{"id":308,"date":"2026-05-17T19:55:19","date_gmt":"2026-05-17T17:55:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/?p=308"},"modified":"2026-05-17T20:24:20","modified_gmt":"2026-05-17T18:24:20","slug":"generika-biosimilars-sparen-ohne-kompromiss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/generika-biosimilars-sparen-ohne-kompromiss\/","title":{"rendered":"Generika &#038; Biosimilars: Sparen ohne Kompromiss"},"content":{"rendered":"<p>Wer in einer Schweizer Apotheke an die Theke tritt und ein chronisches Medikament abholt, h\u00f6rt seit Jahren die gleiche Frage: <em>\u201eM\u00f6chten Sie das Original oder das Generikum?&#8220;<\/em> Was nach einer kleinen Servicegeste klingt, ist in Wahrheit eine politisch und finanziell brisante Entscheidung. Die Schweiz gibt jedes Jahr mehrere Milliarden Franken f\u00fcr Arzneimittel aus, ein erheblicher Anteil davon entf\u00e4llt auf patentgesch\u00fctzte Originale, obwohl pharmakologisch gleichwertige Alternativen verf\u00fcgbar w\u00e4ren. Mit dem <strong>Referenzpreissystem<\/strong>, das in der nationalen Politik seit 2024 in der Umsetzung diskutiert und ab 2026 schrittweise eingef\u00fchrt wird, gewinnen Generika und Biosimilars weiter an Bedeutung. Ein \u00dcberblick, was dahintersteckt, wo gespart wird und wo Vorsicht geboten ist.<\/p>\n<h2>Generika sind keine Billigprodukte<\/h2>\n<p>Ein Generikum ist ein Arzneimittel, das nach Ablauf des Patentschutzes eines Originalpr\u00e4parats von einem anderen Hersteller produziert wird. Der Wirkstoff ist identisch, die Dosierung gleich, die Bioverf\u00fcgbarkeit muss in klinischen Studien nachgewiesen sein und innerhalb einer engen Bandbreite von \u00b120 Prozent zum Original liegen. Swissmedic pr\u00fcft jedes Generikum, bevor es zugelassen wird. Hersteller wie Mepha, Sandoz, Helvepharm oder Spirig produzieren teils im selben Werk wie die Originalhersteller, teils in eigenen Anlagen.<\/p>\n<p>Was tats\u00e4chlich unterscheidet: die Hilfsstoffe, der Tabletten\u00fcberzug, die Farbe, die Form. In den allermeisten F\u00e4llen haben diese Unterschiede keine medizinische Relevanz. Bei einer kleinen Patientengruppe \u2013 etwa Allergikerinnen gegen bestimmte Farbstoffe oder Patienten mit besonderen Schluckschwierigkeiten \u2013 kann ein Wechsel zwischen Original und Generikum trotzdem sp\u00fcrbar sein. Hier hilft ein kurzes Gespr\u00e4ch mit der Apothekerin.<\/p>\n<h2>Wo das Sparpotenzial wirklich liegt<\/h2>\n<p>In Zahlen: Generika kosten in der Schweiz typischerweise 20 bis 40 Prozent weniger als das Original. Im internationalen Vergleich ist das wenig \u2013 in Deutschland oder den Niederlanden sind Generika oft 70 bis 90 Prozent g\u00fcnstiger als das Originalprodukt. Die Schweizer Preise bewegen sich auf hohem Niveau, weil das Verg\u00fctungssystem bisher keinen scharfen Wettbewerb erzwungen hat.<\/p>\n<p>Genau hier setzt das Referenzpreissystem an. Die Idee: F\u00fcr eine Wirkstoffgruppe legt das Bundesamt f\u00fcr Gesundheit einen einheitlichen H\u00f6chsterstattungsbetrag fest. Die Krankenversicherung zahlt diesen Betrag, unabh\u00e4ngig davon, welches Medikament gew\u00e4hlt wird. Wer das teurere Original verlangt, zahlt die Differenz selbst. Studien des Bundes rechnen mit Einsparungen zwischen 300 und 500 Millionen Franken j\u00e4hrlich. F\u00fcr Patientinnen heisst das: Ein Wechsel auf das g\u00fcnstigere Pr\u00e4parat lohnt sich finanziell st\u00e4rker als bisher.<\/p>\n<h2>Biosimilars: Die untersch\u00e4tzte Schwester<\/h2>\n<p>Was Generika bei klassischen chemischen Wirkstoffen sind, sind <strong>Biosimilars<\/strong> bei biologisch hergestellten Medikamenten. Biologika wie Adalimumab (Humira), Etanercept (Enbrel) oder Trastuzumab (Herceptin) werden in lebenden Zellen produziert und behandeln rheumatische, immunologische und onkologische Krankheiten. Nach Ablauf des Patentschutzes k\u00f6nnen andere Hersteller \u00e4hnliche, aber nicht identische Versionen entwickeln \u2013 das sind die Biosimilars.<\/p>\n<p>Die Zulassung ist anspruchsvoll: Klinische Studien m\u00fcssen vergleichbare Wirksamkeit und Sicherheit nachweisen. Swissmedic verlangt f\u00fcr Biosimilars deutlich mehr als f\u00fcr Generika. Wer einmal auf ein Biologikum eingestellt ist, kann meist problemlos auf ein Biosimilar wechseln, sofern das medizinisch begleitet wird. Die Kostenersparnis ist beachtlich, weil Biologika oft mehrere zehntausend Franken j\u00e4hrlich kosten. Ein Biosimilar kann 30 bis 50 Prozent g\u00fcnstiger sein \u2013 ein potenzielles Einsparen, von dem nicht nur das Gesundheitssystem profitiert, sondern auch der Franchise- und Selbstbehaltsanteil der Patientin.<\/p>\n<p>In der Schweiz wurde der Anteil der Biosimilars 2024 deutlich erh\u00f6ht, lag aber 2025 immer noch unter dem europ\u00e4ischen Durchschnitt. Mehrere Kantonsapothekervereinigungen k\u00e4mpfen aktiv f\u00fcr eine st\u00e4rkere Substitution.<\/p>\n<h2>Wann das Original trotzdem die bessere Wahl ist<\/h2>\n<p>Es gibt Konstellationen, in denen ein Wechsel zwischen Pr\u00e4paraten nicht ratsam ist. Dazu geh\u00f6ren Epilepsie-Medikamente, einige Schilddr\u00fcsenhormone wie Levothyroxin und immunsuppressive Medikamente nach Transplantationen. Hier kann schon eine kleine Abweichung im Wirkspiegel Folgen haben. Wer auf ein solches Medikament eingestellt ist, sollte ohne \u00e4rztliche Absprache nicht wechseln \u2013 auch wenn die Apotheke ein Generikum vorschl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Ebenfalls Vorsicht: Bei Tabletten mit retardierter Wirkung, bei lokal angewendeten Produkten wie Salben oder Augentropfen und bei Inhalatoren gibt es technische Unterschiede, die sp\u00fcrbar sein k\u00f6nnen. Inhalatoren etwa haben unterschiedliche Spr\u00fchcharakteristiken, was das Anwenden umlernen erfordert. Apothekerinnen sind geschult, in solchen F\u00e4llen proaktiv das Gespr\u00e4ch zu suchen.<\/p>\n<h2>Wie man im Alltag bewusst spart<\/h2>\n<p>Drei einfache Schritte f\u00fcr Patientinnen und Patienten. Erstens: Beim n\u00e4chsten Rezept fragen, ob ein Generikum oder Biosimilar verf\u00fcgbar ist. Apothekerinnen d\u00fcrfen seit Jahren substituieren, sofern der Arzt nicht explizit <em>\u201esic&#8220;<\/em> oder <em>\u201esine substitutione&#8220;<\/em> vermerkt hat. Zweitens: Bei chronischer Medikation einmal j\u00e4hrlich \u00fcberpr\u00fcfen, ob das aktuelle Pr\u00e4parat noch die g\u00fcnstigste Option ist \u2013 Preis\u00e4nderungen sind h\u00e4ufig. Drittens: Bei Biologika das Gespr\u00e4ch mit der behandelnden Spezial\u00e4rztin suchen. Ein Wechsel ist meist m\u00f6glich, braucht aber medizinische Begleitung.<\/p>\n<p>Wer mehr \u00fcber die preisliche Einordnung der Schweiz im Vergleich verstehen will, findet eine Vertiefung im <a href=\"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/\">\u00dcberblick zu Medikamentenpreisen Schweiz vs. Ausland<\/a>. Dort wird auch erkl\u00e4rt, warum identische Wirkstoffe in der Schweiz oft deutlich teurer sind als in Deutschland oder Frankreich.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Generika und Biosimilars sind in der Schweiz seit Jahren verf\u00fcgbar, werden aber zu wenig genutzt. Das Referenzpreissystem ab 2026 wird das \u00e4ndern und die Wahl bewusster machen \u2013 mit Sparpotenzial, das im Einzelfall mehrere hundert bis mehrere tausend Franken pro Jahr ausmacht. Wer die Substitution gemeinsam mit Haus\u00e4rztin und Apotheke pr\u00fcft, gewinnt finanziell, ohne medizinisch Risiken einzugehen. Vertrauen entsteht durch Information, nicht durch das Festhalten am bekannten Etikett.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer in einer Schweizer Apotheke an die Theke tritt und ein chronisches Medikament abholt, h\u00f6rt seit Jahren die gleiche Frage: \u201eM\u00f6chten Sie das Original oder das Generikum?&#8220; Was nach einer kleinen Servicegeste klingt, ist in Wahrheit eine politisch und finanziell brisante Entscheidung. 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