Finanzen

Aktiensparpläne ab CHF 50: Neo-Broker Schweiz 2026

Wer in der Schweiz nach passivem Einkommen sucht, denkt oft zuerst an Immobilien oder Dividenden-ETFs mit grossen Einmaleinlagen. Doch die wirklich entscheidende Mechanik beim Vermögensaufbau ist nicht die Höhe der ersten Einzahlung, sondern die Regelmässigkeit. Aktiensparpläne sind 2026 in der Schweiz endlich auch für Kleinanleger attraktiv geworden. Mit Anbietern wie Selma, Inyova, finpension oder True Wealth lassen sich monatliche Beträge ab CHF 50 automatisch in breit diversifizierte Aktien- und Anleihen-Portfolios investieren, ohne dass jedes Mal eine eigene Order ausgelöst werden muss.

Warum Sparpläne erst jetzt funktionieren

Bis vor wenigen Jahren waren die Gebühren bei klassischen Schweizer Banken so hoch, dass sich monatliche Einzahlungen unter CHF 500 schlicht nicht rechneten. Eine Kauforder von CHF 100 mit CHF 9 Gebühr entspricht einer Anfangsbelastung von neun Prozent – Renditen aus dem Markt von durchschnittlich sechs bis acht Prozent pro Jahr wurden so im ersten Jahr komplett aufgefressen. Mit der Generation der Neo-Broker und Vermögensverwalter hat sich das Bild gewandelt. Verwaltungsgebühren liegen heute zwischen 0,39 und 0,75 Prozent pro Jahr, und der Kauf selbst kostet meist gar nichts mehr extra. Damit funktioniert auch ein Sparplan von CHF 50 oder CHF 100, weil die Gebühr nicht mehr fix pro Trade anfällt, sondern als prozentualer Anteil am Gesamtportfolio.

Ein zweiter Punkt ist die Automatisierung: Der Dauerauftrag vom Lohnkonto wird einmal eingerichtet, die Plattform investiert nach festgelegter Strategie und übernimmt das Rebalancing. Wer den «Sparen-Knopf» einmal gedrückt hat, muss ihn praktisch nie wieder berühren.

Selma, Inyova, finpension und True Wealth im Vergleich

Die vier prominentesten Schweizer Anbieter haben unterschiedliche Stärken. Selma Finance ist mit rund 0,68 Prozent pro Jahr (alles inklusive) ein klassischer Robo-Advisor, der ein an die persönliche Risikobereitschaft angepasstes Portfolio aus ETFs erstellt. Wer keine Lust auf Detailauswahl hat, ist hier richtig. Inyova geht einen Schritt weiter: Es lassen sich Themen wie Klimaschutz, Gleichstellung oder Schweizer Wirtschaft auswählen, das Portfolio besteht aus Einzelaktien. Die Gebühr von 1,2 Prozent ist höher, dafür ist die Strategie individueller. Finpension bietet seit 2024 auch ausserhalb der Säule 3a Sparpläne mit den hauseigenen Indexfonds – die Pauschalgebühr von 0,39 Prozent ist Schweizer Spitze. True Wealth kombiniert klassische ETF-Portfolios mit einer Pauschalgebühr von 0,5 Prozent und ist besonders bei mittleren bis grösseren Vermögen attraktiv.

Wichtig: Alle vier Anbieter sind FINMA-reguliert und nutzen das Schweizer Depot- und Einlegerschutzsystem. Aktien gehören auch im Insolvenzfall dem Anleger und werden nicht Teil der Konkursmasse.

Was passives Einkommen wirklich bedeutet

In der klassischen Definition fliesst aus passivem Einkommen regelmässig Geld zurück, etwa durch Dividenden oder Mieteinnahmen. Bei thesaurierenden ETFs werden diese Ausschüttungen jedoch reinvestiert – das «Einkommen» wird also nicht ausgezahlt, sondern erhöht den Anteilswert. Wer tatsächlich monatlich oder jährlich Geld auf das Konto fliessen sehen möchte, sollte auf ausschüttende ETFs setzen und die Anbieter danach filtern. Selma und True Wealth bieten ausschüttende Varianten an, finpension arbeitet primär thesaurierend, Inyova schüttet die Dividenden der Einzelaktien direkt aus.

Steuerlich macht das in der Schweiz übrigens kaum einen Unterschied: Auch thesaurierte Dividenden müssen als Ertrag deklariert werden. Wer die Steuererklärung vereinfachen will, sollte das eVD (elektronisches Vermögensverzeichnis) seiner kantonalen Steuerverwaltung nutzen – die meisten Anbieter liefern einen vorausgefüllten Auszug.

Wie viel kommt am Ende heraus?

Ein Beispiel mit konservativen Annahmen: Wer 15 Jahre lang monatlich CHF 300 investiert und vier Prozent reale Rendite erzielt (also nach Inflation), landet bei rund CHF 75 000 angespartem Kapital. Bei einer Ausschüttungsrendite von zwei bis drei Prozent ergibt das CHF 1500 bis 2250 pro Jahr passives Einkommen – nicht weltbewegend, aber eine spürbare Ergänzung zur Säule 3a. Wer in der ersten Hälfte der zweiten Lebenshälfte startet (also mit 45 bis 50), kann seine Beiträge gestaffelt erhöhen, sobald Hypothek und Kinder den Cashflow freigeben.

Eine passende Ergänzung bietet der Beitrag zu Schweizer Immobilienfonds und Agio, wenn das Portfolio später um Sachwerte erweitert werden soll.

Fazit

Aktiensparpläne sind 2026 das niederschwelligste Instrument für den Aufbau eines passiven Einkommensstroms in der Schweiz. Der entscheidende Schritt ist nicht die Anbieterwahl, sondern der Dauerauftrag – einmal eingerichtet, läuft alles von allein. Wer heute CHF 100 pro Monat investiert und nach fünf Jahren erhöht, schafft sich ein Fundament, das mit den klassischen Säulen 1, 2 und 3a sauber harmoniert. Beste Zeit zum Start: vor dem nächsten Lohneingang.

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