{"id":1122,"date":"2026-07-02T06:46:54","date_gmt":"2026-07-02T04:46:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/?p=1122"},"modified":"2026-07-02T06:46:54","modified_gmt":"2026-07-02T04:46:54","slug":"prozessfinanzierung-unkorrelierte-anlage-fuer-ch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/prozessfinanzierung-unkorrelierte-anlage-fuer-ch\/","title":{"rendered":"Prozessfinanzierung: unkorrelierte Anlage f\u00fcr CH"},"content":{"rendered":"<p>Stellen Sie sich eine Anlageklasse vor, deren Rendite nichts mit dem SMI, den Zinsen der Nationalbank oder dem Goldpreis zu tun hat \u2013 sondern allein davon abh\u00e4ngt, ob ein Gericht in einem grossen Wirtschaftsstreit zugunsten der finanzierten Partei entscheidet. Genau das ist Prozessfinanzierung (englisch: Litigation Funding). Ein Finanzierer \u00fcbernimmt die Anwalts- und Gerichtskosten eines aussichtsreichen Falls und erh\u00e4lt im Erfolgsfall einen Anteil am erstrittenen Betrag. Verliert der Fall, ist das eingesetzte Kapital weg. F\u00fcr Schweizer Anlegerinnen und Anleger, die ein zweites Standbein abseits der klassischen M\u00e4rkte suchen, ist das ein faszinierendes \u2013 aber anspruchsvolles \u2013 Thema.<\/p>\n<h2>Wie aus Streitf\u00e4llen Rendite wird<\/h2>\n<p>Das Prinzip ist einfach: Wer im Recht ist, aber die hohen Kosten eines jahrelangen Prozesses scheut, gibt einen Teil des m\u00f6glichen Gewinns ab und l\u00e4sst sich die Verfahrenskosten finanzieren. Der Finanzierer pr\u00fcft die Erfolgsaussichten sorgf\u00e4ltig und steigt nur bei tragf\u00e4higen F\u00e4llen ein. In der Schweiz ist diese Form der Finanzierung zul\u00e4ssig, sofern der Geldgeber unabh\u00e4ngig vom Anwalt der klagenden Partei agiert.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Anlegerseite entsteht der Reiz aus der fehlenden Korrelation: Ob ein Kartellrechtsstreit oder ein internationales Schiedsverfahren gewonnen wird, h\u00e4ngt nicht von Konjunktur oder Notenbankpolitik ab. In einem breit gestreuten Portfolio aus vielen F\u00e4llen gleichen sich Treffer und Fehlschl\u00e4ge aus \u2013 \u00e4hnlich wie bei den bereits vorgestellten <a href=\"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/cat-bonds-fuer-schweizer-anleger-2026\/\">Cat Bonds f\u00fcr Schweizer Anleger 2026<\/a>, wo Naturkatastrophen statt Gerichtsurteile den Ausschlag geben.<\/p>\n<h2>Der Schweizer Markt: professionell, aber gross dimensioniert<\/h2>\n<p>Der hiesige Markt ist \u00fcberschaubar, aber etabliert. Zu den bekannten Akteuren z\u00e4hlen die Z\u00fcrcher Nivalion AG, spezialisiert auf grenz\u00fcberschreitende Streitigkeiten und Schiedsverfahren, sowie Anbieter wie Legial und FORIS aus dem Umfeld grosser Versicherungs- und Rechtsschutzgruppen. Nivalion ist nach eigenen Angaben der einzige Schweizer Prozessfinanzierer mit einer FINMA-Bewilligung als Verwalter kollektiver Kapitalanlagen.<\/p>\n<p>Der Haken f\u00fcr Private: Diese Anbieter finanzieren typischerweise nur F\u00e4lle ab Streitwerten von mehreren Hunderttausend Franken bis in zweistellige Millionenh\u00f6he. Direkte Investments sind damit fast ausschliesslich institutionellen Anlegern und verm\u00f6genden Family Offices vorbehalten. Wer mit ein paar Tausend Franken einsteigen will, kommt hier nicht direkt zum Zug.<\/p>\n<h2>Wie Private trotzdem Zugang finden<\/h2>\n<p>Der realistische Weg f\u00fchrt \u00fcber b\u00f6rsenkotierte Vehikel. Der weltweit gr\u00f6sste spezialisierte Prozessfinanzierer, Burford Capital, ist an der Londoner B\u00f6rse und an der NYSE gelistet \u2013 eine Aktie, die jede Schweizer Bank oder jeder Neo-Broker handeln kann. Daneben gibt es Fonds und geschlossene Vehikel, die in ganze Portfolios von Rechtsf\u00e4llen investieren und so das Einzelfallrisiko streuen.<\/p>\n<p>Ehrlich bleiben muss man bei der Einordnung: Das ist kein klassischer Dividenden-Cashflow wie bei einem <a href=\"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/reits-fuer-schweizer-globales-immo-einkommen\/\">aussch\u00fcttenden Immobilienfonds<\/a>. Ertr\u00e4ge fallen unregelm\u00e4ssig an \u2013 dann, wenn Verfahren abgeschlossen werden. Die Aktienkurse solcher Finanzierer k\u00f6nnen stark schwanken, etwa wenn ein Grossfall \u00fcberraschend verloren geht. Litigation Funding ist deshalb eine spekulative Beimischung, keine Basis f\u00fcrs Depot.<\/p>\n<h2>Risiken n\u00fcchtern betrachten<\/h2>\n<p>Drei Punkte geh\u00f6ren auf die Checkliste. Erstens das Ausfallrisiko: Ein verlorener Prozess bedeutet Totalverlust des auf diesen Fall entfallenden Kapitals. Zweitens die Laufzeit \u2013 Verfahren ziehen sich oft \u00fcber Jahre, das Geld ist lange gebunden. Drittens die Bewertung: Bei b\u00f6rsenkotierten Finanzierern h\u00e4ngt der Kurs auch davon ab, wie der Markt offene F\u00e4lle einsch\u00e4tzt, was zu hoher Volatilit\u00e4t f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Steuerlich gilt das \u00dcbliche: Kursgewinne aus im Privatverm\u00f6gen gehaltenen Aktien sind in der Schweiz in der Regel steuerfrei, Aussch\u00fcttungen dagegen als Einkommen steuerbar und im Wertschriftenverzeichnis zu deklarieren. Diese Zeilen sind keine Anlageberatung \u2013 sie sollen Ihnen nur die Bausteine liefern, um selbst zu entscheiden.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Prozessfinanzierung ist eine der wenigen Anlageklassen, deren Erfolg buchst\u00e4blich vor Gericht entschieden wird \u2013 und gerade das macht sie als unkorrelierte Beimischung interessant. F\u00fcr Schweizer Privatanleger ist der direkte Zugang versperrt, der Umweg \u00fcber kotierte Finanzierer wie Burford oder spezialisierte Fonds aber offen. Behandeln Sie das Thema als kleine, bewusst spekulative Position von wenigen Prozent. Ihr n\u00e4chster Schritt: Lesen Sie einen Gesch\u00e4ftsbericht eines kotierten Prozessfinanzierers und verstehen Sie, wie er F\u00e4lle bewertet \u2013 bevor Sie auch nur einen Franken investieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellen Sie sich eine Anlageklasse vor, deren Rendite nichts mit dem SMI, den Zinsen der Nationalbank oder dem Goldpreis zu tun hat \u2013 sondern allein davon abh\u00e4ngt, ob ein Gericht in einem grossen Wirtschaftsstreit zugunsten der finanzierten Partei entscheidet. Genau das ist Prozessfinanzierung (englisch: Litigation Funding). 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