Eine Wärmepumpe arbeitet am effizientesten, wenn sie lange, ruhige Läufe fährt. Schaltet der Verdichter dagegen ständig ein und aus, spricht man von «Takten» – und das ist Gift für Effizienz und Lebensdauer. Jeder Start belastet den Verdichter, treibt den Stromverbrauch hoch und verschlechtert die Jahresarbeitszahl. Das Tückische: Ohne Messung merkt man es kaum. Mit Home Assistant lässt sich die Taktung sauber zählen, sichtbar machen und bei Auffälligkeiten melden – ganz ohne Cloud, nur mit Bordmitteln.
Die Idee: Starts pro Tag zählen
Die Grundlage ist ein binary_sensor, der anzeigt, ob der Verdichter gerade läuft – bei meiner Stiebel-/CTA-Anlage ist das binary_sensor.cta_verdichter_aktiv. Jeder Wechsel von off nach on ist ein Start. Diese Starts zählen wir über einen Tag und vergleichen die Summe mit einem Erfahrungswert. Als grobe Faustregel gilt: Mehr als etwa drei Starts pro Stunde im Dauerbetrieb deuten auf Taktung hin; über den Tag summiert sind hohe zweistellige Werte ein Warnsignal.
Zuerst legen wir einen Zähler an. Helfer lassen sich bequem über die Oberfläche erstellen, hier die YAML-Variante:
counter:
cta_verdichter_starts_heute:
name: CTA Verdichter Starts heute
initial: 0
step: 1
icon: mdi:heat-pump
Hochzählen und um Mitternacht zurücksetzen
Eine Automation erhöht den Zähler bei jedem Verdichterstart. Wichtig ist die for-Bedingung nicht nötig – wir wollen jede Flanke erfassen, aber gegen Sensor-Flattern hilft ein kurzes for, damit nur echte Starts zählen:
automation:
- alias: CTA Verdichter Start zählen
trigger:
- platform: state
entity_id: binary_sensor.cta_verdichter_aktiv
from: "off"
to: "on"
for:
seconds: 10
action:
- action: counter.increment
target:
entity_id: counter.cta_verdichter_starts_heute
Der Tageszähler braucht einen sauberen Schnitt um Mitternacht. Das übernimmt eine zweite Automation:
- alias: CTA Verdichter Startzähler reset
trigger:
- platform: time
at: "00:00:00"
action:
- action: counter.reset
target:
entity_id: counter.cta_verdichter_starts_heute
Takten erkennen und melden
Jetzt kommt der eigentliche Mehrwert: ein Template-Sensor, der bei zu vielen Starts auf on springt. So entsteht aus der reinen Zahl ein klares Ja/Nein-Signal, das sich auf dem Dashboard und in Automationen nutzen lässt:
template:
- binary_sensor:
- name: CTA Verdichter taktet stark
unique_id: cta_verdichter_taktet_stark
device_class: problem
state: >
{{ states('counter.cta_verdichter_starts_heute') | int(0) > 40 }}
icon: >
{% if is_state('binary_sensor.cta_verdichter_taktet_stark', 'on') %}
mdi:alert
{% else %}
mdi:check-circle
{% endif %}
Den Schwellenwert von 40 passen Sie an Ihre Anlage an – beobachten Sie ein paar typische Tage, bevor Sie ihn festzurren. Eine kurze Heizperiode im Übergang produziert naturgemäss mehr Starts als ein kalter Dauerfrosttag mit Durchlauf.
Zum Schluss eine Benachrichtigung, sobald die Schwelle reisst:
- alias: CTA Taktung Warnung
trigger:
- platform: state
entity_id: binary_sensor.cta_verdichter_taktet_stark
to: "on"
action:
- action: notify.mikes_iphone_17_pro
data:
title: "Wärmepumpe taktet"
message: >
Heute schon {{ states('counter.cta_verdichter_starts_heute') }}
Verdichterstarts – Heizkurve oder Pufferbetrieb prüfen.
Was die Zahl verrät
Häufige Ursachen für Takten sind eine zu hoch eingestellte Heizkurve, ein zu kleiner oder fehlender Pufferspeicher, überdimensionierte Leistung im Übergang oder hydraulisch abgesperrte Heizkreise. Der Tageszähler liefert keine Diagnose, aber einen verlässlichen Indikator: Sinkt die Zahl, nachdem Sie die Heizkurve abgesenkt oder einen Heizkreis geöffnet haben, war die Massnahme richtig.
Wer es genauer wissen will, ergänzt den Tageszähler um einen zweiten, der nur die Warmwasserladungen erfasst – denn auch die Brauchwasserbereitung erzeugt Verdichterstarts, die man vom reinen Heizbetrieb trennen sollte. So lässt sich erkennen, ob die Taktung tatsächlich aus der Heizung kommt oder bloss aus häufigen, kurzen Warmwasserzyklen. Ein zusätzlicher Template-Sensor, der die durchschnittliche Laufzeit pro Start berechnet, rundet das Bild ab: Kurze mittlere Laufzeiten sind das eigentliche Alarmsignal, nicht die Startzahl allein.
Richtig aussagekräftig wird das Ganze über die Zeit. Wer den Zählerstand langfristig protokolliert, erkennt Trends über Wochen und den Effekt jeder Einstellung schwarz auf weiss. Wie Sie solche Werte dauerhaft speichern und in schönen Grafana-Diagrammen auswerten, zeigt der Beitrag Langzeit-Logging in HA mit InfluxDB & Grafana.
Fazit
Mit einem Zähler, zwei Automationen und einem Template-Sensor verwandeln Sie das diffuse Bauchgefühl «die Pumpe läuft komisch» in eine harte, tagesaktuelle Kennzahl. Sie sehen sofort, ob Ihre Wärmepumpe ruhig durchläuft oder nervös taktet – und ob Ihre Optimierungen wirken. Beginnen Sie mit dem Mitzählen, sammeln Sie zwei, drei Wochen Daten und justieren Sie dann Schwelle und Heizkurve. Ihr Verdichter und Ihre Stromrechnung werden es Ihnen danken.