{"id":327,"date":"2026-05-17T20:06:36","date_gmt":"2026-05-17T18:06:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/?p=327"},"modified":"2026-05-17T20:14:11","modified_gmt":"2026-05-17T18:14:11","slug":"impfen-in-der-apotheke-was-2026-moeglich-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/impfen-in-der-apotheke-was-2026-moeglich-ist\/","title":{"rendered":"Impfen in der Apotheke: Was 2026 m\u00f6glich ist"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweizer Apotheke ist in den letzten zehn Jahren leise zu einem zweiten Anlaufpunkt im Gesundheitssystem geworden. Wer 2026 eine Grippeimpfung will, eine Auffrischung gegen Tetanus braucht oder vor einer Fernreise an die Hepatitis-Impfung denkt, geht in vielen Kantonen nicht mehr zwingend zur Haus\u00e4rztin. Stattdessen gen\u00fcgt ein Termin \u2013 oder oft sogar ein Walk-in \u2013 in der n\u00e4chsten Apotheke. Was vor wenigen Jahren noch politisch umstritten war, ist heute Alltag. Es lohnt sich aber, die genauen Spielregeln zu kennen.<\/p>\n<h2>Was Apotheker impfen d\u00fcrfen<\/h2>\n<p>Die rechtliche Grundlage liegt im <strong>Heilmittelgesetz<\/strong> sowie in den <strong>kantonalen Gesundheitsgesetzen<\/strong>. Konkret regelt jeder Kanton, welche Impfungen Apothekerinnen ohne \u00e4rztliche Verordnung verabreichen d\u00fcrfen. Der Konsens hat sich aber stark angeglichen: In allen Kantonen ausser Liechtenstein, Appenzell Innerrhoden und Glarus ist heute die Grippeimpfung in der Apotheke m\u00f6glich. In der grossen Mehrheit der Deutsch- und Westschweizer Kantone gilt das auch f\u00fcr Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis, FSME (Zeckenenzephalitis), Hepatitis A und B, Pneumokokken und \u2013 seit 2024 \u2013 Herpes Zoster (G\u00fcrtelrose).<\/p>\n<p>Die COVID-19-Impfung ist ebenfalls \u00fcberall in der Apotheke verf\u00fcgbar. Reiseimpfungen wie Gelbfieber oder Cholera bleiben dagegen den \u00e4rztlichen Impfstellen vorbehalten, weil sie zus\u00e4tzliche reisemedizinische Beratung erfordern.<\/p>\n<p>Voraussetzung auf Seiten der Apothekerinnen ist ein zertifizierter <strong>Impfkurs nach FPH<\/strong> mit regelm\u00e4ssiger Rezertifizierung. Wer impfen darf, hat das in der Regel deutlich sichtbar im Schaufenster ausgeh\u00e4ngt. Der Impfvorgang selbst dauert zwischen 15 und 25 Minuten inklusive Aufkl\u00e4rung, Anamnese-Kurzformular und 15-min\u00fctige Nachwartezeit f\u00fcr allf\u00e4llige Reaktionen.<\/p>\n<h2>Kosten und Krankenkasse<\/h2>\n<p>Hier wird es interessant \u2013 und ist 2026 anders als noch vor drei Jahren. Bei den Pflichtimpfungen gem\u00e4ss schweizerischem Impfplan (etwa Tetanus, Diphtherie, Pertussis ab einem bestimmten Alter, oder Pneumokokken f\u00fcr Risikogruppen) zahlt die Grundversicherung den Impfstoff selbst \u2013 die Apothekenleistung wird \u00fcber einen separaten Tarif abgerechnet. Bei der Grippeimpfung gilt: Sie ist im Impfplan, wird aber nur f\u00fcr Risikogruppen \u00fcber die Grundversicherung verg\u00fctet. F\u00fcr alle anderen ist sie eine Selbstzahlerleistung, oft zu Preisen zwischen CHF 35 und CHF 50 inklusive Impfstoff.<\/p>\n<p>Die FSME-Impfung wird seit 2019 von der Grundversicherung \u00fcbernommen, sofern man in einem Endemiegebiet wohnt oder dort arbeitet \u2013 das gilt heute f\u00fcr rund 95 Prozent der Schweizer Wohnbev\u00f6lkerung. Auch hier bezahlt die Krankenkasse den Impfstoff, die Apotheke rechnet ihre Leistung \u00fcber den TARMED-\u00e4quivalenten Apothekertarif ab. Hepatitis A und B sind in der Regel Selbstzahler, ausser bei beruflicher Indikation.<\/p>\n<p>Wer unsicher ist, fragt am besten direkt bei der Buchung: Die meisten Apotheken kl\u00e4ren den Versicherungsstatus \u00fcber die Karten-ID und informieren noch vor dem Termin, was die Krankenkasse \u00fcbernimmt und was nicht.<\/p>\n<h2>Welche Vorteile die Apothekenimpfung bringt<\/h2>\n<p>Drei Punkte werden in der Praxis immer wieder hervorgehoben. Erstens die <strong>Verf\u00fcgbarkeit<\/strong>: Apotheken haben deutlich l\u00e4ngere \u00d6ffnungszeiten als Arztpraxen, viele bieten Walk-in-Slots ohne Voranmeldung an. Wer in der Mittagspause oder am Samstagnachmittag impfen will, hat hier eine echte Alternative. Zweitens die <strong>Hemmschwelle<\/strong>: Vor allem f\u00fcr junge Erwachsene zwischen 25 und 40 ist die Apotheke ein niedrigschwelliger Zugang, der nicht mit dem Aufwand eines Arztbesuchs verbunden ist. Drittens die <strong>Kosten<\/strong> f\u00fcr Selbstzahler: Apotheken sind in der Regel g\u00fcnstiger als Arztpraxen, weil keine \u00e4rztliche Konsultation abgerechnet wird.<\/p>\n<p>Aus Sicht des Gesundheitssystems gibt es Hinweise, dass die niederschwellige Apothekenimpfung tats\u00e4chlich die Durchimpfungsrate erh\u00f6ht. Studien aus den Kantonen Waadt und Genf zeigten zwischen 2018 und 2024 einen Anstieg der Grippe-Impfquote bei den 18- bis 49-J\u00e4hrigen um sieben Prozentpunkte \u2013 ein Effekt, der \u00fcberwiegend dem Apothekenkanal zugerechnet wird.<\/p>\n<h2>Wo die Apotheke aufh\u00f6rt \u2013 und der Arzt anf\u00e4ngt<\/h2>\n<p>Es gibt klare Grenzen, die alle seri\u00f6sen Apothekerinnen kommunizieren. Wer eine chronische Erkrankung hat (Immundefizienz, Krebsbehandlung, schwere Allergien gegen Impfbestandteile), geh\u00f6rt zur Haus\u00e4rztin oder zur spezialisierten Impfsprechstunde. Bei unklarem Impfstatus ohne l\u00fcckenloses Impfb\u00fcchlein ist eine vertiefte Anamnese durch eine \u00c4rztin sinnvoller. Schwangere lassen sich nach wie vor prim\u00e4r bei ihrer Gyn\u00e4kologin impfen. Kleinkinder unter sechs Jahren bleiben Sache der Kinder\u00e4rztin.<\/p>\n<p>Wer ein klassisches blaues oder gelbes Impfb\u00fcchlein hat, sollte es zwingend mitnehmen. Apotheken tragen Impfungen elektronisch ein und stellen oft eine zus\u00e4tzliche Papier-Bescheinigung aus, erg\u00e4nzen aber auf Wunsch auch das vorhandene B\u00fcchlein. Wer ein elektronisches Patientendossier (EPD) nutzt, kann den Impfeintrag direkt dort speichern lassen \u2013 Stand 2026 ist das technisch in allen Apothekenstammgemeinschaften m\u00f6glich, wird aber nur teilweise aktiv genutzt. Mehr zur Versorgungslandschaft gibt der Artikel zu <a href=\"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/\">Medikamentenpreisen im Vergleich<\/a> auf coremind.ch.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Die Apotheke ist 2026 f\u00fcr die meisten Standardimpfungen ein vollwertiger Anlaufpunkt \u2013 schnell, verf\u00fcgbar und f\u00fcr Selbstzahler oft g\u00fcnstiger als die Arztpraxis. Die rechtliche Lage ist \u00fcber alle grossen Kantone harmonisiert, die Qualit\u00e4t durch FPH-Zertifizierung gesichert. Wer f\u00fcr die kommende Herbstsaison eine Grippeimpfung plant oder eine Auffrischung ansteht, sollte die Apotheke seri\u00f6s als erste Adresse in Betracht ziehen. F\u00fcr komplexe F\u00e4lle, Kleinkinder und Reisemedizin bleibt die Haus\u00e4rztin oder Spezialambulanz die richtige Wahl \u2013 die saubere Aufteilung der Rollen funktioniert in der Praxis besser, als die Diskussionen vor zehn Jahren bef\u00fcrchten liessen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweizer Apotheke ist in den letzten zehn Jahren leise zu einem zweiten Anlaufpunkt im Gesundheitssystem geworden. Wer 2026 eine Grippeimpfung will, eine Auffrischung gegen Tetanus braucht oder vor einer Fernreise an die Hepatitis-Impfung denkt, geht in vielen Kantonen nicht mehr zwingend zur Haus\u00e4rztin. 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