Zweistellige Renditen, monatlicher Zinsfluss, Einstieg ab wenigen hundert Franken: Plattformen wie Mintos und Bondora versprechen genau das, wovon viele beim Stichwort passives Einkommen träumen. Über das sogenannte Peer-to-Peer-Lending leiht man sein Geld letztlich Konsumentinnen und Kleinunternehmern in ganz Europa und kassiert dafür Zinsen, die ein Schweizer Sparkonto wie ein Relikt aussehen lassen. Doch hinter den glänzenden Zahlen steckt ein Risikoprofil, das man kennen muss, bevor der erste Franken fliesst.
So funktioniert das Modell
P2P-Lending bringt Kreditnehmer und Geldgeber direkt zusammen – die klassische Bank als Vermittlerin fällt weg. In der Praxis arbeiten Plattformen wie der lettische Marktführer Mintos aber mit sogenannten Kreditgebern zusammen: Kreditvermittler in Osteuropa und darüber hinaus vergeben Darlehen, bündeln sie und stellen Anteile davon auf der Plattform zum Investieren bereit. Sie als Anlegerin kaufen kleine Stücke vieler Kredite und erhalten Ihren Anteil an Zins und Tilgung zurück.
Bondora geht mit dem Produkt «Go & Grow» einen Schritt weiter und versteckt die Kreditauswahl komplett: Man zahlt ein, erhält einen pauschalen Zielzins und kann theoretisch täglich wieder aussteigen. Das wirkt fast wie ein Sparkonto – ist aber keines. Mintos weist aktuell eine durchschnittliche Nettorendite von rund elf Prozent pro Jahr aus, Bondoras «Go & Grow» liegt mit etwa sechs Prozent tiefer, dafür mit höherer gefühlter Flexibilität. Beide Zahlen sind Momentaufnahmen und keine Garantie.
Wo der Cashflow herkommt – und wo das Risiko sitzt
Der laufende Ertrag entsteht aus den Zinsen der unterliegenden Konsum- und Kleinkredite. Reinvestiert man die Rückflüsse automatisch, wirkt der Zinseszins; lässt man sie sich auszahlen, entsteht ein regelmässiger Einkommensstrom. Genau hier liegt der Reiz für alle, die nicht nur Vermögen aufbauen, sondern einen spürbaren monatlichen Cashflow erzeugen wollen.
Der Preis dafür ist ein Risiko, das in den vergangenen Jahren mehrfach reale Verluste produziert hat. Sie leihen Ihr Geld nicht dem Schweizer Staat, sondern Konsumenten und Kreditvermittlern in Ländern mit oft schwächerer Rechtsdurchsetzung. Fällt ein Kreditnehmer aus, greift bei manchen Krediten eine Rückkaufgarantie des Vermittlers – aber nur, solange dieser selbst zahlungsfähig ist. Gerät ein grosser Kreditgeber in Schieflage, kann ein Teil des Kapitals eingefroren werden oder ganz verloren gehen. Hinzu kommt das Währungsrisiko: Wer in Euro investiert, trägt das Wechselkursrisiko zum Franken, das die Rendite über Jahre auffressen kann.
Worauf Schweizer Anleger achten sollten
Praktisch gilt: Streuen Sie radikal. Ein einzelner Kredit darf nie ins Gewicht fallen – verteilen Sie kleine Beträge über möglichst viele Kredite, Länder und Kreditgeber. Behandeln Sie P2P-Lending als das, was es ist: eine hochverzinsliche, riskante Beimischung von vielleicht fünf Prozent des Vermögens, nicht als Ersatz für solide Anlagen oder den Notgroschen.
Steuerlich sind die Zinsen für Sie als in der Schweiz steuerpflichtige Person als Einkommen zu deklarieren – sowohl ausgeschüttete als auch automatisch reinvestierte Zinsen gehören in die Steuererklärung, und die Guthaben zählen zum steuerbaren Vermögen. Anders als reine Kapitalgewinne sind diese Zinserträge nicht steuerfrei. Lassen Sie sich die konkrete Behandlung im Zweifel von einer Fachperson bestätigen, gerade weil die Plattformen ausländisch sind und keine schweizgerechten Steuerbelege liefern.
Wer den Reiz regelmässiger Zinsen schätzt, aber näher an der Schweiz und der eigenen Sprache bleiben möchte, findet im heimischen Crowdlending eine Alternative mit anderem Risikoprofil. Wie sich damit ein Cashflow ab überschaubaren Beträgen aufbauen lässt, haben wir im Beitrag Crowdlending Schweiz 2026: Cashflow ab CHF 500 gezeigt.
Fazit
Mintos und Bondora machen eine Anlageklasse zugänglich, die früher institutionellen Investoren vorbehalten war, und die zweistelligen Zinsen sind real – aber sie sind die Bezahlung für ein echtes Verlustrisiko, nicht ein Gratis-Mittagessen. Wer das versteht, breit streut, nur Geld einsetzt, dessen Verlust er verkraften würde, und die Erträge sauber versteuert, kann P2P-Lending als kleinen, renditestarken Baustein nutzen. Starten Sie mit einem Testbetrag, beobachten Sie ein paar Rückzahlungszyklen, und erhöhen Sie erst, wenn Sie die Mechanik – und Ihre eigene Nervenstärke bei Ausfällen – aus eigener Erfahrung kennen.