{"id":682,"date":"2026-05-26T11:34:49","date_gmt":"2026-05-26T09:34:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/?p=682"},"modified":"2026-05-26T11:34:49","modified_gmt":"2026-05-26T09:34:49","slug":"reisemedizin-in-der-apotheke-malaria-hoehe-durchfall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/reisemedizin-in-der-apotheke-malaria-hoehe-durchfall\/","title":{"rendered":"Reisemedizin in der Apotheke: Malaria, H\u00f6he, Durchfall"},"content":{"rendered":"<p>Mit Pfingsten beginnt f\u00fcr viele Schweizer Haushalte die Reiseplanung der Sommerferien \u2013 und damit der Gang in die Apotheke, in dem die Reiseapotheke zusammengestellt wird. W\u00e4hrend Sonnenschutz, Pflaster und Insektenschutzmittel jede Schweizer Offizin im Sortiment hat, sind drei Reisethemen jeden Sommer wieder die kniffligsten: Malaria-Prophylaxe f\u00fcr Subsahara-Afrika und S\u00fcdostasien, H\u00f6henkrankheit f\u00fcr Anden- und Himalaya-Reisende, sowie Reisedurchfall \u2013 die mit Abstand h\u00e4ufigste Reisekrankheit \u00fcberhaupt. Was 2026 in der Schweiz in der Beratung wichtig ist, fasst dieser Beitrag zusammen.<\/p>\n<h2>Malaria-Prophylaxe \u2013 wann wirklich n\u00f6tig?<\/h2>\n<p>Die Schweizerische Expertenkomitee f\u00fcr Reisemedizin (EKRM) und das BAG ver\u00f6ffentlichen j\u00e4hrlich aktualisierte Empfehlungen unter <a href=\"https:\/\/osir.ch\/malariaprophylaxe\/\">malariaprophylaxe.ch<\/a>. Sie unterscheiden drei Risikoklassen pro Region: A (M\u00fcckenschutz reicht), B (Notfall-Selbsttherapie mitnehmen), C (kontinuierliche Chemoprophylaxe).<\/p>\n<p>F\u00fcr klassische Backpacker- und Familienreisen in Subsahara-Afrika (Kenia, Tansania, Sansibar, Senegal, Mosambik) gilt fast \u00fcberall <strong>Risikoklasse C<\/strong> \u2013 also t\u00e4gliche Chemoprophylaxe. Mittel der Wahl ist seit Jahren <strong>Atovaquon\/Proguanil<\/strong>, in der Schweiz als Malarone\u00ae oder generisch als Atovaquone-Proguanil Mepha\u00ae erh\u00e4ltlich. Dosierung Erwachsener (\u226540 kg): 1 Filmtablette t\u00e4glich mit fetthaltiger Mahlzeit, beginnend <strong>1\u20132 Tage vor Einreise<\/strong>, fortgesetzt <strong>bis 7 Tage nach Verlassen<\/strong> des Risikogebiets. Vertr\u00e4glichkeit gut, Gewichts-Dosierungen f\u00fcr Kinder ab 11 kg m\u00f6glich. Alternative: Doxycyclin (preiswert, daf\u00fcr Sonnenempfindlichkeit, nicht in Schwangerschaft).<\/p>\n<p>Alle Malaria-Medikamente sind in der Schweiz <strong>rezeptpflichtig<\/strong> (Abgabekategorie B). Die Apotheke kann ohne Rezept nicht abgeben \u2013 Reisende sollten 4\u20136 Wochen vor Abreise einen Hausarzt- oder Reisemedizin-Termin einplanen (UZH Reisemedizin, Tropeninstitut Basel, oder zertifizierte Apotheken mit \u00e4rztlicher Anbindung). F\u00fcr Risikoklasse B (Notfall-Stand-by) wird Atovaquon\/Proguanil oft als Reserve-Packung mitgegeben \u2013 nur einzunehmen bei Fieber und ohne \u00e4rztliche Erreichbarkeit innert 24 Stunden.<\/p>\n<h2>H\u00f6henkrankheit \u2013 Acetazolamid richtig dosieren<\/h2>\n<p>Wer plant, im Sommer in H\u00f6hen \u00fcber 2&#8217;500 Meter zu schlafen \u2013 sei es Trekking in Nepal, Peru, Bolivien oder Ladakh \u2013, sollte \u00fcber die akute Bergkrankheit (AMS) aufkl\u00e4ren. Symptome treten typischerweise 6 bis 24 Stunden nach dem schnellen Aufstieg auf: Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, \u00dcbelkeit, Appetitlosigkeit. Schwere Verl\u00e4ufe (HACE\/HAPE) sind selten, aber lebensbedrohlich.<\/p>\n<p>Die wirksamste medikament\u00f6se Vorbeugung ist <strong>Acetazolamid (Diamox\u00ae)<\/strong>, 125 mg zweimal t\u00e4glich, beginnend einen Tag vor dem ersten Aufstieg \u00fcber 2&#8217;500 m, fortgesetzt w\u00e4hrend der H\u00f6henexposition. Wichtig in der Beratung: Acetazolamid ist ein Diuretikum \u2013 Reisende sollten ausreichend trinken (mindestens 3 Liter pro Tag auf H\u00f6he) und mit Kribbeln in den Fingern\/Zehen rechnen (harmlos, vor\u00fcbergehend). Bei Sulfonamid-Allergie kontraindiziert. Auch Acetazolamid ist rezeptpflichtig.<\/p>\n<p>In der Apotheke kann zus\u00e4tzlich abgegeben werden: <strong>Paracetamol oder Ibuprofen<\/strong> gegen die Kopfschmerzen, <strong>Antiemetikum<\/strong> (Dimenhydrinat) gegen \u00dcbelkeit. Die zentrale Botschaft bleibt aber: Wer auf H\u00f6he ist und sich nicht besser f\u00fchlt, <strong>steigt ab<\/strong>. Medikamente ersetzen die Akklimatisation nicht.<\/p>\n<h2>Reisedurchfall \u2013 die Klassiker in der Reiseapotheke<\/h2>\n<p>50 Prozent aller Reisenden in Afrika oder Lateinamerika erleiden mindestens eine Episode Reisedurchfall \u2013 \u00abMontezumas Rache\u00bb ist also kein Mythos. In der Apotheke geh\u00f6rt zur Standardausstattung:<\/p>\n<p>Ein <strong>Elektrolytpulver<\/strong> (z.B. Elotrans\u00ae, Normolytoral\u00ae, Dioralyte\u00ae) zur oralen Rehydratation \u2013 wichtiger als jedes Antidiarrhoikum, besonders bei Kindern und \u00e4lteren Reisenden. Ein <strong>Loperamid-Pr\u00e4parat<\/strong> (Imodium\u00ae) gegen die Symptome \u2013 darf bei blutigem Durchfall und Fieber <strong>nicht<\/strong> eingenommen werden, hier ist medizinische Hilfe angesagt. Ein <strong>Probiotikum<\/strong> (Saccharomyces boulardii) kann die Erholungszeit verk\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Neu zunehmend diskutiert wird die Stand-by-Antibiotika-Gabe: <strong>Azithromycin<\/strong> als 500-mg-Tablette f\u00fcr 1\u20133 Tage wirkt zuverl\u00e4ssig gegen die meisten relevanten Erreger (E. coli, Campylobacter, Shigellen). Wird in der Schweiz auf Rezept und nach reisemedizinischer Beratung mitgegeben, vor allem f\u00fcr Risikoregionen S\u00fcdostasien und Indien. Ciprofloxacin wird wegen zunehmender Resistenzen heute weniger empfohlen.<\/p>\n<p>Wichtig in der Beratung: Reisedurchfall vermeidet man am wirkungsvollsten <strong>ausserhalb der Apotheke<\/strong> \u2013 sicheres Wasser, gesch\u00e4ltes Obst, gut durchgegartes Essen. Die alte Faustregel \u00abcook it, peel it or leave it\u00bb gilt unver\u00e4ndert.<\/p>\n<h2>Saisonal: Zecken, FSME, Sonne<\/h2>\n<p>Erg\u00e4nzend zu den drei Schwergewichten sollten Reisende f\u00fcr die Schweiz nicht vergessen: <strong>FSME-Impfung<\/strong> f\u00fcr Wanderer und Jogger, <strong>M\u00fcckenschutz<\/strong> mit DEET oder Icaridin auch zu Hause (Tigerm\u00fccken in Tessin, Genferseeraum), und <strong>Lichtschutz mit SPF 50+<\/strong> f\u00fcr alle Hauttypen. Eine Reiseapotheke ist erst dann vollst\u00e4ndig, wenn sie sowohl f\u00fcr die Tropenreise als auch f\u00fcr die Schweizer Bergtour reicht. Eine konkrete Packliste findest du im Beitrag <a href=\"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/reise-apotheke-2026-was-wirklich-rein-muss\/\">Reise-Apotheke 2026 \u2013 was wirklich rein muss<\/a>.<\/p>\n<h2>Fazit \u2013 fr\u00fch in die Apotheke<\/h2>\n<p>Wer im Juli nach Afrika fliegt, geht idealerweise <strong>vier bis sechs Wochen vorher<\/strong> in die Apotheke oder ins Reisemedizin-Zentrum. Damit sind Malaria-Rezept, eventuelle Impfungen (Gelbfieber, Cholera, Hepatitis A\/B) und die Reiseapotheke entspannt geplant statt last-minute kombiniert. Erster Schritt: Reise-Ziel und Datum auf <a href=\"https:\/\/www.healthytravel.ch\">healthytravel.ch<\/a> eingeben \u2013 das offizielle Schweizer Reisemedizin-Portal liefert tagesaktuelle Empfehlungen pro Land und sagt klar, welche Medikamente und Impfungen sinnvoll sind. Mit dieser Liste l\u00e4sst sich der Apotheken- oder Arztbesuch zielf\u00fchrend vorbereiten.<\/p>\n<p>Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine reisemedizinische Beratung. Reisen mit chronischer Erkrankung, Schwangerschaft oder bei Kindern unter f\u00fcnf Jahren brauchen eine individuelle \u00e4rztliche Abkl\u00e4rung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Pfingsten beginnt f\u00fcr viele Schweizer Haushalte die Reiseplanung der Sommerferien \u2013 und damit der Gang in die Apotheke, in dem die Reiseapotheke zusammengestellt wird. 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