{"id":389,"date":"2026-05-24T17:15:50","date_gmt":"2026-05-24T15:15:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/?p=389"},"modified":"2026-05-24T17:15:50","modified_gmt":"2026-05-24T15:15:50","slug":"covered-calls-optionspraemien-als-cashflow-im-smi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/covered-calls-optionspraemien-als-cashflow-im-smi\/","title":{"rendered":"Covered Calls: Optionspr\u00e4mien als Cashflow im SMI"},"content":{"rendered":"<p>Wer Schweizer Aktien wie Nestl\u00e9, Novartis oder Roche im Depot h\u00e4lt, kennt das Spiel: zwei bis vier Prozent Dividendenrendite pro Jahr, dazu eher gem\u00e4chliche Kursbewegungen. Solide, langweilig \u2013 und ein bisschen unausgenutzt. Genau hier setzt die Covered-Call-Strategie an: Wer die Aktien ohnehin liegen hat, kann auf ihnen regelm\u00e4ssig Call-Optionen verkaufen und Pr\u00e4mien kassieren. Aus stillem Buchwert wird laufender Cashflow.<\/p>\n<p>Covered Calls gelten in den USA seit Jahrzehnten als Brot-und-Butter-Strategie f\u00fcr Einkommensanleger, in der Schweiz fristen sie ein Nischendasein. Mit Neo-Brokern wie Swissquote, Interactive Brokers und Lynx ist der Zugang aber g\u00fcnstig geworden, und die Implementierung auf Schweizer Standardwerten ist heute auch f\u00fcr Privatanleger machbar.<\/p>\n<h2>So funktioniert ein Covered Call konkret<\/h2>\n<p>Die Mechanik ist \u00fcberschaubar. Sie halten 100 Nestl\u00e9-Aktien im Depot. Sie verkaufen eine Call-Option mit Laufzeit von zum Beispiel 30 bis 45 Tagen und einem Strike-Preis leicht \u00fcber dem aktuellen Kurs \u2013 sagen wir, der Kurs steht bei CHF 85, Sie verkaufen den 90er-Call. F\u00fcr diesen Verkauf erhalten Sie sofort eine Pr\u00e4mie, je nach Volatilit\u00e4t typischerweise 0,5 bis 1,5 Prozent des Aktienwerts. Bleibt die Aktie unter CHF 90, verf\u00e4llt die Option wertlos und die Pr\u00e4mie ist Ihr Gewinn. Steigt sie dar\u00fcber, m\u00fcssen Sie die Aktien zum Strike-Preis liefern \u2013 Sie verkaufen also mit Gewinn, geben aber das weitere Aufw\u00e4rtspotenzial ab.<\/p>\n<p>Auf ein Jahr hochgerechnet sind drei bis acht Prozent Pr\u00e4mienrendite realistisch, je nach Aktienauswahl und Strike-Disziplin. Zusammen mit der Dividende ergeben sich Bruttoaussch\u00fcttungen, die sich mit klassischen Immobilienfonds messen k\u00f6nnen \u2013 allerdings mit ganz anderem Risikoprofil.<\/p>\n<h2>Welche Schweizer Titel sich eignen<\/h2>\n<p>Nicht jede SMI-Aktie ist gleich gut geeignet. Die Optionsm\u00e4rkte sind je nach Titel unterschiedlich liquide, und nicht \u00fcberall lassen sich vern\u00fcnftige Spreads handeln. Bew\u00e4hrt haben sich die grossen Schwergewichte mit moderater Volatilit\u00e4t: Nestl\u00e9, Novartis, Roche, ABB, Zurich Insurance. Die Optionen werden an der Eurex gehandelt, in der Regel mit Kontraktgr\u00f6sse 100. Wer weniger Kapital einsetzen m\u00f6chte, kann auf den UBS-ETF auf den SMI oder direkt auf SMI-Future-Optionen ausweichen \u2013 die Liquidit\u00e4t ist solide, die Eintrittsh\u00fcrde geringer.<\/p>\n<p>Volatilere Titel wie UBS, Lonza oder Logitech bringen h\u00f6here Pr\u00e4mien, daf\u00fcr ein h\u00f6heres Risiko, dass die Aktien tats\u00e4chlich abgerufen werden oder dass die Position deutlich in den Verlust l\u00e4uft. Wer einsteigt, sollte mit defensiven Werten beginnen.<\/p>\n<h2>Was steuerlich und buchhalterisch zu beachten ist<\/h2>\n<p>Optionspr\u00e4mien werden in der Schweiz steuerlich grunds\u00e4tzlich als steuerfreier Kapitalgewinn behandelt, sofern der Anleger nicht als gewerbsm\u00e4ssiger Wertschriftenh\u00e4ndler gilt. Dividenden bleiben einkommenssteuerpflichtig, der Gewinn aus einem Aktien-Verkauf bei Aus\u00fcbung des Calls bleibt steuerfrei. Vorsicht gilt bei h\u00e4ufigem Trading: Wer pro Jahr Dutzende Optionen schreibt und Aktien rollt, l\u00e4uft Gefahr, von der Steuerverwaltung als professioneller H\u00e4ndler eingestuft zu werden \u2013 mit den entsprechenden Konsequenzen.<\/p>\n<p>Praktisch sinnvoll ist eine Quote von h\u00f6chstens einer Call-Runde pro Aktie und Monat sowie ein klares System: Strike-Preis ungef\u00e4hr f\u00fcnf bis sieben Prozent \u00fcber dem Spot, Laufzeit rund 30 Tage, abgelaufene Optionen verfallen lassen oder zur\u00fcckkaufen, wenn sie 80 Prozent ihres Werts verloren haben. Wer diszipliniert bleibt und seine Trades sauber dokumentiert, hat selten Probleme.<\/p>\n<h2>Risiken und realistische Erwartungen<\/h2>\n<p>Covered Calls sind kein magischer Geldhahn. In stark steigenden M\u00e4rkten verliert man Aufw\u00e4rtspotenzial \u2013 im Bullenmarkt 2024 war das schmerzhaft. In fallenden M\u00e4rkten d\u00e4mpfen die Pr\u00e4mien zwar den Verlust, retten ihn aber nicht. Die Strategie funktioniert am besten in Seitw\u00e4rts- und leicht steigenden M\u00e4rkten \u2013 also genau dort, wo der SMI sich seit Jahren bewegt.<\/p>\n<p>Wichtig: Verkaufen Sie nur Calls auf Aktien, die Sie auch tats\u00e4chlich loswerden w\u00fcrden, wenn der Strike f\u00e4llt. Wer an seinen Nestl\u00e9-Aktien klebt und dann beim Strike doch nicht liefern will, baut sich emotionale Fallen. Eine Alternative ist das Rollen: Den Call vor Ablauf zur\u00fcckkaufen und einen sp\u00e4teren mit h\u00f6herem Strike verkaufen \u2013 mit kleinem Verlust, aber behaltener Aktie.<\/p>\n<h2>Fazit: ein dritter Cashflow neben Dividende und Kursgewinn<\/h2>\n<p>Wer ein Kernportfolio aus Schweizer Standardwerten besitzt und bereit ist, sich mit Optionsmechanik anzufreunden, kann mit Covered Calls einen zus\u00e4tzlichen Cashflow generieren, der \u00fcber die Dividende hinausgeht. Die Strategie ist nicht risikolos und nicht f\u00fcr jeden geeignet \u2013 aber sie ist eine der wenigen Methoden, mit denen Buy-and-Hold-Anleger ihr Portfolio aktiv arbeiten lassen, ohne den langfristigen Plan aufzugeben. Wer in das Thema einsteigen will, sollte zuerst auf einem Demokonto \u00fcben, mit einem einzigen Titel beginnen und nicht mehr als 20 bis 30 Prozent des Aktiendepots auf diese Strategie ausrichten.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend lohnt sich ein Blick auf andere Cashflow-Strategien f\u00fcr Schweizer Anleger \u2013 etwa unsere fr\u00fcheren Artikel zu <a href=\"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/\">Dividenden-ETFs und globaler Diversifikation<\/a> auf coremind.ch. Wer Optionen mit ETFs kombiniert, schafft ein robustes Einkommensportfolio \u00fcber mehrere S\u00e4ulen hinweg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer Schweizer Aktien wie Nestl\u00e9, Novartis oder Roche im Depot h\u00e4lt, kennt das Spiel: zwei bis vier Prozent Dividendenrendite pro Jahr, dazu eher gem\u00e4chliche Kursbewegungen. Solide, langweilig \u2013 und ein bisschen unausgenutzt. Genau hier setzt die Covered-Call-Strategie an: Wer die Aktien ohnehin liegen hat, kann auf ihnen regelm\u00e4ssig Call-Optionen verkaufen und Pr\u00e4mien kassieren. 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