Finanzen

Säule 3a gestaffelt beziehen: Progression brechen

Über das Einzahlen in die Säule 3a ist alles geschrieben. Über das Beziehen erstaunlich wenig – obwohl genau dort die letzte grosse Steueroptimierung im Erwerbsleben stattfindet. Wer in Pension geht und sein gesamtes Vorsorgekapital aus 3a-Konten in einem einzigen Jahr abruft, zahlt mehr Steuern, als nötig wäre. Drei bis fünf Bezugsjahre richtig zu staffeln, spart in der Schweiz schnell 8’000 bis 25’000 Franken – einfach, weil die Progression bei der Kapitalbezugssteuer steil ist.

Warum die Staffelung überhaupt funktioniert

Auszahlungen aus der Säule 3a werden in der Schweiz separat vom übrigen Einkommen besteuert. Das ist gut. Schlecht ist, dass alle Bezüge eines Jahres zusammen besteuert werden. Wer in einem Jahr CHF 200’000 abruft, fällt in eine deutlich höhere Tarifstufe als wer denselben Betrag über vier Jahre verteilt mit je CHF 50’000.

Die Progression ist je nach Kanton unterschiedlich, das Prinzip aber überall gleich. In Zürich kostet ein einmaliger Bezug von CHF 200’000 (Mann, alleinstehend) rund CHF 12’700 Steuern. Vier Bezüge von CHF 50’000 über vier Jahre verteilt summieren sich dagegen auf rund CHF 6’400 – die Hälfte. Im Kanton Solothurn ist der Effekt noch ausgeprägter, in Schwyz oder Zug etwas geringer, aber stets positiv.

Damit das funktioniert, braucht es mehrere 3a-Konten. Pro Kalenderjahr darf nur jeweils ein Konto vollständig aufgelöst werden. Teilauszahlungen pro Konto sind nicht zulässig – ein Konto, ein Bezug, fertig. Wer also über fünf Jahre staffeln will, braucht mindestens fünf 3a-Konten.

Der Aufbau: Mehrere Konten ab dem 40. Geburtstag

Das System funktioniert nur, wenn die Konten lang genug bestehen. Banken nehmen Neuanlagen in der Regel bis zum Alter von 60 entgegen, danach wird es deutlich schwieriger. Sinnvoll ist es, ab dem 40. Lebensjahr alle zwei bis drei Jahre ein neues 3a-Konto zu eröffnen. So entstehen über die Jahre vier bis sechs Konten, idealerweise verteilt auf zwei oder drei Anbieter. Wer schon spät dran ist und nur ein Konto hat, kann es jetzt noch teilen – das bedeutet einfach, dass das nächste 3a-Konto bei einer anderen Bank eröffnet und ab sofort dort einbezahlt wird. Bestehende Beträge müssen nicht umgeschichtet werden.

Eine sinnvolle Mischung ist heute: zwei Konti mit klassischer Verzinsung (für die letzten Bezugsjahre, in denen das Kapital nicht mehr schwanken soll) und zwei bis drei Konti mit Wertschriftenlösung (für die früheren Bezugsjahre, in denen man noch fünf bis fünfzehn Jahre Zeit hat). Anbieter wie VIAC, finpension oder Frankly bieten Wertschriften 3a-Pläne mit Aktienquoten bis 99 Prozent zu Verwaltungsgebühren um die 0.40 Prozent – ein Niveau, das vor zehn Jahren noch undenkbar war.

Bezugsfenster und das Zusammenspiel mit der Pensionskasse

Die Säule 3a kann ab fünf Jahren vor dem ordentlichen AHV-Rentenalter bezogen werden. Konkret bedeutet das: Männer ab 60, Frauen entsprechend der schrittweisen Anhebung auf das Referenzalter 65 (AHV 21). Aufschub bis längstens fünf Jahre nach dem Referenzalter ist möglich – allerdings nur, wenn noch ein Erwerbseinkommen vorhanden ist.

Wer mit 65 in Pension geht und seine Pensionskasse als Kapital bezieht, sollte zwingend prüfen, ob der Kapitalbezug der Pensionskasse und der erste 3a-Bezug nicht im selben Kalenderjahr stattfinden. Beide werden in vielen Kantonen für die Tarifprogression zusammengezählt. Die einfachste Lösung: Pensionskasse im Jahr der Pensionierung, 3a-Bezüge in den Jahren davor und danach.

Konkretes Beispiel: 62 Jahre, vier Konten

Eine 62-jährige Berufstätige aus dem Kanton Bern, die noch drei Jahre arbeitet und mit 65 vollständig in Pension geht, hat vier 3a-Konten mit Beträgen von CHF 60’000, 70’000, 80’000 und 90’000. Bezug 60’000 mit 62, 70’000 mit 63, 80’000 mit 64, 90’000 mit 66 (also nach Pensionierung im Folgejahr). Die Pensionskasse wird mit 65 als Kapital bezogen. Damit liegen alle fünf Steuerereignisse in fünf verschiedenen Kalenderjahren. Die geschätzten Steuerersparnis im Vergleich zu einem Bezug aller Beträge in einem einzigen Jahr: rund CHF 18’500. Mehr Hintergrund zur Pensionskasse selbst gibt der Artikel zu Pensionskasse-Einkauf staffeln auf coremind.ch.

Was zu beachten ist – und was nicht zu spät ist

Bei der Reihenfolge gilt eine pragmatische Faustregel: Zuerst die kleinsten Konten beziehen, weil deren Bezug kaum Progression auslöst, und das grösste am Schluss in einem Jahr ohne Erwerbseinkommen. Wer Wohneigentum mit Vorbezug ablösen will, kann den 3a-Bezug auch für die Hypothekarrückzahlung verwenden – steuerlich gilt aber dasselbe System.

Wer heute zwischen 45 und 55 ist und nur ein Konto hat, sollte sofort ein zweites eröffnen und die Einzahlungen ab nächster Steuerperiode dorthin umlenken. Es ist keine grosse Sache: das Online-Konto ist in zehn Minuten eröffnet, und die Wirkung in zehn Jahren ist substanziell.

Konkreter nächster Schritt

Eröffnen Sie diese Woche ein zweites oder drittes 3a-Konto bei einem anderen Anbieter und schichten Sie die nächste Jahreseinzahlung dorthin um. Zehn Minuten Aufwand, fünfstellige Steuerersparnis am Ende des Erwerbslebens.

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