{"id":1319,"date":"2026-07-19T18:11:33","date_gmt":"2026-07-19T16:11:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/?p=1319"},"modified":"2026-07-19T18:11:33","modified_gmt":"2026-07-19T16:11:33","slug":"pk-unterdeckung-sanierungsbeitraege-verstehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/pk-unterdeckung-sanierungsbeitraege-verstehen\/","title":{"rendered":"PK-Unterdeckung: Sanierungsbeitr\u00e4ge verstehen"},"content":{"rendered":"<p>Ein Blick auf den Pensionskassenausweis, und pl\u00f6tzlich steht dort ein Deckungsgrad von 96 Prozent. Muss ich mir Sorgen machen? Zahle ich jetzt drauf? Solche Fragen tauchen auf, wenn eine Pensionskasse in eine Unterdeckung ger\u00e4t \u2013 also weniger Verm\u00f6gen hat, als sie zur Deckung aller Verpflichtungen br\u00e4uchte. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein guter Anlass, die Mechanik zu verstehen. Denn eine Sanierung kann Sie als versicherte Person direkt Geld kosten, und wer die Regeln kennt, kann besser einordnen, was der eigenen Vorsorge tats\u00e4chlich bl\u00fcht.<\/p>\n<h2>Wann eine Pensionskasse als unterdeckt gilt<\/h2>\n<p>Der Deckungsgrad setzt das vorhandene Vorsorgeverm\u00f6gen ins Verh\u00e4ltnis zu den n\u00f6tigen R\u00fcckstellungen. Liegt er unter 100 Prozent, besteht eine Unterdeckung: Es fehlt Geld, um s\u00e4mtliche Guthaben und laufenden Renten vollst\u00e4ndig abzusichern. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer kleinen und einer erheblichen Unterdeckung. Ein Wert knapp unter 100 Prozent ist oft nur eine Momentaufnahme nach einem schwachen B\u00f6rsenjahr und gleicht sich mit der Erholung der M\u00e4rkte wieder aus. Erst wenn die L\u00fccke gross ist oder l\u00e4nger anh\u00e4lt, muss die Kasse aktiv gegensteuern.<\/p>\n<p>Das Gesetz gibt daf\u00fcr in Artikel 65d BVG den Rahmen vor: Sanierungsmassnahmen m\u00fcssen verh\u00e4ltnism\u00e4ssig, dem Grad der Unterdeckung angemessen und Teil eines ausgewogenen Gesamtkonzepts sein. \u00dcbersetzt heisst das: Die Kasse darf nicht wahllos zur Kasse bitten, sondern muss die Last fair verteilen und mit den mildesten wirksamen Mitteln beginnen. Zudem hat der oberste F\u00fchrungsgremium \u2013 der Stiftungsrat, in dem Arbeitgeber und Arbeitnehmende parit\u00e4tisch vertreten sind \u2013 ein Sanierungskonzept mit realistischer Frist zu beschliessen. Eine Unterdeckung darf zeitlich befristet in Kauf genommen werden; dauerhaft ist sie nicht zul\u00e4ssig.<\/p>\n<h2>Welche Massnahmen auf Versicherte zukommen<\/h2>\n<p>Die erste, oft unsichtbare Massnahme ist die Minderverzinsung. Die Kasse verzinst die Altersguthaben tiefer \u2013 im Obligatorium darf sie den BVG-Mindestzins um h\u00f6chstens 0,5 Prozentpunkte w\u00e4hrend maximal f\u00fcnf Jahren unterschreiten. Im \u00fcberobligatorischen Teil ist der Spielraum gr\u00f6sser. Diese Massnahme trifft vor allem \u00e4ltere Versicherte mit hohem Sparkapital: Wer 400&#8217;000 Franken angespart hat, verliert pro Prozentpunkt weniger Zins rund 4&#8217;000 Franken j\u00e4hrlich an entgangenem Zinseszins.<\/p>\n<p>Reicht das nicht, kommen Sanierungsbeitr\u00e4ge ins Spiel. Diese zus\u00e4tzlichen Beitr\u00e4ge werden je zur H\u00e4lfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmenden getragen und laufen, bis die Unterdeckung behoben ist. Sie erscheinen als Abzug auf dem Lohn und schm\u00e4lern das Nettoeinkommen, ohne die eigene Rente zu erh\u00f6hen. Auch Rentnerinnen und Rentner k\u00f6nnen in engen Grenzen einbezogen werden, etwa durch das Aussetzen des Teuerungsausgleichs. Eine Nullrunde bei der Verzinsung gilt allerdings als harte Massnahme, die laut Fachleuten bei nur leichter Unterdeckung selten verh\u00e4ltnism\u00e4ssig ist.<\/p>\n<h2>Was das f\u00fcr Ihre Planung bedeutet<\/h2>\n<p>Zun\u00e4chst: Ruhe bewahren. Eine leichte Unterdeckung ist im Umlageverfahren nichts Aussergew\u00f6hnliches und sagt f\u00fcr sich allein wenig \u00fcber die Qualit\u00e4t Ihrer Kasse aus. Entscheidend ist, wie die Stiftung reagiert und wie stabil ihre Struktur ist. Lesen Sie den j\u00e4hrlichen Gesch\u00e4ftsbericht: Er nennt den Deckungsgrad, allf\u00e4llige Massnahmen und die Sanierungsdauer.<\/p>\n<p>F\u00fcr konkrete Entscheidungen ist die Lage relevant, wenn Sie einen freiwilligen Einkauf planen. Fliesst frisches Geld in eine unterdeckte Kasse, tr\u00e4gt es zwar zur Sanierung bei, wird aber im schlechtesten Fall ebenfalls tiefer verzinst. Ein Einkauf lohnt sich steuerlich weiterhin, doch das Timing und der Zustand der Kasse verdienen einen genauen Blick. Wer einen Stellenwechsel erw\u00e4gt, sollte den Deckungsgrad der neuen Kasse in die Beurteilung einbeziehen \u2013 er ist ein ebenso wichtiges Kriterium wie Lohn und Sparplan. Wie Sie die zentrale Kennzahl richtig lesen, zeigt unser Beitrag <a href=\"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/\">Deckungsgrad der PK: Was die Zahl wirklich sagt<\/a>.<\/p>\n<h2>Konkreter n\u00e4chster Schritt<\/h2>\n<p>Nehmen Sie Ihren letzten Pensionskassenausweis und den j\u00fcngsten Gesch\u00e4ftsbericht Ihrer Vorsorgeeinrichtung zur Hand und suchen Sie zwei Zahlen: den aktuellen Deckungsgrad und die im Vorjahr gew\u00e4hrte Verzinsung Ihres Guthabens. Liegt der Deckungsgrad unter 100 Prozent oder wurde weniger als der Mindestzins gutgeschrieben, fragen Sie bei der Kasse nach, ob Sanierungsmassnahmen geplant sind und wie lange sie dauern sollen. So wissen Sie, woran Sie sind \u2013 bevor die erste Lohnabrechnung mit Sanierungsbeitrag im Briefkasten liegt.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Vorsorge- oder Anlageberatung.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Blick auf den Pensionskassenausweis, und pl\u00f6tzlich steht dort ein Deckungsgrad von 96 Prozent. Muss ich mir Sorgen machen? Zahle ich jetzt drauf? Solche Fragen tauchen auf, wenn eine Pensionskasse in eine Unterdeckung ger\u00e4t \u2013 also weniger Verm\u00f6gen hat, als sie zur Deckung aller Verpflichtungen br\u00e4uchte. 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