{"id":1530,"date":"2026-08-05T13:00:46","date_gmt":"2026-08-05T11:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/?p=1530"},"modified":"2026-08-05T13:00:46","modified_gmt":"2026-08-05T11:00:46","slug":"integral-sensor-in-ha-aus-watt-wird-kwh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/integral-sensor-in-ha-aus-watt-wird-kwh\/","title":{"rendered":"Integral-Sensor in HA: aus Watt wird kWh"},"content":{"rendered":"<p>Viele Steckdosen, Shellys und Zwischenstecker liefern in Home Assistant nur die momentane Leistung in Watt \u2013 aber keinen Energiez\u00e4hler in Kilowattstunden. Genau den braucht das Energy-Dashboard aber, um Verbrauch \u00fcber Tage und Monate darzustellen. Die elegante L\u00f6sung heisst Integral-Sensor: Er integriert die Leistungskurve mathematisch auf und macht aus einem Momentanwert einen sauber steigenden kWh-Z\u00e4hler. Kein Bastel-Template, sondern eine offizielle Kern-Integration.<\/p>\n<h2>Das Problem: Leistung ist keine Energie<\/h2>\n<p>Ein Leistungssensor sagt Ihnen, wie viel ein Ger\u00e4t <em>gerade jetzt<\/em> zieht \u2013 etwa <code>sensor.shelly_pumpe_leistung<\/code> mit 45 W. Das ist eine Momentaufnahme. Energie dagegen ist Leistung mal Zeit: Wer eine Stunde lang 1000 W zieht, verbraucht 1 kWh. Wer dieselben 1000 W nur sechs Minuten laufen l\u00e4sst, verbraucht ein Zehntel davon, also 0,1 kWh. Der Wert allein verr\u00e4t also nichts \u00fcber den tats\u00e4chlichen Verbrauch \u2013 erst die Zeit macht daraus eine belastbare Zahl. Das Energy-Dashboard und der Utility Meter erwarten deshalb einen kumulativen kWh-Wert mit der Eigenschaft <code>state_class: total_increasing<\/code>, keinen springenden Watt-Wert.<\/p>\n<p>Der Integral-Sensor l\u00f6st das \u00fcber die Riemann-Summe: Er bildet in regelm\u00e4ssigen Abst\u00e4nden die Fl\u00e4che unter der Leistungskurve und summiert sie auf. Aus einem Zappel-Sensor in Watt wird so ein monoton steigender Energiez\u00e4hler in kWh \u2013 exakt das Format, das die Verbrauchsauswertung braucht.<\/p>\n<h2>Schritt 1: Den Integral-Sensor anlegen<\/h2>\n<p>Am schnellsten geht es \u00fcber die Oberfl\u00e4che: <strong>Einstellungen \u2192 Ger\u00e4te und Dienste \u2192 Hilfsmittel \u2192 Hilfsmittel erstellen \u2192 Integral-Sensor<\/strong>. Dort w\u00e4hlen Sie den Leistungssensor als Quelle, als Methode \u00abTrapez\u00bb und als Zeiteinheit \u00abStunden\u00bb. Wer lieber in YAML arbeitet, schreibt es so:<\/p>\n<pre><code>\nsensor:\n  - platform: integration\n    source: sensor.shelly_pumpe_leistung\n    name: Pumpe Energie\n    unit_prefix: k\n    unit_time: h\n    method: trapezoidal\n    max_sub_interval:\n      minutes: 5\n<\/code><\/pre>\n<p>Die Kombination <code>unit_prefix: k<\/code> und <code>unit_time: h<\/code> ergibt aus Watt automatisch Kilowattstunden. Die Methode <code>trapezoidal<\/code> (Trapezregel) ist fast immer die beste Wahl: Sie mittelt zwischen zwei Messpunkten und ist bei schwankender Last deutlich genauer als die linke oder rechte N\u00e4herung.<\/p>\n<h2>Schritt 2: Der entscheidende Feinschliff<\/h2>\n<p>Ein h\u00e4ufiger Stolperstein: Wenn der Leistungswert lange konstant bleibt \u2013 etwa bei einer gleichm\u00e4ssig laufenden Umw\u00e4lzpumpe \u2013, meldet der Quellsensor keine neuen Zustands\u00e4nderungen. Ohne neue Werte integriert der klassische Sensor nicht weiter und der Z\u00e4hler \u00abfriert\u00bb scheinbar ein. Genau daf\u00fcr gibt es <code>max_sub_interval<\/code>: Es zwingt den Integral-Sensor, sp\u00e4testens nach der angegebenen Zeit ohnehin einen Rechenschritt zu machen. F\u00fcnf Minuten sind ein guter Standardwert.<\/p>\n<p>Achten Sie ausserdem darauf, dass der Quellsensor tats\u00e4chlich <code>device_class: power<\/code> und die Einheit <code>W<\/code> hat. Liefert ein Ger\u00e4t bereits Wh statt W, brauchen Sie keinen Integral-Sensor, sondern h\u00f6chstens eine Einheiten-Konvertierung \u2013 das ist ein anderer Fall.<\/p>\n<h2>Schritt 3: Ins Energy-Dashboard einbinden<\/h2>\n<p>Der neue Sensor <code>sensor.pumpe_energie<\/code> tr\u00e4gt jetzt automatisch die Eigenschaften <code>device_class: energy<\/code> und <code>state_class: total_increasing<\/code>. Damit erscheint er direkt in der Auswahl unter <strong>Einstellungen \u2192 Dashboards \u2192 Energie \u2192 Einzelne Ger\u00e4te<\/strong>. Nach ein paar Stunden zeigt das Dashboard die ersten Balken, nach einem Tag den vollst\u00e4ndigen Tagesverbrauch. Praktisch: Auch nachtr\u00e4glich eingebundene Ger\u00e4te lassen sich so l\u00fcckenlos auswerten, sobald der Integral-Sensor einmal l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Richtig m\u00e4chtig wird die Kette im Zusammenspiel mit dem Utility Meter: Der Integral-Sensor erzeugt den rohen kWh-Z\u00e4hler, der Utility Meter zerlegt ihn anschliessend sauber in Tages-, Monats- und Tarifperioden. Wie das funktioniert, zeigt der Beitrag <a href=\"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/utility-meter-in-ha-verbrauch-sauber-zaehlen\/\">Utility Meter in HA: Verbrauch sauber z\u00e4hlen<\/a> \u2013 Integral-Sensor und Utility Meter sind das perfekte Duo f\u00fcr jede Energie-Auswertung.<\/p>\n<h2>Bonus: Zustandserhalt \u00fcber Neustarts<\/h2>\n<p>Damit der Z\u00e4hler nach einem HA-Neustart nicht bei null beginnt, sichert die Integration ihren Wert selbst. Bei sehr alten Konfigurationen lohnt ein Blick in die Recorder-Einstellungen, damit der Langzeitverlauf l\u00fcckenlos bleibt. In der Praxis reicht die Standardkonfiguration aber f\u00fcr die allermeisten Setups vollkommen aus.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Der Integral-Sensor ist einer dieser unscheinbaren HA-Bausteine, die einen erstaunlichen Unterschied machen: Aus jeder Steckdose, jedem Shelly und jedem Zwischenstecker mit reiner Watt-Messung wird ein vollwertiger Energiez\u00e4hler \u2013 ohne Zusatzhardware, ohne Cloud, komplett lokal. Wer einmal verstanden hat, dass Energie einfach die aufsummierte Leistung \u00fcber Zeit ist, sieht sein ganzes Smart Home mit anderen Augen.<\/p>\n<p>Ihr n\u00e4chster Schritt: Suchen Sie einen Leistungssensor, der bisher nur Watt liefert, legen Sie in f\u00fcnf Minuten einen Integral-Sensor dar\u00fcber an \u2013 und beobachten Sie, wie das Energy-Dashboard am n\u00e4chsten Tag zum ersten Mal echte Kilowattstunden zeigt.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Blog: https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/ \u00b7 Autor: Mike Neuburger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Steckdosen, Shellys und Zwischenstecker liefern in Home Assistant nur die momentane Leistung in Watt \u2013 aber keinen Energiez\u00e4hler in Kilowattstunden. Genau den braucht das Energy-Dashboard aber, um Verbrauch \u00fcber Tage und Monate darzustellen. 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