Auf Ihrem Pensionskassenausweis steht jedes Jahr ein Prozentsatz, der mit zunehmendem Alter sprunghaft steigt: die Altersgutschrift. Sie ist der Motor, der Ihr Guthaben in der zweiten Säule aufbaut – und sie funktioniert nach einer fixen Staffel, die viele Versicherte nie hinterfragen. Wer versteht, wie diese Staffel tickt, trifft bessere Entscheidungen bei Pensum, Einkauf und Stellenwechsel.
Warum das Thema gerade jetzt zählt
Die im September 2024 an der Urne abgelehnte BVG-Reform sollte die Staffel eigentlich verflachen. Weil das Stimmvolk Nein gesagt hat, gilt weiterhin das alte, altersabhängige System. Für die Praxis heisst das: Die folgenden Sätze bleiben bis auf Weiteres die Grundlage Ihrer Altersvorsorge – und das hat Konsequenzen, gerade für ältere Arbeitnehmende auf dem Arbeitsmarkt. Mehr zum Ausgang der Abstimmung lesen Sie im Beitrag BVG-Reform abgelehnt: Was nun für deine Vorsorge?.
So sieht die gesetzliche Staffel aus
Das BVG schreibt Mindestsätze vor, die sich am sogenannten koordinierten Lohn orientieren – also am Lohnteil, der nach Abzug des Koordinationsabzugs in der Pensionskasse versichert ist. Die Altersgutschriften steigen in vier Stufen:
Von 25 bis 34 Jahren fliessen mindestens 7 Prozent des koordinierten Lohns aufs Alterskonto. Von 35 bis 44 sind es 10 Prozent, von 45 bis 54 dann 15 Prozent, und ab 55 Jahren erreicht der Satz mit 18 Prozent sein Maximum. Über ein volles Beitragsleben summiert sich das auf 500 Prozent des koordinierten Lohns allein aus den Gutschriften – der Zins und allfällige überobligatorische Beiträge kommen on top.
Wichtig: Das sind die gesetzlichen Minima. Viele Kassen sind «umhüllend» und schreiben grosszügigere Sätze oder eine flachere Kurve gut. Ein Blick in Ihr Vorsorgereglement zeigt, was bei Ihnen tatsächlich gilt.
Ein Rechenbeispiel macht die Staffel greifbar: Bei einem koordinierten Lohn von 50’000 Franken fliessen mit 30 Jahren rund 3’500 Franken pro Jahr aufs Alterskonto, mit 56 Jahren dagegen 9’000 Franken – also fast das Dreifache, bei identischem Lohn. Genau dieser Sprung erklärt, warum Ihr Guthaben in den letzten Berufsjahren so stark anwächst und weshalb die Reihenfolge der Lebensjahre für den Endbetrag eine grosse Rolle spielt.
Die unsichtbare Hürde für ältere Arbeitnehmende
Die steile Staffel hat eine Kehrseite. Weil ein 58-Jähriger fast dreimal so hohe Altersgutschriften kostet wie eine 30-Jährige, sind ältere Mitarbeitende für Arbeitgeber spürbar teurer – die Lohnnebenkosten steigen allein durch das Alter. Genau das war eines der Hauptargumente für die abgelehnte Reform, die einen einheitlicheren Satz wollte.
Für Sie persönlich bedeutet das zweierlei. Erstens: Die höchsten Gutschriften erhalten Sie in der zweiten Lebenshälfte – das ist auch die Phase, in der ein Einkauf in die Pensionskasse den grössten Hebel auf Ihr Endguthaben hat. Zweitens: Wer mit über 55 die Stelle wechselt, sollte die Vorsorgekosten im Hinterkopf behalten und im Gespräch souverän darauf eingehen können.
Was die Staffel für Teilzeit und Lohnsprünge heisst
Die Prozentsätze beziehen sich immer auf den koordinierten Lohn, nicht auf den Bruttolohn. Bei Teilzeit oder tiefem Einkommen schmälert der Koordinationsabzug die versicherte Basis überproportional – die Gutschrift fällt dann selbst beim 18-Prozent-Satz bescheiden aus. Steigt umgekehrt Ihr Lohn kräftig, vergrössert sich die versicherte Basis und Ihre Gutschriften wachsen doppelt: durch den höheren Satz mit dem Alter und durch den grösseren koordinierten Lohn.
Ein häufiges Missverständnis: Die Altersgutschrift ist nicht Ihr Sparbeitrag allein. Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich die Gutschrift, wobei der Arbeitgeber mindestens die Hälfte übernimmt. Auf dem Lohnausweis sehen Sie nur Ihren Anteil – das Konto wächst aber um die volle Gutschrift.
Konkreter nächster Schritt
Nehmen Sie Ihren aktuellen Pensionskassenausweis zur Hand und suchen Sie die Zeile «Altersgutschrift» oder «Sparbeitrag in Prozent». Vergleichen Sie den Wert mit der gesetzlichen Staffel Ihrer Altersklasse. Liegt Ihre Kasse darüber, profitieren Sie von einem überobligatorischen Plan – liegt sie genau auf dem Minimum, lohnt sich die Frage, ob freiwillige Einkäufe oder die Säule 3a die Lücke schliessen.
Planen Sie zudem rund um Ihren 45. und 55. Geburtstag eine kurze Standortbestimmung ein: An diesen beiden Schwellen springt Ihr Sparsatz, und es ist der ideale Moment, um Einkäufe oder eine Pensionsplanung anzustossen, solange der Zinseszins noch wirken kann.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Vorsorge- oder Anlageberatung.