Apotheke

Medikamente und Sonne: Photosensibilisierung

Es ist Hochsommer, die Sonne brennt – und plötzlich reagiert die Haut, obwohl man sich eingecremt hat. Nach kurzer Zeit im Freien zeigen sich Rötungen, Juckreiz, manchmal Blasen, oft an Stellen, die kaum in der Sonne waren. Was wie ein rätselhafter Sonnenbrand aussieht, hat häufig eine unerwartete Ursache: ein Medikament, das die Haut lichtempfindlich macht. Die Apotheke ist der richtige Ort, um dieses Zusammenspiel zu erkennen, bevor es zum Problem wird.

Wenn das Medikament die Haut lichtempfindlich macht

Photosensibilisierung bedeutet, dass ein Wirkstoff die Haut überempfindlich auf UV-Licht reagieren lässt. Der Mechanismus: Der Stoff lagert sich in die Hautschichten ein und reagiert dort mit dem Sonnenlicht. Das kann zwei Formen annehmen. Bei der phototoxischen Reaktion – der häufigeren – entsteht eine überschiessende, sonnenbrandartige Rötung schon bei geringer UV-Dosis. Bei der selteneren photoallergischen Reaktion bildet der Körper eine immunologische Antwort, die sich als ekzemartiger, juckender Ausschlag zeigt und auch auf nicht besonnte Areale übergreifen kann.

Erstaunlich ist die Zahl: Für rund 400 Wirkstoffe ist ein photosensibilisierendes Potenzial beschrieben. Betroffen ist also keine exotische Randgruppe von Medikamenten, sondern ein breites Spektrum, das viele Menschen im Alltag einnehmen.

Welche Wirkstoffe besonders betroffen sind

Zu den klinisch bedeutsamsten Gruppen zählen bestimmte Antibiotika – allen voran Tetracycline und Fluorchinolone –, entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR, Entwässerungsmittel und Blutdrucksenker. Als häufigster einzelner Auslöser gilt das Diuretikum Hydrochlorothiazid, das in vielen Blutdruckpräparaten steckt. Auch bestimmte Antidepressiva gehören dazu, und selbst ein pflanzliches Mittel spielt mit: Johanniskraut, oft zur Stimmungsaufhellung eingenommen, wirkt ebenfalls photosensibilisierend.

Die Reaktionen sind nicht immer harmlos. Tetracycline und Fluorchinolone können unter Lichteinfluss eine Ablösung des Nagels vom Nagelbett auslösen, die sogenannte Photoonycholyse. Wer also unter einem dieser Präparate ungewöhnliche Haut- oder Nagelveränderungen bemerkt, sollte den Zusammenhang mit der Sonne im Hinterkopf behalten.

Was die Apotheke rät

Der wichtigste Grundsatz: Setzen Sie ein verdächtiges Medikament niemals eigenmächtig ab. Viele der betroffenen Wirkstoffe – Blutdrucksenker, Antibiotika, Antidepressiva – erfüllen eine wichtige Aufgabe, und ein abrupter Stopp kann gefährlicher sein als die Hautreaktion. Halten Sie stattdessen Rücksprache mit dem behandelnden Arzt, ob eine Alternative infrage kommt.

Bis dahin hilft konsequenter Schutz. Meiden Sie die pralle Mittagssonne, tragen Sie textilen Schutz und einen Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor, der auch den UVA-Bereich abdeckt – denn UVA ist bei Photoreaktionen oft der Treiber. Ein praktischer Tipp aus der Beratung: Präparate mit kurzer Wirkdauer lassen sich in Absprache mit dem Arzt oft auf den Abend legen, sodass die Wirkstoffkonzentration während der sonnenreichen Tagesstunden tiefer ist. Wie man den passenden Lichtschutzfaktor überhaupt auswählt, zeigt der Beitrag Sonnenschutz aus der Apotheke: LSF richtig wählen – bei photosensibilisierender Medikation gilt umso mehr: lieber eine Stufe höher greifen.

Tritt bereits eine Reaktion auf, gilt zunächst: raus aus der Sonne. Kühlende Umschläge lindern, gegen Entzündung und Juckreiz können kurzfristig topische Kortisonpräparate helfen. Grossflächige, blasige oder stark schmerzende Reaktionen gehören ärztlich abgeklärt.

Wer besonders aufpassen sollte

Ein erhöhtes Risiko tragen Menschen, die dauerhaft mehrere Medikamente einnehmen – etwa ältere Personen mit Bluthochdruck, die häufig gleich eine Kombination aus Diuretikum und Blutdrucksenker erhalten. Auch wer im Sommer viel draussen ist, sei es bei der Gartenarbeit, im Freibad oder in den Bergen, kommt schneller an die kritische UV-Dosis. Und Reisende, die für die Ferien ein neues Antibiotikum oder ein Malariamittel mitnehmen, sollten den Beipackzettel gezielt nach dem Stichwort Lichtempfindlichkeit absuchen.

Hilfreich ist ein einfacher Reflex: Wer im Sommer ein neues Rezept einlöst, fragt in der Apotheke einmal aktiv nach der Sonnenverträglichkeit. Dieser eine Satz kostet nichts und erspart im besten Fall eine schmerzhafte Hautreaktion mitten in den Ferien.

Fazit

Nicht jeder Sonnenbrand ist ein gewöhnlicher Sonnenbrand. Wer ein neues Medikament einnimmt und im Sommer plötzlich überempfindlich auf Licht reagiert, sollte den Zusammenhang prüfen lassen – am schnellsten in der Apotheke, wo die gesamte Medikation samt rezeptfreier Präparate und pflanzlicher Mittel überblickt werden kann. Der beste Schutz ist Vorbeugung: Fragen Sie beim Bezug eines neuen Präparats aktiv nach, ob es die Haut lichtempfindlich macht. Dann bleibt der Sommer, was er sein soll – unbeschwert.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung im Einzelfall.

Blog: https://www.coremind.ch/wordpress/ · Autor: Mike Neuburger

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