{"id":1284,"date":"2026-07-19T18:11:33","date_gmt":"2026-07-19T16:11:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/?p=1284"},"modified":"2026-07-19T18:11:33","modified_gmt":"2026-07-19T16:11:33","slug":"1e-vorsorgeplaene-die-kader-pk-ab-144060","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/1e-vorsorgeplaene-die-kader-pk-ab-144060\/","title":{"rendered":"1e-Vorsorgepl\u00e4ne: die Kader-PK ab 144&#8217;060"},"content":{"rendered":"<p>Wer in der Schweiz mehr verdient, st\u00f6sst irgendwann auf eine wenig bekannte, aber wichtige Vorsorge\u00adform: die sogenannten <strong>1e-Pl\u00e4ne<\/strong>. Sie gelten f\u00fcr Lohnanteile \u00fcber CHF 144&#8217;060 (Stand 2026, das anderthalb\u00adfache des oberen BVG-Grenzbetrags) und geben Kaderangestellten Wahl\u00adfreiheit bei der Anlage\u00adstrategie \u2013 mit allen Chancen und Risiken, die das mit sich bringt. Dieser Beitrag erkl\u00e4rt, was 1e ist, wer davon profitiert und welche Stolper\u00adfallen vor der Annahme einer 1e-Police lohnen, durchdacht zu werden.<\/p>\n<h2>Was \u00ab1e\u00bb \u00fcberhaupt bedeutet<\/h2>\n<p>Der Begriff stammt aus Artikel 1e der BVV 2 (Verordnung \u00fcber die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden\u00advorsorge). Demnach darf eine Vorsorge\u00adeinrichtung im \u00fcber\u00adobligatorischen Bereich \u2013 also f\u00fcr Lohnanteile \u00fcber dem oberen BVG-Grenzbetrag von aktuell CHF 96&#8217;040 \u2013 maximal zehn Anlage\u00adstrategien zur Auswahl stellen. Der Versicherte w\u00e4hlt selbst, von \u00abrisikoarm Cash\u00bb bis \u00abaktienlastig 75 % Equity\u00bb. Verluste und Gewinne werden 1:1 dem individuellen Vorsorgekapital zugerechnet. Es gibt <strong>keinen Mindest\u00adzinssatz<\/strong> wie im BVG-Obligatorium, und es gibt <strong>keine Solidarit\u00e4t<\/strong> mit anderen Versicherten.<\/p>\n<p>In der Praxis nutzen Arbeitgeber 1e-Pl\u00e4ne meist f\u00fcr L\u00f6hne ab CHF 144&#8217;060 \u2013 die untere Grenze des Lohnsegments, in dem 1e zul\u00e4ssig ist. Anbieter sind etwa <strong>PensExpert<\/strong>, <strong>Liberty<\/strong>, <strong>Avadis<\/strong>, <strong>Independent<\/strong> oder kantonale Vorsorge\u00adeinrichtungen mit 1e-Sammelstiftungen.<\/p>\n<h2>Wer profitiert \u2013 und wer nicht<\/h2>\n<p>1e lohnt sich tendenziell f\u00fcr Personen, die drei Bedingungen erf\u00fcllen:<\/p>\n<p>1. <strong>Hoher Lohn\u00adanteil \u00fcber CHF 144&#8217;060<\/strong> \u2013 sonst wird das Vorsorge\u00adkapital im 1e zu klein, als dass die Wahlm\u00f6glichkeit einen Effekt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>2. <strong>Lange Restlaufzeit<\/strong> (mindestens 10 Jahre bis zur Pensionierung) \u2013 bei einer aktienlastigen Strategie kompensiert die Zeit kurzfristige Schwankungen.<\/p>\n<p>3. <strong>Risikoaffinit\u00e4t und Anlage\u00adwissen<\/strong> \u2013 wer Aktien\u00adkurse psychisch nicht aush\u00e4lt, ist im 1e schlecht aufgehoben. Es gibt keinen R\u00fcck\u00adversicherer, der schlechte Jahre auff\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Wer kurz vor der Pensionierung ist, sollte das 1e-Kapital eher konservativ w\u00e4hlen oder ganz von 1e abraten lassen \u2013 ein Drawdown von 25 % drei Jahre vor der Pension l\u00e4sst sich kaum mehr aufholen.<\/p>\n<h2>Steuerlich ein Killer-Vehikel \u2013 mit Bedingungen<\/h2>\n<p>Der grosse Pluspunkt: 1e-Beitr\u00e4ge sind voll vom steuerbaren Einkommen abziehbar. Bei einem Grenzsteuersatz von 35 % schlagen CHF 20&#8217;000 Jahres\u00adbeitrag mit CHF 7&#8217;000 Steuer\u00adersparnis pro Jahr zu Buche. Auch <strong>freiwillige Eink\u00e4ufe<\/strong> in 1e sind m\u00f6glich \u2013 mit den gleichen Sperr\u00adfristen wie bei jedem PK-Einkauf (drei Jahre vor Kapitalbezug nach Art. 79b Abs. 3 BVG).<\/p>\n<p>Aber: 1e wird beim Austritt aus dem Arbeitgeber <strong>immer als Kapital<\/strong> ausbezahlt (nicht als Rente). Damit greift einmalig der reduzierte Kapital\u00adauszahlungs-Tarif des Wohnorts \u2013 attraktiv, aber kantonal sehr unterschiedlich. Zug, Schwyz, Appenzell-Innerrhoden sind g\u00fcnstig, Genf, Basel-Stadt, Bern eher hoch. Wer kurz vor Pensionierung umzieht, sollte das vorab durchrechnen. Mehr Hintergrund liefert unser Beitrag <a href=\"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/\">PK-Kapitalbezug und Wohnortwahl \u2013 Kantonsvergleich und Staffelung<\/a>.<\/p>\n<h2>Was beim Stellenwechsel passiert<\/h2>\n<p>Hier liegt die wichtigste Falle. Verl\u00e4sst man den Arbeitgeber, <strong>muss<\/strong> das 1e-Kapital in eine neue 1e-L\u00f6sung beim n\u00e4chsten Arbeitgeber oder auf ein Freiz\u00fcgigkeits\u00adkonto transferiert werden \u2013 mit der <strong>aktuell gehaltenen Strategie<\/strong> (also dem aktuellen Marktwert). Liegt der Markt schlecht, kristallisiert sich der Verlust. Im klassischen BVG mit Garantieverzinsung w\u00e4re das nicht passiert.<\/p>\n<p>Wer einen Stellenwechsel plant, sollte deshalb sp\u00e4testens <strong>12 bis 18 Monate vor dem Wechsel<\/strong> die 1e-Strategie defensiver einstellen, falls die Aktien\u00adquote hoch war. So nimmt man Schwankungen aus dem Schlussspurt heraus. Vergessen es Versicherte, ist das einer der h\u00e4ufigsten unangenehmen \u00dcberraschungen mit 1e.<\/p>\n<h2>Sicherheits\u00adfonds-Schutz: hier nicht<\/h2>\n<p>Anders als bei klassischen PK-Verm\u00f6gen greift der Sicherheits\u00adfonds BVG bei 1e <strong>nicht im selben Umfang<\/strong>. Die individuell zugewiesenen Verm\u00f6gens\u00adwerte sind segregierte Konten \u2013 der Schutz besteht eher gegen Insolvenz der Sammelstiftung selbst, nicht gegen Markt\u00adverluste. Wer hohe 1e-Guthaben hat, sollte deshalb die Bonit\u00e4t der Vorsorge\u00adeinrichtung j\u00e4hrlich pr\u00fcfen (Deckungsgrad, Anlage\u00adreglement, Auditbericht).<\/p>\n<h2>Fazit: Kraftvolles Vehikel, aber nichts f\u00fcr Anlage-Anf\u00e4nger<\/h2>\n<p>1e-Vorsorgepl\u00e4ne sind f\u00fcr Schweizer Kaderangestellte mit langem Anlagehorizont eines der attraktivsten Vorsorge\u00adinstrumente \u2013 tiefere Verwaltungs\u00adkosten als 3a-Apps, h\u00f6here Aktien\u00adquoten m\u00f6glich, voller Steuer\u00adabzug. Aber sie verlangen Disziplin, Marktverst\u00e4ndnis und eine klare Strategie f\u00fcr den Tag X (Stellenwechsel oder Pensionierung).<\/p>\n<p><strong>N\u00e4chster Schritt:<\/strong> Frage bei deinem Arbeitgeber an, ob ein 1e-Plan angeboten wird, welche Strategien zur Wahl stehen und welche Geb\u00fchren anfallen. Verlange das Anlagereglement \u2013 und vergleiche die TER (Total Expense Ratio) mit den Werten deiner S\u00e4ule 3a. Erst dann entscheiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer in der Schweiz mehr verdient, st\u00f6sst irgendwann auf eine wenig bekannte, aber wichtige Vorsorge\u00adform: die sogenannten 1e-Pl\u00e4ne. Sie gelten f\u00fcr Lohnanteile \u00fcber CHF 144&#8217;060 (Stand 2026, das anderthalb\u00adfache des oberen BVG-Grenzbetrags) und geben Kaderangestellten Wahl\u00adfreiheit bei der Anlage\u00adstrategie \u2013 mit allen Chancen und Risiken, die das mit sich bringt. 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