Der IKEA VINDSTYRKA war 2023 als 50-Franken-Luftqualitätsmesser angetreten – seither hat er sich still und leise zum Liebling der Home-Assistant-Community entwickelt. Über DIRIGERA oder via Zigbee2MQTT/ZHA liefert er alle paar Sekunden PM2.5, tVOC-Index, Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Das genügt, um nicht nur ein Dashboard zu füllen, sondern echte Automationen zu bauen, die spürbar etwas am Raumklima ändern.
Was das Gerät kann – und was nicht
VINDSTYRKA misst PM2.5 mit einem ordentlichen Sensor (Sensirion SEN54, je nach Charge SEN55), kombiniert mit Temperatur- und Feuchte-Messung. Der tVOC-Wert ist ein Index von 0 bis 500 nach VDA-Skalierung – kein absoluter Wert, sondern eine relative Bewegung. Das ist wichtig zu verstehen: Der Sensor «lernt» seine Basis und reagiert auf Veränderungen. Ein konstantes Lüften nach dem Kochen ist daher genauso wertvoll wie ein einmaliger Schwellwert-Alarm.
Über die DIRIGERA-Integration erscheinen in HA mehrere Entitäten, typischerweise: sensor.vindstyrka_pm25, sensor.vindstyrka_voc_index, sensor.vindstyrka_temperature, sensor.vindstyrka_humidity. Wer den Sensor via Zigbee2MQTT einbindet, bekommt zusätzlich sensor.vindstyrka_air_quality mit einer 1–5-Stufenwertung – praktisch für Dashboards, weniger geeignet für Schwellwert-Logik.
Schritt 1: Schwellwert-Alarm für PM2.5
Die WHO-Richtlinie (2021) liegt bei 15 µg/m³ für PM2.5 als 24-Stunden-Mittel. Innenraumluft schwankt stark – beim Anbraten in der offenen Küche erreicht man schnell 200 µg/m³. Eine sinnvolle Automation pusht ab 35 µg/m³ über mehr als zehn Minuten:
alias: PM2.5 Warnung Wohnzimmer
trigger:
- platform: numeric_state
entity_id: sensor.vindstyrka_pm25
above: 35
for: "00:10:00"
condition:
- condition: time
after: "07:00:00"
before: "23:00:00"
action:
- service: notify.mobile_app_iphone
data:
title: "Luftqualität schlecht"
message: >
PM2.5 bei {{ states('sensor.vindstyrka_pm25') }} µg/m³.
Fenster öffnen oder Luftreiniger einschalten.
Die for-Bedingung verhindert Fehlalarme bei kurzen Spitzen. Die Tagesbedingung unterdrückt Pushes in der Nacht, wenn ohnehin niemand reagiert.
Schritt 2: Luftreiniger automatisch hochfahren
Der spannende Teil ist die Verknüpfung mit einem Luftreiniger. Wenn ein Xiaomi Mi Air Purifier oder Philips Smart-Modell in HA hängt, lässt sich der Lüfter schrittweise hochregeln, sobald die Luft kippt. Das funktioniert mit drei Stufen:
alias: Luftreiniger nach PM2.5 steuern
trigger:
- platform: state
entity_id: sensor.vindstyrka_pm25
action:
- choose:
- conditions:
- condition: numeric_state
entity_id: sensor.vindstyrka_pm25
above: 50
sequence:
- service: fan.set_preset_mode
target:
entity_id: fan.luftreiniger_wohnzimmer
data:
preset_mode: "Favorite"
- service: fan.set_percentage
target:
entity_id: fan.luftreiniger_wohnzimmer
data:
percentage: 100
- conditions:
- condition: numeric_state
entity_id: sensor.vindstyrka_pm25
above: 25
sequence:
- service: fan.set_percentage
target:
entity_id: fan.luftreiniger_wohnzimmer
data:
percentage: 60
default:
- service: fan.set_percentage
target:
entity_id: fan.luftreiniger_wohnzimmer
data:
percentage: 30
Wer eine Wärmepumpe mit kontrollierter Wohnraumlüftung hat, kann statt eines Luftreinigers den Boost-Modus der KWL anwerfen. Ein passender Anknüpfungspunkt ist unser Artikel zu Mi Air Purifier pollen-gesteuert – die Logik lässt sich eins zu eins für VOC oder PM2.5 übernehmen.
Schritt 3: tVOC-Trend visualisieren
Der VOC-Index zeigt seine Stärke im Verlauf. Eine Mushroom-Karte mit Sparkline macht das alltagstauglich. Für Trends auf längere Sicht eignet sich InfluxDB plus Grafana, aber für eine schnelle HA-native Lösung genügt die apexcharts-card:
type: custom:apexcharts-card
graph_span: 24h
header:
show: true
title: VOC-Index Wohnzimmer
series:
- entity: sensor.vindstyrka_voc_index
name: VOC-Index
type: area
stroke_width: 2
yaxis:
- min: 0
max: 500
decimals: 0
Spannend wird der Vergleich des Verlaufs zwischen Wochentagen mit und ohne Kochen. Oft erkennt man auf dem Chart, dass eine bestimmte Pflege- oder Reinigungslotion verantwortlich für eine Spitze ist – ein Hinweis, der ohne kontinuierliche Messung schlicht nicht auffällt.
Was Sie aus 50 Franken Hardware lernen
Drei Dinge bleiben nach ein paar Wochen mit dem VINDSTYRKA hängen. Erstens: Lüften nach dem Kochen ist nicht optional – die PM2.5-Spitzen sind real, auch bei moderner Dunstabzugshaube. Zweitens: Schlafzimmer-Luft am Morgen ist VOC-mässig deutlich schlechter, als das Bauchgefühl vermuten lässt. Und drittens: Eine Sensor-getriebene Lüftungsstrategie ist wirksamer als jede Zeitschaltuhr.
Der nächste Sinnvoll-Schritt ist die Korrelation mit der Aussenluft-Messung (NABEL-API oder eigene Wetterstation): Wenn draussen die PM2.5-Belastung höher ist als drinnen, sollte die Automation nicht lüften, sondern filtern. Mit zwei einfachen numeric_state-Triggern und einem template-Sensor ist das in einer halben Stunde erledigt – und macht aus dem hübschen IKEA-Würfel ein echtes Werkzeug.
Tipp zum Platzieren: Der VINDSTYRKA misst, was um ihn herum passiert. Direkt neben dem Herd oder vor einem Fenster taugt er kaum als Raumindikator. Eine Höhe von rund 130 cm in zentraler Position, ein Meter Abstand zu Fenstern und Wärmequellen liefert die realistischsten Werte. Wer mehrere Räume überwacht, erhält für gut 150 Franken ein Drei-Sensor-Setup – günstiger als jeder Stand-alone-Monitor und nahtlos in HA integriert.