Viele Home-Assistant-Nutzer kennen input_number – den Schieberegler-Helfer, den man selbst anlegt, um Werte in HA zu speichern. Deutlich seltener genutzt, aber oft mächtiger ist die number-Entität: Sie ist kein interner Helfer, sondern ein direkter Draht zu einem echten Geräteparameter. Lüftergeschwindigkeit, Empfindlichkeit eines Präsenzmelders, Bewässerungsdauer, Countdown eines Heizlüfters – alles Werte, die im Gerät stecken und die Sie über eine number-Entität nicht nur anzeigen, sondern per Automation verändern können. Damit lassen sich Geräte situativ nachregeln, statt sie stur ein- und auszuschalten.
Die Idee: Parameter statt nur Zustand
Der Unterschied ist grundlegend. Ein switch kennt an und aus, eine number kennt einen ganzen Wertebereich mit Minimum, Maximum und Schrittweite. In meinem Setup liefern etliche Geräte solche Entitäten mit, ohne dass ich etwas konfigurieren musste: number.zhimi_mb3_b2e5_favorite_fan_level steuert die bevorzugte Lüfterstufe meines Xiaomi-Luftreinigers, number.water_control_water_control_watering_duration die Bewässerungsdauer des Gardena-Ventils, und die Empfindlichkeit meines mmWave-Präsenzmelders hängt an number.tze200_kb5noeto_ts0601_empfindlichkeit_der_bewegungserkennung.
Der Clou: Diese Werte sind nicht in Stein gemeisselt. Was tagsüber richtig ist, kann nachts falsch sein. Genau dort setzt die Automation an.
Ein kurzer Hinweis zur Abgrenzung: Nicht jede number-Entität ist auch beschreibbar. Manche Integrationen bilden reine Messwerte als number ab, andere als sensor. Als Faustregel gilt: Zeigt HA in der Detailansicht einen bedienbaren Schieberegler, können Sie den Wert setzen. Erscheint der Wert nur als Anzeige, ist er schreibgeschützt und taugt nur zum Auslesen – dann brauchen Sie einen anderen Weg, um das Gerät zu beeinflussen.
Schritt für Schritt
Zuerst identifizieren Sie die passende Entität. Öffnen Sie Entwicklerwerkzeuge → Zustände und filtern Sie nach number.. Notieren Sie sich die Entitäts-ID sowie die Attribute min, max und step – sie legen fest, welche Werte überhaupt erlaubt sind. Ein Wert ausserhalb dieses Bereichs wird ignoriert.
Setzen lässt sich ein Wert manuell über Entwicklerwerkzeuge → Aktionen mit der Aktion number.set_value. Damit testen Sie gefahrlos, bevor Sie automatisieren:
action: number.set_value
target:
entity_id: number.zhimi_mb3_b2e5_favorite_fan_level
data:
value: 3
YAML-Beispiele
Das erste Beispiel dreht den Luftreiniger auf, wenn die Feinstaubwerte meines VINDSTYRKA-Sensors steigen, und wieder herunter, sobald die Luft sauber ist:
alias: Luftreiniger nach Feinstaub regeln
triggers:
- trigger: numeric_state
entity_id: sensor.vindstyrka_pm25
above: 35
id: schmutzig
- trigger: numeric_state
entity_id: sensor.vindstyrka_pm25
below: 15
id: sauber
actions:
- choose:
- conditions:
- condition: trigger
id: schmutzig
sequence:
- action: number.set_value
target:
entity_id: number.zhimi_mb3_b2e5_favorite_fan_level
data:
value: 5
- conditions:
- condition: trigger
id: sauber
sequence:
- action: number.set_value
target:
entity_id: number.zhimi_mb3_b2e5_favorite_fan_level
data:
value: 1
Das zweite Beispiel senkt nachts die Empfindlichkeit des Präsenzmelders, damit er nicht auf jede Katzenbewegung anspringt, und stellt sie morgens zurück:
alias: mmWave-Empfindlichkeit Tag/Nacht
triggers:
- trigger: time
at: "23:00:00"
id: nacht
- trigger: time
at: "07:00:00"
id: tag
actions:
- action: number.set_value
target:
entity_id: number.tze200_kb5noeto_ts0601_empfindlichkeit_der_bewegungserkennung
data:
value: "{{ 3 if trigger.id == 'nacht' else 7 }}"
Damit die Werte auch im Blick bleiben, gehören sie aufs Dashboard. Eine schlichte entities-Karte reicht und macht jeden Parameter direkt per Schieberegler bedienbar:
type: entities
title: Feinjustierung
entities:
- entity: number.zhimi_mb3_b2e5_favorite_fan_level
name: Luftreiniger-Stufe
- entity: number.water_control_water_control_watering_duration
name: Bewässerungsdauer
Stolpersteine
Zwei Dinge kosten erfahrungsgemäss Zeit. Erstens: Nach einem Neustart oder bei Funkgeräten kann eine number-Entität kurz unavailable sein – fangen Sie das in kritischen Automationen mit einer Bedingung ab, sonst läuft die Aktion ins Leere. Zweitens: Respektieren Sie min, max und step. Ein Template, das einen ungültigen Wert erzeugt, führt seit Home Assistant 2026.7 zu einer sauberen Fehlermeldung im numerischen Trigger – nützlich zur Diagnose, aber die Automation greift dann eben nicht.
Wer die Empfindlichkeit seines Präsenzmelders ohnehin sauber einstellen will, findet die Grundlagen dazu im Beitrag zu mmWave-Präsenz sauber tunen mit ZHA und Tuya – die number-Automation ist die logische Fortsetzung, sobald die Basiswerte stimmen.
Fazit
number-Entitäten heben Ihre Automationen von «an oder aus» auf «wie viel». Sobald Sie anfangen, Lüfterstufen, Empfindlichkeiten und Zeitdauern kontextabhängig nachzuregeln, fühlt sich das Zuhause spürbar intelligenter an – nicht weil mehr passiert, sondern weil das Richtige im richtigen Mass passiert. Schauen Sie einmal in die Zustandsliste, wie viele number.-Entitäten Ihre Geräte schon mitbringen. Die meisten davon schlummern ungenutzt.
Blog: https://www.coremind.ch/wordpress/ · Autor: Mike Neuburger