Kaum wird es im Sommer warm und feucht, sind sie wieder da: Mücken. In der Schweiz sind sie meist nur lästig, doch auf Reisen können Stechmücken auch Krankheiten übertragen. In der Apotheke stehen zahllose Sprays und Lotionen zur Auswahl – und die entscheidende Frage lautet fast immer: DEET oder Icaridin? Wer den Unterschied kennt, wählt gezielter und schützt sich, seine Kinder und Schwangere richtig.
Warum die Wahl des Wirkstoffs zählt
Repellentien wirken nicht, indem sie Mücken töten, sondern indem sie die Insekten irritieren und die Haut für sie «unsichtbar» machen. Entscheidend sind dabei drei Faktoren: der Wirkstoff, seine Konzentration und die Schutzdauer. Genau hier unterscheiden sich die Produkte deutlich – ein günstiges Spray aus dem Grossverteiler ist nicht automatisch so wirksam wie ein Präparat, das gezielt für eine Tropenreise ausgelegt ist.
In der Apotheke lohnt sich deshalb die Beratung. Wer nur im heimischen Garten sitzt, braucht einen anderen Schutz als jemand, der in ein Malariagebiet reist. Und für Kinder oder Schwangere gelten eigene Regeln, die man kennen sollte, bevor man zum stärksten verfügbaren Mittel greift.
DEET: der Goldstandard mit Einschränkungen
DEET, chemisch Diethyltoluamid, gilt als das wirksamste Repellent gegen ein breites Spektrum von Insekten. Es ist der bewährte Standard für Reisen in tropische Regionen, wo Mücken Krankheiten wie Malaria oder Dengue übertragen. Die Schutzdauer hängt stark von der Konzentration ab: Rund 20 Prozent schützen ein bis drei Stunden, 30 Prozent bis zu sechs Stunden, hochkonzentrierte Produkte mit 50 Prozent noch länger.
Die Kehrseite: DEET dringt über die Haut in den Körper ein und kann Nebenwirkungen haben. Es greift ausserdem Kunststoffe an – Brillengestelle, Uhrenbänder oder Kunstfasern können Schaden nehmen. Für Schwangere und Stillende sowie für Kinder unter drei Jahren wird von DEET generell abgeraten. Wer es verwendet, sollte es sparsam auftragen, den Kontakt mit Augen und Schleimhäuten meiden und es nach der Rückkehr wieder abwaschen.
Icaridin: der verträgliche Allrounder
Icaridin, auch als Picaridin bekannt, ist die modernere Alternative und für viele Alltagssituationen die bessere Wahl. Es schützt bei ausreichender Konzentration ähnlich zuverlässig wie DEET gegen einheimische Mücken und Zecken, ist dabei aber hautfreundlicher, geruchsärmer und greift Kunststoffe nicht an. Die Schutzdauer liegt je nach Konzentration zwischen vier und acht Stunden.
Der grosse Vorteil betrifft empfindliche Gruppen: Für Schwangere und Stillende sind bei Icaridin keine Risiken bekannt, weshalb es hier meist bevorzugt empfohlen wird. Bei Kleinkindern gilt allerdings Zurückhaltung – Produkte mit Icaridin sollten bei Kindern unter zwei Jahren nicht verwendet werden. Für den Schweizer Sommer, für Grillabende und Wanderungen ist Icaridin in vielen Fällen der vernünftige Kompromiss aus Wirksamkeit und Verträglichkeit. Wer trotz Schutz gestochen wurde, findet Linderung im Beitrag Insektenstiche: Was die Apotheke wirklich hilft.
Alternativen und richtige Anwendung
Neben den beiden Klassikern gibt es einen dritten Wirkstoff, der besonders sanft ist: IR3535 (Ethylbutylacetylaminopropionat). Die Weltgesundheitsorganisation stuft ihn in die niedrigste Gefährdungsklasse ein, er ist für Kinder, Schwangere und Stillende geeignet und lässt sich auch auf Kleidung anwenden. Seine Wirksamkeit gegen tropische Überträger ist allerdings geringer als bei DEET – für den heimischen Gebrauch ist er dagegen eine gute, hautverträgliche Option.
Unabhängig vom Wirkstoff entscheidet die richtige Anwendung über den Schutz. Das Mittel gleichmässig auf alle freien Hautstellen auftragen, Sonnencreme immer zuerst und das Repellent erst danach. Nach dem Schwimmen und bei starkem Schwitzen muss nachgelegt werden. Für Kleinkinder gilt: nicht auf die Hände auftragen, weil sie damit in Augen und Mund gelangen. Und bei Reisen in Risikogebiete gehört zum chemischen Schutz immer auch das Moskitonetz und lange, helle Kleidung.
Fazit
Die Wahl zwischen DEET und Icaridin ist keine Glaubensfrage, sondern hängt von der Situation ab. Für Fernreisen in Malariagebiete bleibt DEET der stärkste Schutz. Für den Schweizer Alltag, für Familien und für Schwangere ist Icaridin meist die verträglichere und trotzdem wirksame Wahl, während IR3535 die sanfteste Option darstellt. Am besten fragt man in der Apotheke gezielt nach dem passenden Wirkstoff und der richtigen Konzentration für das eigene Reiseziel. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle medizinische Beratung, gibt aber die nötige Orientierung für ein informiertes Gespräch am Apothekentresen.