Home Assistant

Luftzirkulator in HA: Nachtluft clever verteilen

Im Sommer 2026 kennt jeder das Spiel: Tagsüber staut sich die Hitze unterm Dach, und erst nach Mitternacht wird die Aussenluft angenehm kühl. Ein Luftzirkulator – anders als ein klassischer Ventilator bündelt er die Luft zu einem gerichteten Strahl und wälzt ganze Räume um – ist das ideale Werkzeug, um diese kühle Nachtluft dorthin zu befördern, wo sie gebraucht wird. Das Problem: Von Hand ein- und ausschalten verpasst man regelmässig. Genau das übernimmt Home Assistant, indem der Zirkulator nur dann läuft, wenn draussen tatsächlich kühlere Luft zur Verfügung steht als drinnen.

Die Idee: nach Temperaturdifferenz statt nach Uhrzeit

Eine reine Zeitschaltung («ab 23 Uhr an») ist ungenau, weil warme Nächte und Kaltfronten sich nicht an die Uhr halten. Deutlich intelligenter ist es, die Innentemperatur eines heissen Raums mit der Aussentemperatur zu vergleichen und den Zirkulator nur laufen zu lassen, wenn es draussen spürbar kühler ist. So bläst er nie warme Luft ins Haus und schaltet automatisch ab, sobald sich die Temperaturen angeglichen haben.

Als Datengrundlage dienen zwei vorhandene Sensoren: ein Innensensor im heissen Dachzimmer (sensor.dachzimmer_temperatur) und ein Aussensensor (sensor.eve_weather_20ebs9901_temperatur). Achten Sie darauf, dass der Aussensensor im Schatten und nicht an einer aufgeheizten Hauswand sitzt – sonst meldet er tagsüber falsche Werte und die Automation zögert. Die Differenz macht ein Template-Sensor sichtbar:


# configuration.yaml – Auszug
template:
  - sensor:
      - name: "Temperaturdelta Dach aussen"
        unique_id: temp_delta_dach_aussen
        unit_of_measurement: "°C"
        state_class: measurement
        state: >
          {{ (states('sensor.dachzimmer_temperatur') | float(0)
              - states('sensor.eve_weather_20ebs9901_temperatur') | float(0))
              | round(1) }}

Ein positiver Wert bedeutet: drinnen wärmer als draussen – jetzt lohnt sich das Zirkulieren.

Die Automation: einschalten, wenn Kühlen etwas bringt

Die folgende Automation startet den Zirkulator, sobald das Delta über 2 °C steigt, aber nur nachts und nur, wenn der Akku nicht fast leer ist. Der for-Block verhindert hektisches Schalten bei kurzen Schwankungen.


# automations.yaml
- alias: "Zirkulator Nachtkühlung ein"
  trigger:
    - platform: numeric_state
      entity_id: sensor.temperaturdelta_dach_aussen
      above: 2
      for: "00:05:00"
  condition:
    - condition: time
      after: "21:30:00"
      before: "06:30:00"
    - condition: numeric_state
      entity_id: sensor.circulator_fan_9c4b_batterie
      above: 20
    - condition: state
      entity_id: fan.circulator_fan_9c4b
      state: "off"
  action:
    - service: fan.turn_on
      target:
        entity_id: fan.circulator_fan_9c4b
      data:
        percentage: 66

Die passende Gegenautomation schaltet ab, wenn der Vorteil verschwindet oder der Akku zur Neige geht:


- alias: "Zirkulator Nachtkühlung aus"
  trigger:
    - platform: numeric_state
      entity_id: sensor.temperaturdelta_dach_aussen
      below: 0.5
      for: "00:10:00"
    - platform: numeric_state
      entity_id: sensor.circulator_fan_9c4b_batterie
      below: 15
  action:
    - service: fan.turn_off
      target:
        entity_id: fan.circulator_fan_9c4b

Feinschliff: Destratifikation und Akku im Blick

Ein Zirkulator kann mehr als Nachtluft holen. Weil warme Luft nach oben steigt, sammelt sie sich unter der Decke, während es am Boden kühler bleibt – gerade in hohen Räumen. Wer den Zirkulator tagsüber gelegentlich auf niedriger Stufe laufen lässt, durchmischt diese Schichten (Destratifikation) und empfindet den Raum als gleichmässiger temperiert, ohne die Klimaanlage zu bemühen.

Damit die kühle Luft überhaupt ankommt, zählt die Platzierung: Der Zirkulator sollte am geöffneten Fenster stehen und die Aussenluft in den Raum ziehen oder die warme Raumluft gezielt hinausdrücken – ein durchdachter Querzug bringt mehr als blosses Umwälzen im geschlossenen Zimmer. Da das Gerät im Akkubetrieb läuft, lohnt eine kleine Warnung, bevor es unvermittelt stehenbleibt:


- alias: "Zirkulator Akku schwach"
  trigger:
    - platform: numeric_state
      entity_id: sensor.circulator_fan_9c4b_batterie
      below: 20
  action:
    - service: notify.mobile_app_mikes_iphone_17_pro
      data:
        title: "Luftzirkulator"
        message: >
          Akku bei {{ states('sensor.circulator_fan_9c4b_batterie') }} % –
          zum Laden andocken.

Ein Blick lohnt auch auf die verwandte Logik der Taupunkt-Steuerung in HA: Nachtkühlung smart: Statt nur der Temperatur bezieht sie die Luftfeuchtigkeit mit ein und verhindert, dass feuchte Nachtluft ins Haus gelangt – die ideale Ergänzung zum reinen Temperaturvergleich.

Fazit

Mit zwei Temperatursensoren, einem Template-Delta und zwei schlanken Automationen wird aus einem simplen Akku-Zirkulator ein selbstständiger Nachtkühler, der genau dann arbeitet, wenn es etwas bringt – und schweigt, wenn nicht. Kein Drauflos-Rauschen, kein leergesaugter Akku, keine warme Luft im Haus. Starten Sie mit dem Delta-Sensor, beobachten Sie ein, zwei Nächte die Werte im Verlauf und justieren Sie die Schwellen an Ihr Haus. Der Rest läuft von allein.

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