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Utility Meter in HA: Verbrauch sauber zählen

Die meisten smarten Steckdosen und Energiemessgeräte – ob Eve Energy, Shelly Plus 1 PM oder ein myStrom-Schalter – liefern einen stetig wachsenden Zählerstand in Kilowattstunden. Das ist technisch korrekt, aber im Alltag unbrauchbar: Niemand will wissen, wie viel die Waschmaschine seit der Inbetriebnahme verbraucht hat. Interessant ist der Verbrauch pro Tag, pro Monat oder getrennt nach Hoch- und Niedertarif. Genau hier setzt der Utility-Meter-Helper an – ein oft unterschätztes Bordmittel von Home Assistant, das aus einem endlosen Zählerstand verständliche Perioden macht.

Das Problem mit rohen Zählerständen

Ein Sensor wie sensor.eve_energy_verbrauch zählt monoton nach oben: 142,7 kWh, 142,9 kWh, 143,1 kWh. Für eine Verbrauchsanalyse müsste man jeweils zwei Werte voneinander abziehen – am Monatsanfang und am Monatsende. Der Utility Meter nimmt einem genau diese Arbeit ab. Er beobachtet einen Quell-Sensor und bildet daraus einen neuen Zähler, der sich am Ende jeder Periode automatisch auf null zurücksetzt und den verbrauchten Betrag der abgelaufenen Periode als Attribut festhält.

Der grosse Vorteil: Der Helper arbeitet rein rechnerisch auf Basis vorhandener Daten und braucht keine zusätzliche Hardware. Er funktioniert mit jeder Quelle, die kumulierte Kilowattstunden, Kubikmeter Wasser oder Gas liefert.

Einrichtung über YAML

Am schnellsten geht die Einrichtung über die Oberfläche unter Einstellungen → Geräte & Dienste → Helfer. Wer mehrere Zähler sauber versioniert in der Konfiguration halten will, nutzt YAML. Ein einfacher Tageszähler für eine Steckdose sieht so aus:


utility_meter:
  waschmaschine_taeglich:
    source: sensor.eve_energy_verbrauch
    cycle: daily
  waschmaschine_monatlich:
    source: sensor.eve_energy_verbrauch
    cycle: monthly


Aus einem einzigen Quell-Sensor entstehen so zwei neue Entitäten, die täglich beziehungsweise monatlich zurückgesetzt werden. Soll die Monatsabrechnung nicht am Ersten, sondern passend zur Stromrechnung am 5. des Monats beginnen, hilft der Parameter offset:


    cycle: monthly
    offset:
      days: 4


Tarife und Netzbezug korrekt erfassen

Richtig stark wird der Helper bei zwei typischen Schweizer Anforderungen. Erstens die Tarifumschaltung: Viele Haushalte zahlen tagsüber Hochtarif und nachts Niedertarif. Der Utility Meter kann mehrere Tarife führen und per Service-Aufruf umschalten:


utility_meter:
  stromverbrauch:
    source: sensor.shelly_plus_1pm_verbrauch
    cycle: monthly
    tariffs:
      - hochtarif
      - niedertarif


Eine kleine Automation schaltet den aktiven Tarif zeitgesteuert um – etwa über den Dienst select.select_option auf die erzeugte Tarif-Entität, ausgelöst um 22:00 Uhr und um 06:00 Uhr. So landet jeder verbrauchte Kilowattstunde im richtigen Topf, und am Monatsende sehen Sie Hoch- und Niedertarif getrennt.

Zweitens der Netzbezug bei einer Photovoltaikanlage: Wer Strom sowohl bezieht als auch einspeist, aktiviert die Option net_consumption. Der Zähler darf dann auch negativ werden und bildet die Bilanz aus Bezug und Rücklieferung korrekt ab. Wichtig zu wissen: net_consumption und cycle schliessen sich gegenseitig aus – für die Netzbilanz braucht es also einen separat konfigurierten Zähler.

Die erzeugten Utility-Meter-Entitäten lassen sich anschliessend direkt im Energie-Dashboard von Home Assistant einbinden. Wie Sie eine Eve-Energy-Steckdose überhaupt erst sauber als Verbrauchsquelle ins Dashboard bringen, zeigt der Beitrag Eve Energy in HA: Verbrauch im Energie-Dashboard.

Robust über Neustarts und kleine Stolperfallen

Ein häufiges Missverständnis: Der Utility Meter speichert seinen Stand. Nach einem Neustart von Home Assistant zählt er korrekt weiter, statt bei null zu beginnen – die Werte werden im sogenannten Recorder persistiert. Wichtig ist allerdings, dass der Quell-Sensor seine Einheit nicht wechselt und keine sprunghaften Rücksetzer liefert. Manche Steckdosen melden nach einem Firmware-Update oder Stromausfall plötzlich einen niedrigeren Zählerstand; der Helper interpretiert das als Verbrauchssprung. Hier hilft die Option delta_values, wenn der Sensor bereits Differenzwerte statt eines kumulierten Zählerstands liefert.

Wer nicht nur Kilowattstunden, sondern auch Kosten sehen will, kombiniert den Monatszähler mit einem kleinen Template-Sensor, der den Verbrauch mit dem aktuellen Strompreis pro kWh multipliziert. So entsteht aus dem reinen Mengenzähler eine Frankenangabe, die im Dashboard sofort verständlich ist – besonders aussagekräftig, wenn Hoch- und Niedertarif getrennt mit ihren jeweiligen Preisen hinterlegt werden.

Fazit

Der Utility-Meter-Helper verwandelt nackte, immer weiter wachsende Zählerstände in genau die Zahlen, die im Alltag zählen: Verbrauch pro Tag, pro Monat, pro Tarif. Er kommt ohne zusätzliche Hardware aus, arbeitet rückwirkend auf vorhandenen Daten und fügt sich nahtlos ins Energie-Dashboard ein. Wer mehrere Verbraucher im Haushalt im Blick behalten will, legt am besten für jeden relevanten Sensor einen Tages- und einen Monatszähler an – und sieht nach wenigen Wochen erstmals schwarz auf weiss, welche Geräte wirklich ins Gewicht fallen. Das ist die Grundlage für jede fundierte Entscheidung über Lastverschiebung, Tarifwahl oder den Austausch alter Stromfresser.

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