Apotheke

Reise-Apotheke 2026: Was wirklich rein muss

Mit dem Frühsommer beginnt in der Schweiz wieder die Reisesaison – und mit ihr die alljährliche Schlange am Beratungstisch jeder Apotheke. «Ich gehe für zwei Wochen nach Sardinien, was brauche ich?» ist eine der häufigsten Fragen, die unsere Offizinen zwischen Mai und September beantworten. Eine gut zusammengestellte Reise-Apotheke wiegt unter 400 Gramm, passt in einen Toilettenbeutel und macht aus einem mittelmässigen Tag den Unterschied zwischen «kurz schlucken und weiter» und «Notaufnahme im fremden Spital». Was 2026 wirklich hineingehört – und was Sie getrost zuhause lassen.

Die unverzichtbare Basis

Sechs Wirkstoffgruppen sind in nahezu jeder Reise sinnvoll. Schmerz und Fieber: Paracetamol 500 mg und Ibuprofen 400 mg in getrennten Blistern – Paracetamol bei Erkältung und leichten Beschwerden, Ibuprofen bei Verstauchungen oder Zahnschmerzen. Durchfall: Loperamid für Notsituationen wie lange Busfahrten, dazu Elektrolytpulver (z.B. Normolytoral) zur Rehydratation; das Pulver ist im Krankheitsfall wichtiger als die Tabletten. Übelkeit: Dimenhydrinat 50 mg für Reisekrankheit und Magen-Darm-Infekte. Allergie: Cetirizin oder Loratadin – ein einzelnes Blister deckt Insektenstiche, Pollen am Reiseziel und unerwartete Nahrungsmittelreaktionen ab. Wundversorgung: sterile Kompressen, ein elastischer Verband, Pflaster in zwei Grössen, Desinfektionsmittel (Octenisept 50 ml). Hautschutz: Sonnenschutz LSF 50, ein After-Sun-Gel mit Aloe Vera und – oft vergessen – ein Repellent mit Icaridin oder DEET 30 Prozent.

Das ist die Grundausstattung für eine zweiwöchige Reise in Europa, Nordamerika oder eine durchschnittliche Stadt in Asien.

Was 2026 zusätzlich Sinn macht

Drei Ergänzungen sind in diesem Jahr besonders empfehlenswert. Schnelltests: Ein Multiparameter-Selbsttest für COVID-19, Influenza A/B und RSV (in vielen Schweizer Apotheken zwischen 14 und 19 Franken erhältlich) bringt im Hotelzimmer in 15 Minuten Klarheit, ob es sich um einen Infekt oder nur Klimaanlagen-Reizung handelt. FFP2-Maske: Zwei einzeln verpackte Stücke wiegen nichts und sind in vielen Spitälern, einigen Apotheken und teilweise auf langen Flügen immer noch sinnvoll. Mini-Wundsalbe mit Dexpanthenol: Eine 5-Gramm-Tube reicht für zwei Wochen Sonnenbrand, leichte Schürfungen oder gereizte Lippen und ersetzt drei separate Tuben.

Eine Bemerkung zur Sonnencreme: Die Empfehlung von Swissmedic und pharmaSuisse ist seit 2025 deutlich konsequenter geworden – LSF 50 ist für Mittelmeer- und Bergreisen heute die unterste Sinngrenze, LSF 30 nur noch für nordeuropäische Sommer im April und Mai. Die Tube braucht ausserdem realistische Mengen: 30 ml Sonnencreme pro Person und Tag sind kein Marketing, sondern dermatologischer Konsens.

Persönliche Medikamente: die kritische Liste

Wer regelmässig Medikamente nimmt, sollte zwei Dinge tun, bevor er packt. Erstens: den Reisebedarf plus 20 Prozent Reserve einpacken – Gepäckverlust, Magen-Darm-Verluste oder Verzögerungen bei der Rückreise lassen sich so abfangen. Zweitens: Wirkstoffname (nicht Markenname!) und Dosierung auf Englisch notieren und ins Handgepäck legen. In Italien heisst das gewohnte Schweizer Präparat anders, in den USA wieder anders – aber der internationale Wirkstoffname (z.B. «Levothyroxine 100 mcg») wird in jeder Apotheke der Welt verstanden.

Für Reisende mit Diabetes, Asthma, Epilepsie oder Herzkreislaufmedikation lohnt sich das Notfallausweis-Kärtchen der Schweizerischen Diabetesgesellschaft oder der Schweizerischen Herzstiftung. Eine englischsprachige Bestätigung der Hausärztin über die Diagnose und die verordneten Medikamente kostet 30 Franken und vermeidet Zollprobleme bei stark wirksamen Substanzen wie Insulin, Opioiden oder Methylphenidat.

Was Sie getrost zuhause lassen

Antibiotika «für alle Fälle» gehören 2026 nicht mehr in die Reise-Apotheke. Die Antibiotika-Stewardship-Empfehlungen von Infektiologie Schweiz und pharmaSuisse sind eindeutig: Antibiotika werden im Krankheitsfall vor Ort verschrieben, nicht prophylaktisch eingepackt. Ausnahme sind sehr abgelegene Reisen ohne medizinische Infrastruktur – hier ist eine ärztliche Reiseberatung sechs Wochen vor Abreise sinnvoller als der Griff zur eigenen Reserve. Auch hochdosierte Vitamin-Komplexe, Schlafmittel jenseits eines milden Antihistaminikums und Krampflöser auf Verdacht braucht praktisch niemand auf einer normalen Reise.

Lesetipp und letzter Schritt

Für Reisende mit chronischen Erkrankungen bietet der Beitrag «Generika & Biosimilars: Sparen ohne Kompromiss» nützliche Hintergrundinfos zu kostengünstigen Alternativen, die sich auch für längere Reisen lohnen können.

Konkret heute: Holen Sie eine leere Plastikbox (rund 15 × 20 cm), füllen Sie sie nach obiger Liste und bringen Sie sie für zehn Minuten in Ihre Stammapotheke. Die Fachperson prüft Verfallsdaten, ergänzt fehlende Punkte und passt die Auswahl an Ihr Reiseziel an. Dieser kurze Check ist in den meisten Schweizer Apotheken kostenlos – und der wahrscheinlich beste medizinische Service, den ein Reisetag bringen kann. Dies ist keine medizinische Beratung; bei Vorerkrankungen oder unklaren Symptomen bleibt das Gespräch mit Ärztin oder Apotheker der richtige Weg.

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