Kassenobligationen galten lange als das langweiligste Produkt im Sparheft-Universum. Jahrelang gab es darauf praktisch nichts, und wer sein Geld einfach liegen liess, war beim Sparkonto fast gleich gut bedient. 2026 sieht das Bild anders aus: Mit Zinsen zwischen 0.8 und 1.6 Prozent über die ganze Laufzeitenkurve sind Kassenobligationen wieder ein ernst zu nehmender Baustein für planbares passives Einkommen. Vor allem dann, wenn man sie nicht einzeln kauft, sondern als Leiter strukturiert.
Was eine Zinsleiter ist – und warum sie funktioniert
Eine Zinsleiter (englisch Bond Ladder) ist eine Technik, die ursprünglich aus dem angelsächsischen Anleihen-Markt stammt. Die Idee: Statt einen grossen Betrag auf eine einzige Laufzeit zu setzen, verteilt man das Kapital auf mehrere Tranchen mit gestaffelten Verfallterminen. Jedes Jahr läuft eine Tranche aus, das frei werdende Kapital wird in die längste Stufe der Leiter wieder investiert.
In der Schweiz lässt sich das mit Kassenobligationen besonders sauber bauen, weil Banken wie die Raiffeisen, ZKB, Postfinance oder Migros Bank Laufzeiten von zwei bis acht Jahren standardmässig im Angebot haben. Eine klassische Acht-Jahres-Leiter mit acht Tranchen kostet keine Depotgebühr, hat keine Stückzinsen-Logik und bringt jedes Jahr eine fällige Rückzahlung.
Der entscheidende Effekt: Nach dem ersten vollen Durchlauf erhält man jedes Jahr den Durchschnittszins der ganzen Leiter, nicht den aktuellen Tagessatz. Das glättet Zinsschwankungen erheblich. Zinssenkungen wirken nur gedämpft, Zinserhöhungen werden Schritt für Schritt mitgenommen.
Aufbau einer Leiter mit CHF 80’000
Das Standard-Setup teilt das Kapital gleichmässig auf acht Tranchen. Bei CHF 80’000 sind das also acht Kassenobligationen zu je CHF 10’000 mit Laufzeiten von einem bis acht Jahren. Eine typische Zinskurve einer mittleren Schweizer Bank sieht 2026 ungefähr so aus: zwei Jahre 0.85 Prozent, drei Jahre 1.05 Prozent, vier Jahre 1.20 Prozent, fünf Jahre 1.30 Prozent, sechs Jahre 1.40 Prozent, sieben Jahre 1.50 Prozent, acht Jahre 1.55 Prozent.
Wer das durchrechnet, kommt im stationären Zustand auf einen Durchschnittsertrag von etwas mehr als 1.2 Prozent jährlich – auf CHF 80’000 also gut CHF 960 Zinsen pro Jahr, ausbezahlt am Jahrestag der jeweiligen Tranche. Vermögenssteuer fällt auf den Wert der Obligation an, Einkommenssteuer auf den Zinsertrag. Die Verrechnungssteuer von 35 Prozent wird vollständig zurückerstattet, sofern man die Zinserträge in der Steuererklärung deklariert.
Wichtig: Im Vergleich zu einem Mittelfrist-Anleihen-ETF gibt es kein Kursrisiko, weil Kassenobligationen zum Nominalwert zurückgezahlt werden. Sie werden allerdings auch nicht an der Börse gehandelt, eine vorzeitige Auflösung ist nur mit deutlichem Zinsabschlag möglich.
Welche Banken sich lohnen – und welche Fallstricke es gibt
Die Zinssätze sind über die letzten Monate auseinander gedriftet. Wer alle acht Tranchen bei derselben Bank kauft, bequemt sich teuer ein. Drei bis vier Anbieter zu kombinieren ist sinnvoll – auch wegen der Einlagensicherung von CHF 100’000 pro Bank. Wer mehr als diesen Betrag anlegt, sollte die Streuung sogar erzwingen.
Praktisch ist es, eine Übersichtstabelle mit den aktuellen Konditionen zu führen. Plattformen wie moneyland.ch oder comparis.ch zeigen die Sätze tagesaktuell, aber zwei manuelle Stichproben direkt bei den Banken pro Quartal lohnen sich: Aktionszinsen werden oft nicht in die Vergleichsportale gespeist. Im April 2026 boten die Genossenschaftsbanken aktuell bis zu 1.65 Prozent für sieben Jahre für Neukunden mit einem Privatkonto-Abschluss.
Wer schon Sparkonten bei zwei Banken hat, kann mit dem bereits vorhandenen Verhältnis starten und die Leiter über sechs bis zwölf Monate aufbauen, anstatt alle acht Tranchen an einem Tag zu setzen.
Wann sich die Leiter lohnt – und wann eher nicht
Eine Kassenobligationen-Leiter ist kein Renditeoptimierer. Sie schlägt weder dividendenstarke Aktien noch einen breit gestreuten ETF über lange Zeiträume. Sie hat aber drei Stärken, die für Schweizer zwischen 45 und 60 oft wichtiger sind: Kapitalerhalt, planbare Einkommensströme und null Kursrisiko in der Bilanz.
Für den Teil des Vermögens, der in den nächsten zehn Jahren als Notgroschen, Eigenmittel oder Liquiditätsreserve dient, ist sie deutlich besser als das Sparkonto. Wer Geld mit einem Anlagehorizont von 15 Jahren plus hat, sollte daneben einen ETF-Sparplan laufen lassen – die Leiter ist die ruhige Mitte zwischen Sparen und Investieren, nicht der Ersatz für die Aktienquote. Mehr dazu im Artikel zu Crowdlending mit Lend und Cashare, wo wir das Risiko-Rendite-Spektrum für Schweizer Anleger weiter aufgespannt haben.
Fazit
Wer 2026 in der Schweiz nach passivem Einkommen sucht, sollte die Kassenobligationen-Leiter zumindest auf dem Radar haben. Sie ist langweilig, sie ist nicht spektakulär – und genau das macht sie für den planbaren Teil des Portfolios wertvoll. Der konkrete erste Schritt: Bei der eigenen Hausbank die aktuelle Zinskurve abrufen und eine Tranche mit fünf Jahren testweise abschliessen. Die restlichen sieben Stufen kann man entspannt über das nächste halbe Jahr nachziehen.