aufgenommen, danach passiv», sondern «hoher Vorabaufwand, dann pflegender Aufwand von wenigen Stunden monatlich».
Fazit: Asset statt Lottoschein
Online-Kurse sind kein schnelles Geld. Sie sind ein digitales Asset, das im Idealfall fünf bis zehn Jahre verkauft wird und in dieser Zeit ein Vielfaches der Produktionszeit auszahlt. Wer einen klaren Themen-Anker im eigenen Berufsfeld hat, einen Kurs aus dem Effeff erstellen kann und bereit ist, jährlich nachzubessern, baut sich damit ein zweites Standbein, das skaliert. Der pragmatische erste Schritt: einen einzigen, fokussierten Mini-Kurs (60–90 Minuten) aufnehmen, auf Udemy stellen, drei Monate beobachten – und ehrlich entscheiden, ob das Thema und die Disziplin tragen.