{"id":1048,"date":"2026-06-19T23:10:32","date_gmt":"2026-06-19T21:10:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/?p=1048"},"modified":"2026-06-19T23:10:32","modified_gmt":"2026-06-19T21:10:32","slug":"iv-rente-2026-das-stufenlose-rentensystem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/iv-rente-2026-das-stufenlose-rentensystem\/","title":{"rendered":"IV-Rente 2026: das stufenlose Rentensystem"},"content":{"rendered":"<p>Wer wegen Krankheit oder Unfall nicht mehr voll arbeiten kann, landet fr\u00fcher oder sp\u00e4ter bei der Invalidenversicherung. Lange entschied dort ein grobes Stufenmodell \u00fcber Existenzen: Knapp unter einer Schwelle gab es nichts oder wenig, knapp dar\u00fcber deutlich mehr. Seit 2022 gilt ein stufenloses System, das diese harten Kanten abschleift \u2013 und das viele Versicherte bis heute nicht richtig verstehen. Ein Blick darauf lohnt sich, denn die IV ist die am meisten untersch\u00e4tzte S\u00e4ule der Schweizer Vorsorge.<\/p>\n<h2>Warum die alten Stufen verschwanden<\/h2>\n<p>Bis Ende 2021 kannte die IV nur vier Stufen: Viertels-, halbe, Dreiviertels- und ganze Rente. Das Problem lag in den Spr\u00fcngen. Ein Invalidit\u00e4tsgrad von 59 Prozent ergab eine halbe Rente, einer von 60 Prozent pl\u00f6tzlich eine Dreiviertelsrente. Wer durch etwas Mehrarbeit knapp unter eine Schwelle rutschte, verlor unverh\u00e4ltnism\u00e4ssig viel \u2013 ein eingebauter Anreiz, lieber nicht mehr zu leisten. Das stufenlose System macht damit Schluss: Zwischen 40 und 70 Prozent Invalidit\u00e4tsgrad steigt die Rente nun fein abgestuft, sodass sich zus\u00e4tzliche Arbeit immer auch finanziell auszahlt.<\/p>\n<h2>So wird die Rente heute berechnet<\/h2>\n<p>Die Grundregel ist klar: Unter 40 Prozent Invalidit\u00e4tsgrad besteht kein Anspruch, ab 70 Prozent gibt es die volle Rente. Dazwischen liegt die eigentliche Neuerung. Im Bereich von 50 bis 69 Prozent entspricht der Rentenanteil exakt dem Invalidit\u00e4tsgrad \u2013 ein Grad von 55 Prozent ergibt also eine 55-Prozent-Rente, einer von 63 Prozent eine 63-Prozent-Rente. Im unteren Band zwischen 40 und 49 Prozent gilt eine festgelegte Tabelle: 40 Prozent Invalidit\u00e4tsgrad ergeben 25 Prozent Rente, und mit jedem zus\u00e4tzlichen Prozentpunkt steigt der Anteil um 2,5 Prozentpunkte, bis bei 50 Prozent die Eins-zu-eins-Logik greift.<\/p>\n<p>Wie hoch die Rente in Franken ausf\u00e4llt, h\u00e4ngt zus\u00e4tzlich von den AHV-Beitragsjahren und dem massgebenden Durchschnittseinkommen ab \u2013 dieselbe Mechanik wie bei der AHV-Altersrente. Zur Einordnung: 2026 bewegt sich eine halbe Rente je nach Beitragsbiografie zwischen rund 630 und 1260 Franken im Monat, eine Viertelsrente entsprechend zwischen etwa 315 und 630 Franken. Das zeigt zugleich die n\u00fcchterne Realit\u00e4t: Die IV sichert das Existenzminimum, ersetzt aber nie den vollen Lohn.<\/p>\n<h2>Wie der Invalidit\u00e4tsgrad zustande kommt<\/h2>\n<p>Der Invalidit\u00e4tsgrad ist keine medizinische Diagnose, sondern eine wirtschaftliche Rechnung. Die IV vergleicht das Einkommen, das Sie ohne gesundheitliche Einschr\u00e4nkung erzielen k\u00f6nnten (Valideneinkommen), mit jenem, das Ihnen trotz Beeintr\u00e4chtigung noch zumutbar ist (Invalideneinkommen). Die prozentuale Differenz ergibt den Invalidit\u00e4tsgrad. Ein Mensch, der vorher 80&#8217;000 Franken verdiente und nun nur noch 40&#8217;000 Franken erzielen kann, hat damit einen Invalidit\u00e4tsgrad von 50 Prozent.<\/p>\n<p>Gerade weil hier mit hypothetischen Vergleichseinkommen gerechnet wird, ist dieser Schritt der h\u00e4ufigste Streitpunkt \u2013 etwa wenn die IV ein theoretisch zumutbares Einkommen ansetzt, das auf dem realen Arbeitsmarkt kaum zu erzielen w\u00e4re. Wichtig ist ausserdem: Die IV-Rente aus der ersten S\u00e4ule wird in vielen F\u00e4llen durch eine Invalidenrente der Pensionskasse erg\u00e4nzt. Diese zweite S\u00e4ule ist oft der gr\u00f6ssere Brocken \u2013 und ein guter Grund, den eigenen Vorsorgeausweis zu kennen. Wer pr\u00fcfen will, ob bei einem l\u00e4ngeren Erwerbsausfall \u00fcberhaupt eine L\u00fccke klafft, findet die Zusammenh\u00e4nge im Beitrag <a href=\"https:\/\/www.coremind.ch\/wordpress\/erwerbsunfahigkeit-die-unsichtbare-vorsorge-lucke\/\">Erwerbsunf\u00e4higkeit: Die unsichtbare Vorsorge-L\u00fccke<\/a>.<\/p>\n<h2>Ihr n\u00e4chster Schritt<\/h2>\n<p>Die IV ist kein Thema, mit dem man sich erst nach dem Schicksalsschlag befassen sollte. Wer heute gesund ist, sollte zwei Dinge wissen: erstens, dass die staatliche IV-Rente das Einkommen nur teilweise ersetzt, und zweitens, wie gut die eigene Pensionskasse und allf\u00e4llige private Versicherungen diese L\u00fccke schliessen. Nehmen Sie sich Ihren Pensionskassenausweis vor und suchen Sie die Position \u00abInvalidenrente\u00bb. Liegt die Summe aus erster und zweiter S\u00e4ule deutlich unter Ihrem heutigen Nettolohn, lohnt sich ein Gespr\u00e4ch \u00fcber zus\u00e4tzlichen Schutz \u2013 lange bevor Sie ihn brauchen. Dies ist eine allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Beratung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer wegen Krankheit oder Unfall nicht mehr voll arbeiten kann, landet fr\u00fcher oder sp\u00e4ter bei der Invalidenversicherung. Lange entschied dort ein grobes Stufenmodell \u00fcber Existenzen: Knapp unter einer Schwelle gab es nichts oder wenig, knapp dar\u00fcber deutlich mehr. 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