Home Assistant

HA Voice: Zwei Wake-Words, zwei Assistenten parallel

Mit Home Assistant 2026.4 ist eine Funktion stabil geworden, auf die viele Voice-Bastler seit Jahren warten: Ein einziger Voice-Satellit – etwa ein Home Assistant Voice Preview Edition oder ein RaspiAudio Muse – kann gleichzeitig auf zwei verschiedene Wake-Words reagieren und je nach erkanntem Wort einen anderen Assistenten ansprechen. «Okay Nabu» schickt die Anfrage an einen lokalen Whisper-Assistenten, «Hey Jarvis» an einen Cloud-Assistenten mit OpenAI- oder Claude-Backend. Ein Gerät, zwei Verhaltensmuster – ohne komplizierte Automation, ohne Doppelhardware.

In der Praxis verändert das den Umgang mit Voice-Steuerung erheblich. Die langsamen, aber datensparsamen lokalen Anfragen («Licht im Büro aus») landen beim On-Premise-Modell, die offenen, komplexeren Fragen («Was steht heute im Kalender, und sollte ich die Heizung anpassen?») laufen über die Cloud. Das ist die seit Jahren angestrebte Trennung zwischen Routine und Intelligenz – jetzt sauber konfigurierbar.

So wird der Dual-Modus aktiviert

In der HA-Konfiguration des Voice-Satelliten finden sich seit 2026.4 die beiden Slots «Aktivierungswort» und «Aktivierungswort 2», jeweils mit zugeordnetem «Assistent» und «Assistent 2». Die Konfiguration über die UI ist trivial, der Pferdefuss steckt in der Auswahl der Wake-Words: Sie sollten phonetisch genug auseinander liegen, damit der lokale openWakeWord-Detektor sie nicht verwechselt. «Okay Nabu» und «Hey Jarvis» funktionieren gut; «Hey Mycroft» und «Hey Jarvis» dagegen führen zu Fehlerkennungen.


# configuration.yaml – Auszug für den Voice-Satelliten
wyoming:
  - platform: assist_satellite
    name: home_assistant_voice_0a204b
    wake_words:
      - id: okay_nabu
        pipeline: assist_de_local
      - id: hey_jarvis
        pipeline: assist_chatgpt_cloud
    vad:
      mode: default

Wer es bevorzugt, die Pipeline über die UI zu konfigurieren, findet die beiden Slots direkt im Geräte-Detail des Satelliten unter «Konfiguration» → «Aktivierungswörter». In der Praxis ist die YAML-Variante aber empfehlenswert, weil sie sich versionieren und replizieren lässt – sinnvoll, sobald man mehr als einen Satelliten im Haus betreibt.

Pipelines klug aufteilen

Die spannende Frage ist nicht «wie aktiviere ich beide Wake-Words», sondern «welche Pipeline gehört zu welchem Befehl». Bewährt hat sich folgende Aufteilung: Pipeline 1 mit lokalem Whisper und einer kleinen Sprachintenterkennung ist für die kurzen Hausautomations-Befehle zuständig. Sie ist offline-fähig, schnell und unterstützt zuverlässig alle Geräte, die in HA als Conversation-Entität sichtbar sind.

Pipeline 2 läuft über einen Cloud-LLM-Adapter – sei es OpenAI, Anthropic oder ein selbst gehostetes Modell auf einem GPU-Server. Hier kann der Assistent komplexere Anfragen verstehen, mehrstufige Pläne formulieren und Antworten in Klartext zurückgeben. Über die «AI Task»-Integration aus 2026.5 lassen sich sogar strukturierte LLM-Antworten erzwingen, sodass die Cloud-Pipeline nicht nur quatscht, sondern auch Aktionen ausführt.


# Beispiel: Service-Skript für eine kombinierte Anfrage
script:
  voice_kombi_check:
    sequence:
      - service: conversation.process
        data:
          text: "Fasse die wichtigsten Sensorwerte der letzten Stunde zusammen."
          agent_id: !secret claude_agent_id
      - service: notify.mobile_app_iphone
        data:
          message: "{{ states('input_text.last_summary') }}"

Datenschutz und Latenz: was sich verbessert hat

Der grosse Vorteil des Dual-Setups ist nicht die Eleganz, sondern die Trennung der Datenflüsse. Wer «Okay Nabu, mach das Licht aus» sagt, hat die Anfrage komplett offline verarbeitet – kein Audio verlässt das Haus. Wer «Hey Jarvis, was sagst du zur Wettervorhersage?» fragt, schickt die Frage bewusst in die Cloud. Diese Trennung war früher nur mit Tricks und Vorschalt-Automationen erreichbar, jetzt ist sie nativ.

Latenztests an einem RaspiAudio Muse Luxe zeigen: Die lokale Pipeline antwortet typischerweise nach 700 bis 1’100 Millisekunden, die Cloud-Pipeline je nach Anbieter und Tageszeit zwischen 1.5 und 3 Sekunden. Für Hausautomation ist die lokale Variante damit deutlich angenehmer, für gehaltvolle Antworten lohnt sich das Warten.

Stolpersteine in der Praxis

Zwei Probleme tauchen immer wieder auf. Erstens: Wer beide Wake-Words zu ähnlich wählt, kassiert Fehl-Aktivierungen. Die Sensibilität lässt sich über «Wake word sensitivity» justieren («Moderately sensitive» ist meist ein guter Kompromiss), aber das richtige Wake-Word-Paar zu finden braucht eine Woche Geduld. Zweitens: Die Cloud-Pipeline kann fehlschlagen, wenn die Internet-Verbindung wackelt – ein Fallback auf die lokale Pipeline lässt sich derzeit nicht automatisch konfigurieren. Wer Ausfallsicherheit will, sollte auch die Cloud-Variante auf einem lokalen LLM laufen lassen (zum Beispiel Ollama mit Llama 3.3 auf einem Mini-PC mit GPU).

Fazit

Die Dual-Wake-Word-Funktion ist ein kleines Feature mit grosser Wirkung. Sie macht aus einem einfachen Voice-Satelliten ein Werkzeug, das gleichzeitig schnelle Hausbefehle und intelligente Konversation beherrscht – ohne dass man sich zwischen Offline-Disziplin und Cloud-Komfort entscheiden muss. Wer einen HA Voice oder RaspiAudio Muse betreibt, sollte den Schritt zur Doppelkonfiguration auf jeden Fall machen, schon allein wegen der Trennung der Datenflüsse.

Wer mehr über die zugrundeliegende Voice-Architektur erfahren möchte, findet in unserem Beitrag zu Voice-Satellit ohne Cloud mit HA Voice und RaspiAudio Muse auf coremind.ch die nötige Grundlage. Dual-Wake-Word ist die natürliche Weiterentwicklung dieses Setups.

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